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Rossinis verliebte Gloriana in The Queen and her favourite

J
· 4 Min. Lesezeit
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Rossinis verliebte Gloriana in The Queen and her favourite

Mit Rossinis Elisabetta, regina d'Inghilterra (1815) enthüllt De Munt den ersten Abend des zweiteiligen Werkes The Queen and her Favourite/The King and his Favourite. Damit setzt sie das zuvor geplante Donizetti-Projekt Bastarda in ein neues Licht. Unter der Leitung des Dirigenten Francesco Lanzillotta führt das Brüsseler Opernhaus eine interessante Inszenierung von Rossini-Auszügen auf, voller Intrigen, Sehnsüchte und wunderschöner Bel-Canto-Passagen.

Um 1815 war der italienische Komponist Gioachino Rossini bereits ein international bekannter Meister. Tancredi (1813) erwies sich als einer seiner entscheidenden Erfolge. Doch als er in Neapel ankam, dauerte es eine Weile, bis das neapolitanische Volk sich für den Maestro und seine Kompositionen zu begeistern begann. Die Stadt, bekannt für ihre eigenen geliebten Operntradtionen, hatte Schwierigkeiten mit dem neuen Wind. Für das Teatro di San Carlo schrieb Rossini schließlich Elisabetta, regina d'Inghilterra, ein „dramma per musica" in zwei Akten. Mit dieser Oper gelang es dem Komponisten, sein neapolitanisches Publikum zu überzeugen.

Charakteristisch für eine Komposition von Rossini ist ein Bel-Canto-Stil, auf dem die romantische Oper des neunzehnten Jahrhunderts später ihre Grundlagen aufbauen würde: leichte und flüchtige Passagen werden mit schnellen, technischen Koloraturabteilungen abgewechselt. Ein nachdenklicher dramatischer Moment entfaltet sich schnell zu einer hastigen Bewegung, in der Dynamik, Spannung und ausdrucksstarke Vokalausdrücke zusammentreffen. Finales sind bei Rossini nicht weniger als ein Wirbel von Emotion, aber das bedeutet nicht, dass die anderen Stücke nachstehen müssen. Schnelle verspielte, aber technisch komplexe Vokal-Koloraturen sind eine von Rossinis Eigenheiten in der italienischen Bel-Canto-Periode des neunzehnten Jahrhunderts.

Liebe und (Ohn)macht

Wer bei Beginn von Elisabettas Ouvertüre und Eröffnungsarie Anklänge von Rossinis anderer berühmter Oper Il barbiere di Siviglia (1816) auffängt, liegt auf der richtigen Fährte: Der Komponist holte sich die Inspiration tatsächlich aus seinem eigenen Werk. Dennoch verfliegt die äußerst starke Ähnlichkeit schnell zugunsten eines für Rossini typischen Klangenspiels auf dem persönlichen Schlachtfeld von Elisabeth I. (Sopran Salome Jicia). Diese entdeckt, dass ihr geliebter Favorit Leicester (Tenor Sergey Romanovsky) bereits heimlich mit einer anderen Frau verheiratet ist, mit Mathilde (Sopran Lenneke Ruiten). Der Antagonist Norfolk (Tenor Enea Scala) manipuliert die englische Fürstin aus Eifersucht über ihre Bevorzugung zum Nachteil des unglücklichen Paares. Letztendlich triumphiert das Recht und die Liebe über Norfolks Rache. Elisabeth bleibt mit den Worten „Fuggi amor da questo seno / non turbar più il viver mio." (Lass die Liebe aus meinem Herzen verschwinden / und quäle mich im Leben nicht mehr) zurück. Gloriana – ein Spitzname von Elisabeth I. – triumphiert, aber die Frau in ihr muss ihren Favoriten aufgeben.

Die Inszenierung hat – in dieser bizarren Zeit, in der Publikum und Bühne manchmal weit voneinander entfernt sind – die Wendung einer visuellen Geschichte genommen. Die Hauptdarstellerin, ein junges Mädchen, wird in die Geschichte von Elisabetta verwickelt. Als Zuschauerin nimmt sie ihren Platz ein, lebt sich hinein und dirigiert sogar mit. Letztendlich spielt sie eine aktive, visuelle Rolle in der Oper und gibt in einer Art Pantomime wieder, was während der wechselnden Opernausschnitte geschieht. Dies gibt dem konzertanten Szenario eine zusätzliche Dimension. Die vokale Ebene wird durch visuelle Emotionen und Körpersprache verstärkt. Damit lädt man jeden ins Opernhaus ein – in der Inszenierung wird das Kind herzlich von Elisabetta empfangen und verabschiedet –, auch wenn die Realität anders ist.

Bel-Canto-Eleganz

Deutlich hörbar sind die schnell aufeinanderfolgenden hohen Sprünge und klaren Koloraturapassagen, für die die Oper bekannt ist. Aus dem Duett zwischen Leicester und dem Antagonisten Norfolk geht hervor, dass beide gewagten Sprünge ausführen, die der Bravour eines Verdi-Tenors nahekommen, und dies mit der Geschwindigkeit einer kraftvollen Koloraturapassage à la Rossini. Es gibt keinen Moment, in dem technische Kraft und Ausdauer nicht auf dem Spiel stehen in dieser Inszenierung. Alle Ausführenden, vom Chor bis zum Solisten, bringen diese Musik mit einer Bel-Canto-Eleganz, die mitreißend ist. Darüber hinaus ist es sicher, dass Elisabetta, regina d'Inghilterra sowohl in Geschichte als auch in Musik reine und mitreißende italienische Charme mit sich trägt. Auch dieser Abend war nicht weniger als das. Die Inszenierung von The Queen and her Favourite ist ein Eintauchen in die Welt des Bel Canto von Rossini und die Liebe der historischen Virgin Queen zu dem Mann, der niemals der ihre sein würde.


  • WAS: The Queen and her Favourite: Gioachino Rossinis Elisabetta, regina d'Inghilterra (1815)
  • WER: De Munt/La Monnaie
  • WANN: ab 11. März (Livestream verfügbar bis eine Woche nach der Premiere)
  • PRODUKTION: Produktion De Munt/La Monnaie (Koproduktion zusammen mit Shelter Prod und Prospero MM Productions), gesehen 11. März 2021
  • ÜBERTRAGUNGEN: Klara am 24. April 2021, Musiq3 am 24. April 2021
  • LINKS: Vorschaugespräch mit Erklärung über Bel Canto und diese Inszenierung
  • FOTOS: © De Munt / La Monnaie
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