Von uns selbst
„Hoe schoon de morgendauw", ein Gedicht des vielleicht kreativsten Dichters Flanderns, Guido Gezelle, vertont von Lodewijk Mortelmans: Es ist früh am Morgen und ich wache mit diesem Lied im Kopf auf. Das streichelt den Tag. Gestern Abend hörte ich es noch singen. „Hörlese" mit…
Das Peter Benoit Fonds organisiert seit letztem Jahr die Verleihung des Peter Benoit Preises, der mit der jährlichen Peter Benoit Gedenkveranstaltung verbunden ist. Niemand geringeres als einer der gelehrtesten Pianisten Flanderns wurde ausgezeichnet, Jozef De Beenhouwer.
Er ist einer der wenigen Musiker in unserem Land, der das reiche flämische Repertoire romantischer Musik konsequent mit ausgezeichneter Kenntnis aufführt und noch immer als wahrer Vermittler aufführt. Dieser begabte Mann ist selbst dabei immer bescheiden geblieben, er positioniert sich als dienender Interpret.
Vorsitzender Peter Verhoeven des Peter Benoit Fonds brachte eine Laudatio geschrieben von jenem anderen unermüdlichen Vermittler der flämischen Musik, Michaël Scheck. Unmittelbar vernahm das Publikum, frisch von der Hand, dass die Stiftung mit dem Peter Benoitmuseum in Harelbeke zusammenarbeiten wird, dem Geburtsort des Komponisten, der das Antwerpener Königliche Konservatorium gründete.
Der erste Preisträger des Peter Benoit Preises war Komponist Frits Celis. Jozef De Beenhouwer passt sehr gut dazu. Der Unterschied in der Feier? Celis durfte Musik hören, De Beenhouwer „musste" sein eigenes Festkonzert selbst gestalten. Und ob er das tat! Neben einigen sehr schön interpretierten bekannteren Klavierwerken von Marinus De Jong, Lodewijk Mortelmans und Peter Benoit begleitete er Sopranistin Liesbeth Devos in Liedern der genannten Komponisten und auch von Joseph Ryelandt. Von diesem letzteren brachte das Spiegel String Quartet ein Klavierquintett mit am Klavier dem gefeierten Preisträger.
Sind wir Flamen uns bewusst, welche Qualität wir an Komponisten aus Vergangenheit und Gegenwart und an ausführenden Musikern im Hause haben? Das Peter Benoit Fonds ist sich dessen in jedem Fall bewusst, und wir erfahren, dass es einmal eine Zeit gab, jedenfalls bis vor dem Ersten Weltkrieg, dass dieses Bewusstsein sehr lebendig war. Wenn man liest, wie unsere Musiker wie Könige gefeiert wurden, mit Prozessionen und großartigen Empfängen, dann sind wir weit abgewichen von der Wertschätzung der Kunst unserer eigenen Menschen. Lassen Sie uns dem Vorbild der Vergangenheit folgen, um mit erneutem gesundem und verantwortungsvollem Chauvinismus für die eigene Musik einzustehen.
Vielfältiges und ergreifendes Programm
Jozef De Beenhouwer ließ sich sofort als großer Interpret und Virtuose in den Werken von Marinus De Jong vollständig gehen. In den anderen Solowerken, den bekannteren von Lodewijk Mortelmans, das Wielewaalt und das Leeuwerkt, und der bekannten dritten Fantasie von Peter Benoit – es war gut, dies gerade bei dieser Feier zu hören – glänzte De Beenhouwer. Auf so ein Klavierspiel kann man stundenlang hören.
In einer Auswahl sehr gut ausgewählter Lieder begleitete er Liesbeth Devos. Was für eine Textgestaltung und Ausdruckskraft, wer nicht bewegt wurde von „Hoe schoon de Morgendauw" und noch mehr bei „Als de Ziele luistert", kann nicht bewegt werden. Aber auch das C'est en toi, bien-aimé ist pure platonische hochstehende Liebe, besonders in dieser ergreifenden Aufführung. In den Liedern Lied von Mignon (Kennst du das Land), 't Is Stille, 'k En hoore U nog niet und besonders Ego Flos – beide letztere mit Musik von Ryelandt – glänzte Devos mit voller, cremiger Sopranfarbe und weit tragende, den Raum erfüllende Klang. Liesbeth Devos wächst noch immer in ihren Interpretationen. Eine fesselnde Entwicklung.
Das sehr selten aufgeführte Klavierquintett Nr. 1 von Ryelandt wurde gespielt mit Jozef De Beenhouwer am Klavier und dem Spiegel String Quartet. Dieses Werk aus 1901 ist von großer romantischer Qualität und darf neben anderen viel häufiger gespielten Werken dieser Zeit gestellt werden. Es ist ein Bühnenstück, das endlich aus dem Schatten treten muss. Es gibt nur eine Aufnahme davon, realisiert 2008 von denselben Menschen durch Phaedra in der berühmten CD-Reihe „In Flanders Fields".
Das Wetter war draußen vielleicht wirklich furchtbar mit zu viel Kälte und Regen, die Sonne schien dafür umso mehr in der Antwerpener Vleeshuis. Bravo!
- WAS: Verleihung Peter Benoit Preis
- WER: Jozef De Beenhouwer, Liesbeth Devos, Spiegel String Quartet, Peter Benoit Fonds
- WO & WANN: Instrumentenmuseum Vleeshuis, Antwerpen, 12. März 2019
- FOTOS: © Klassiek Centraal