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Wären Händel und Corelli Rivalen gewesen?

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Wären Händel und Corelli Rivalen gewesen?

Der Konzertsaal war zu groß, der Kammermusik-Saal zu klein für die Gesellschaft von Musica Gloria im Brugse Concertgebouw, aber dieser war dann wirklich bis oben hin gefüllt! Und das für einen Wettkampf zwischen Corelli und Händel, so schien es aus dem Programm. Ein Wettkampf vorbildlich geleitet durch das Duo Beniamino Paganini und Nele Vertommen, die beiden Stützen von Musica Gloria, ein Ensemble voller junger Menschen, wo das in der klassischen Welt mehr der Fall ist, kamen vor allem ältere Menschen zum Zuhören….

Das Konzert begann mit jenem Archangelo ("Erzengel", so himmlisch klang sein Violenspiel seinen Zeitgenossen) Corelli. Eine Triosonate für zwei Violinen und Cello. Für den Continuo sorgte Beniamino Paganini selbst am Cembalo zusammen mit dem Theorbe-Spieler Giulio Quirici und Cellist Evan Butter. Dieses Cembalo bedarf einer Erklärung, denn "gewöhnlich" war es nicht: es war ein Claviorgan. Es ist eine raffinierte Konstruktion, eine Kombination eines Orgelpositivs und eines Cembalos, mit zwei Klavieren. Ein Instrument, das zu jener Zeit bekannt war und nötig, wenn man sowohl ein Orgelkonzert spielen als auch eine Cembalosuite aufführen will. Beides stand auf dem Programm und Beniamino Paganini beherrschte das doppelte Instrument vollkommen und mit Schwung. Nach einer Triosonate für Oboe von Händel, mit einer ausgezeichneten Nele Vertommen (nicht umsonst Schülerin von Marcel Ponseele) folgte dann eine Cembalosuite des britisch-deutschen Großmeisters auf diesem doch fremden und schönen Claviorgan. Und wieder Nele Vertommen und die ganze Gesellschaft mit einem Oboenkonzert von Händel. Und dann wieder die Reihe an Corelli mit seiner Version von La Folia, jenem bekannten und verrückten "Liedchen", leichtfüßig aber uralten schwierig zu spielen.


Die Spielfreude sprang von diesen jungen Spielern aus ihren Gesichtern. Wunderbar und mit so viel Kraft gebracht, dass die Instrumente mit großer sorgfältiger Aufmerksamkeit immer wieder perfekt gestimmt werden mussten. Schön zu hören, dass Corelli wieder unter die Lupe genommen wird, nachdem er mit diesen concerti grossi doch ein wenig in die Ecke des "Tafelmusik" geraten war und bei mir und bei vielen meiner Generation die musikalische Tapete der Weihnachtsatmosphäre hervorruft. Aber höre doch mal auf diese Triosonate "con aboé": Nele Vertommen konnte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auf der Oboe fachmännisch erweitern und auf diesem speziellen und alten Instrument unter Beweis stellen, das irgendwo zwischen einer Schalmei und einer Barokoboe hängt, mit einem größeren Endkelch und schärfer und lauter klingt.

Und wenn man von concerti grossi und Händel spricht, dann darf ein Orgelkonzert von ihm nicht fehlen und Musica Gloria brachte dieses schöne Werk mit dem Beinamen "The Cuckoo and the Nightingale", voller Dialog zwischen den Instrumentengruppen, wie es sich in einem concerto grosso gehört, einschließlich des Vogelflötchens, das die Nachtigall imitieren sollte. Hörten wir jetzt schon ein vollkommenes Ensemble unter der Leitung von Beniamino Paganini, der 2021 zum Musicus des Jahres 2020 von den Mitgliedern der Belgischen Musikpresse gewählt wurde? Wir hörten jedenfalls ein vollkommen glückliches Ensemble! Zugabe? Ein kurzes Stück Geminiani mit einer, diesmal auf Blockflöte, glänzenden Nele Vertommen, die 2020 auch auf der long list eben jener Preis der Musikpresse stand. Dass jener Verein damals keine bessere Wahl hätte treffen können, wurde mit diesem Konzert reichlich bestätigt.

WER: Musica Gloria u.L.v. Beniamino Paganini (Claviorgan) und Nele Vertommen (Oboe) und weiterhin
Elise Dupont und Daria Spiridonova (Violine), Lena Rademann (Bratsche), Evan Butter (Cello) und Giulio Quirici (Theorbe und Gitarre).
Und Markus Harder-Völkmann: Instrumentenbau Claviorgan

WAS: Arcangelo Corelli (Triosonatas opus 1 und 3, sonata con Aboé und La Folia opus 5)
Georg Friedrich Händel (Triosonate HWV390, Cembalosuite HWV428, Oboenkonzert HWV287, Orgelkonzert HWV295, The Cuckoo and the Nightingale und das "adagio" aus der Ouvertüre "Il trionfo del Tempo e del Disinganno" HWV46a)

WO: Kammermusik-Saal Concertgebouw Brugge, Freitag 4. März 2022

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