Die erste Seite der Broschüre mit der neuen Saison Opera Ballet Vlaanderen (OBV) trägt den Titel: Oog in oog. Die letzte zeigt ein stark abgegrenztes Auge in einer Aussparung (Bild Olgaç Bozalp). Was innerhalb der Broschüre steht, ist gleichsam überraschend und auffällig. OBV setzt bewusst auf Erneuerung und Verjüngung. Was besonders auffällt: erwarten Sie keine Saison mit dem „großen" Opernrepertoire und bestimmt keine „traditionellen" Aufführungen. Außerdem gibt es in Bezug auf Oper nur zwei neue Inszenierungen.
Die Absicht ist, bei OBV Theater als eine hybride Kunstform zu zeigen, in der verschiedene Disziplinen miteinander vermischt werden. Musik gepaart mit bildender Kunst (Installationen oder Film). Es gibt viel Ballett und auch Vonk, „die Säule rund um die Entwicklung neuer Talente, Inklusion und Innovation", erhält einen großen Anteil. Natürlich gibt es auch einige Konzerte und die Aperitif-Konzerte bleiben ein fester Bestandteil.
La clemenza di Tito von Mozart (September 2023) wird inszeniert von Milo Rau, ehemaliger künstlerischer Leiter des NTG und derzeitiger Intendant der Wiener Festwochen. In Mozarts Aufklärungsoper wird der Aspekt der Solidarität und Integration betont. Musikdirektor Alejo Pérez dirigiert. Die nächste Opernproduktion ist die Wiederaufnahme (Dez./Jan. 23-24) von Bizet Les Pêcheurs de Perles von F.C. Bergman. Die Produktion aus Dezember 2018 wird nun dirigiert vom jungen belgischen Dirigenten Karel Deseure. Im Februar 2024 folgt die Uraufführung eines neuen Werkes von Daan Janssens Brodeck, nach Le Rapport de Brodeck von Philippe Claudel, „eine düstere Parabel über Krieg, Fremdenfeindlichkeit und Erinnerung". Die Uraufführung wird inszeniert von Fabrice Murgia, der auch am Libretto mitgearbeitet hat, und dirigiert von Marit Strindlund. Am Ende der Saison (Juni 2024) gibt es noch die Wiederaufnahme der wunderschönen Produktion, die Robert Carsen 1999 von Janáčeks Jenufa gemacht hat. (Wiederaufnahme 2004). Auch hier dirigiert Alejo Pérez. Halbszenisch (Tom Goossens) gibt es im November '23 eine Reihe von Aufführungen von Die Fledermaus von Johann Strauss unter der Leitung von Alexander Joel.
OBV möchte betonen, dass das Opernhaus sein eigenes Ballettensemble pflegt mit einer Reihe von fesselnden Ballettaufführungen. Die Saison eröffnet daher mit Choreolab, in dem die Tänzer von OBV in einem „Mosaik von Tanzstilen" auftreten. Weiter gibt es ein fesselndes Doppelprogramm von Igor Stravinsky's Petroesjka und Kurt Weills Die sieben Todsünden. Wim Vandekeybus kommt mit Puur vor, eine Aufführung über Mythen und biblische Geschichten. Auch Jan Martens, Anne Teresa De Keersmaeker und Richard Siegal stehen auf dem Programm. Nach dem überwältigenden Erfolg von C(h)oeurs „lädt Alain Platel erneut die Chorsänger, Tänzer und Orchestermusiker von Opera Ballet Vlaanderen zu einem kreativen Dialog ein". Ombra heißt die Aufführung, inspiriert von der berühmten Arie Ombra mai fu aus Händels Oper Serse.
Während die Familienoper Kruistocht von Frederik Neyrinck derzeit erfolgreich in Gent läuft und nächste Saison nach Antwerpen kommt, bereitet Vonk einige fesselnde neue Musiktheaterproduktionen vor.
Bei den Konzerten lohnt es sich bestimmt, auf das Requiem von Gabriël Fauré und auf Beethovens Neunte Symphonie zu freuen, mit der OBV seine Saison nächstes Jahr abschließt.
Alle Informationen finden Sie natürlich auch auf der Website von operaballet und in der Broschüre.
WAS: Saison 2023-2024 Opera Ballet Vlaanderen
WO: Opera Ballet Vlaanderen, Antwerpen
WANN: 4-5 Mai 2023