**** Die bulgarische Sopranistin Sonya Yoncheva gehört derzeit zu den besten Sängerinnen für Verdis Opern. Mit The Verdi Album, ihrer neuesten CD bei Sony Classical, liefert sie hierfür einen schönen Beweis, zusammen mit dem Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung des feinfühligen Dirigenten Massimo Zanetti.
Das Repertoire ist sorgfältig zusammengestellt: einige frühe, weniger populäre Opern wie Attila und Stiffelio neben Top-Arien wie Tacea la notte aus Il Trovatore, Pace, pace aus La Forza del destino und besonders Ave Maria, die erhabene Arie der Desdemona aus Otello. Durchweg interpretiert sie die typischen weiblichen Charaktere von Verdis Opern auf sehr intensive Weise: verhängnisvolle Opfer trotz ihrer starken Charaktere und ihres inneren und aufrichtigen Kampfes für ihre authentische Persönlichkeit. Sonya Yoncheva verkörpert sie auf ideale Weise. Ihre Stimme ist wach und zwingt zum aufmerksamen Hören. Sie ist metallisch, ohne hart zu sein, und drückt die Kraft der Frauen aus. Vielleicht legt sie manchmal etwas zu viel Gewicht auf die Kraft: manchmal könnte sie auch etwas zerbrechlicher sein und die Tragik mit sanfteren Nuancen ausdrücken. Aber sie hat absolut keine Schwierigkeiten mit hohen Spitzentönen und singt mit einem wunderbaren Legato!
Sie wird begleitet von Massimo Zanetti, dem Dirigenten, an dessen Zeit als Generalmusikdirektor der Flämischen Oper während der Zeit, als Marc Clémeur dort Intendant war, wir uns noch lebhaft erinnern. Seither haben wir ihn in Belgien noch ein paar Mal mit großer Zufriedenheit als Dirigent in der Opéra Royal de Wallonie gehört (2014, Verdi, Luisa Miller; 2017, Bellini, Norma). Ein Dirigent mit vollkommenem Gespür für Verdi. Er erweist sich hier erneut als der Lyriker schlechthin. Er zaubert durchaus Sanftheit und Melancholie aus dem Münchner Rundfunkorchester, und sein präzises Tempo bestimmt auch die Spannung mit, die er in die Arien legt, manchmal auch durch die richtige Pause und Stille, zum Beispiel in der Arie aus Il Trovatore. Er ist ein Meister des „silenzio". Hören Sie nur auf das Ende der Arie der Desdemona, oder auf den geheimnisvollen Klang von Meer und Mond in der wunderbaren Arie Come in quest'ora bruna aus Simon Boccanegra.
Eine CD, die jeden Verdi-Liebhaber bestechend wirken kann, sowohl durch das Niveau der Ausführenden als auch durch die präsentierten Fragmente. Der Opernliebhaber kann sich auch schon ein Live-Konzert mit Yoncheva in seinen Kalender eintragen: die bulgarische Sopranistin kommt am 18. Juni 2019 zu einem Verdi-Konzert in die Opéra Royal de Wallonie.
- WAS: The Verdi Album
- WER: Sonya Yoncheva (Sopran), Münchner Rundfunkorchester u.L.v. Massimo Zanetti
- AUSGABE: Sony Classical 88985417982