Die Romantik in vollster Ausprägung – diese Streichsextette von Tsjaikovski (1890) und Korngold (1916). Souvenir de Florence des russischen Großmeisters erinnert an die Eindrücke, die der damals fünfzigjährige Tsjaikovski während seines Aufenthalts in Italien im Frühjahr 1890 sammelte. Korngold, der Sohn von Dr. Julius Korngold (1860-1945), der als der eminente Wiener Musikpublizist und Protégé des gefürchteten Kritikers Eduard Hanslick gilt, war gerade neunzehn Jahre alt, als er sein Streichsextet vollendete (er hatte 1914 als Siebzehnjähriger damit begonnen). Doch obwohl das Stück noch in der Adoleszenz entstand, ist der typische Korngold-Stil mit seinen wohltätigen Melodien und unruhiger Polychromie dort durchaus präsent. Selbstbewusst, überzeugt von eigenem Können – so klingt das Werk in all seiner Pracht aus der Feder eines noch sehr jungen Komponisten, von dem man sagte, dass er nach Mozart das größte Wunderkind war und bereits damals auf internationale Ausstrahlung hinweisen konnte.
Die Aufführungen durch das Londoner Nash Ensemble sind tadellos. Die schön ausgearbeiteten Soli sind eine wahre Freude für das Ohr, und die packenden Klangfarben treffen den Hörer genauso ins musikalische Herz wie die von glühender Leidenschaft und warmer Lyrik getragene Argumentation dieser sechs ausgezeichneten Musiker. Andrew Keener war für die Aufnahme verantwortlich, und dann wissen Sie Bescheid: ein Sounderlebnis erster Klasse.