WER: Symfonieorkest KASK & Conservatorium u.L.v. Elias Peter Brown
WAS: (Un)vollendete Symphonie WO: MIRY Concertzaal (Gent) WANN: Freitag 24. März(Un)vollendete Sinfonie in Miryzaal Gent
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Von
Willem Erauw
· 3 Min. Lesezeit
Unter dem Titel "conservatorium op scene" brachte das Sinfonieorchester KASK en conservatorium am 24. März Schuberts Unvollendete und Luciano Berio's Rendering in der Genter Miryzaal auf. Nicht mit ihrem eigenen Dirigenten, sondern ausnahmsweise mit dem jungen amerikanischen Dirigenten Elias Peter Brown, der auch schon vor dem Symfonieorkest Vlaanderen stand. Brown machte international auf sich aufmerksam, indem er den Korean International Conducting Competition gewann. Dies war ein sogenannter Präsentationsmoment, bei dem Studierenden in Musik, Drama und bildender Kunst ihre Ergebnisse zeigen und hören lassen.
Das "Un" von unvollendete stand in Klammern im Programm, denn es schmälert die Pracht und Vollkommenheit der zwei Teile, aus denen diese Sinfonie besteht. Zwei sehr kontrastierende Teile, aber doch ganz und gar Schubert. Bescheiden, zurückhaltend, aber in Momenten auch großartig und überwältigend. Eine freundliche Schubertsche Melodie, abgewechselt mit Passagen karger Stille.
Würde ein anderer Dirigent sie auch so gut zusammenspielen lassen können, denke ich. Elias Peter Brown ist kaum einige Jahre älter als die Studierenden auf der Bühne, aber man sieht und spürt, wie er sie im Griff hat, sie mit seinem Taktstock leitet und mit der Kraft und Geschmeidigkeit eines Balletttänzers gestikuliert. Abgesehen von einer einzelnen Ungenauigkeit in der Intonation bei den Celli, hörten wir gekonnt zusammenspielende Streicher und wunderbare Soli bei den Bläsern. Manchmal etwas zu laute Blechbläser, hier und da zu fette Klangstöße bei Posaunen, das kommt häufiger vor. Das schadet dem ausgezeichneten Gesamteindruck nicht.
Luciano Berio schrieb sein Rendering aus dem Jahr 1987 auf der Grundlage einer anderen, noch unvollendereren Sinfonie von Schubert, von der nur Klavierskizzen aus Schuberts letzten Tagen existieren. Es ist keine Rekonstruktion wie die von Mahlers Zehnter. Berio orchestriert die Motive und Melodien so, wie Schubert es getan hätte, aber die leeren Stellen lässt er leer, um darin eine Art polyphoner Überlegung in seinem eigenen Stil einzufügen. Eine Herausforderung für dieses junge Orchester, gut dass dieses weniger bekannte Werk eines wichtigen Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts neben Schuberts überbekannter Unvollendeter programmiert wird.
Die einzige Falschnote in diesem Konzert war das minderwertige Programm, das man am Eingang in die Hand bekam. Nichts gegen ein gefaltetes A4-Blatt, aber eine anständige Aufführung verdient mehr als dieses überstürzt zusammengestellte Blatt mit schludrigem Layout und ein paar Sätzen, gepflückt von Wikipedia.