Das niederländische Plattenlabel Challenge Classics bringt die Musik des Landmannes Jan Pieterszoon Sweelinck (1561-1621) auf CD heraus. Cembalist Fabio Antonio Falcone interpretiert die weltlichen Variationsreihen dieses Großmeisters. Das Album Sweelinck klavierwerken — "The Art of Variation" bringt Variationen über Lieder und Tänze auf einem Johannes Ruckers (1632/1745). Mit Aufmerksamkeit für Klangfarbe erweckt Falcone dieses Repertoire auf dem Cembalo zu neuem Leben.
Obwohl keine Originale von Sweelincks Klaviermusik erhalten geblieben sind, ist sein Repertoire ein musikalischer Schatz. Seine Musik ist Zeuge verschiedener Wendepunkte: wie die Entstehung protestantischer Kirchenmusik, die Aufwertung weltlicher Musik und die weitere Emanzipation der Klaviermusik. Aber was unterscheidet diesen niederländischen Meister von seinen Zeitgenossen?
Das Goldene Zeitalter und Jan Pieterszoon Sweelinck
Jan Pieterszoon Sweelinck wird von Musikwissenschaftlern oft als Höhepunkt der niederländischen Musik im Goldenen Zeitalter (1570-1700) angesehen. Mit der Blüte der Kirchenmusik, der wachsenden Beliebtheit weltlicher Musik und dem Aufkommen von Glockenspielmusik war dies eine sehr fruchtbare Periode für Komponisten aus den Niederlanden. In den Südlichen Niederlanden war der englische Komponist Peter Philips (1560-1633) einer der musikalischen Meister und im Norden war Sweelinck der große Name.
Kirchenmusik spielte eine große Rolle in der Entwicklung von Sweelincks musikalischer Entwicklung. Er war einer der ersten Komponisten nach der Reformation, die calvinistische Musik komponierte. Seine frühen Werke entsprechen der sparsamen Besetzung, die Calvin vorschrieb. Es waren einstimmige Kompositionen für die Gemeinde mit einfacher Orgelbegleitung zur Unterstützung. Für andere Arten von Musik wurden speziell organisierte Konzerte vorgesehen. Sweelinck komponierte regelmäßig Musik für diese Konzerte. Diese Werke werden oft als æmulatio bezeichnet und sind hauptsächlich Kirchenwerke. Einige dieser Kompositionen haben eine weltliche Grundlage. Eine Innovation des Goldenen Zeitalters, die in späteren Werken wie seinen Klaviervariationen weiterhin auftauchen würde.
Nach seiner Venedigreise baute Sweelinck einen Ruf auf, der ihm den Beinamen "Amsterdamer Orpheus" bescherte. Er war im In- und Ausland bekannt. Sweelinck begann als Komponist vokaler, kirchlicher Musik, baute sich aber auch einen internationalen Ruf als Pädagoge und als brillanter Klavierimprovisor auf.
Variationsreihen auf Klavier
Sweelinck begann erst mehr für Klavier zu komponieren, nachdem er bereits als Vokalkomponist einen Namen gemacht hatte. Mit Hilfe von Kontrapunkt und Regeln der Polyphonie entwickelte er einen Klavierstil, der einzigartig war. Sweelinck mischte seinen Stil auch mit Einflüssen der italienischen virtuosen Cembalisten, der Kunst der englischen Virginalisten und des spanischen Orgelstils.
Diese Vielfalt und der einzigartige Charakter von Sweelincks Stil stehen im Mittelpunkt von Fabio Antonio Falcones CD. Die früheste Sammlung 13 Choralvariationen überspringt der Cembalist und konzentriert sich sogleich auf die späteren Werke. Er eröffnet mit der Variationsreihe Ballo del granduca [track 01]. Dieses erste Stück hebt sofort einen wichtigen Aspekt von Sweelincks Variation hervor. Nämlich seine Liebe zu populären weltlichen Einflüssen: Tanzstrukturen. Die Titel ballo, pavane und allemande zeigen sogleich die Verbindung zu den gleichnamigen Tänzen. Aber auch andere Werke verwenden Tänze als Modell für Struktur. So ist beispielsweise Solo es sein [track 07] auf einen polnischen Tanz basiert. Während "Onder enn linde groen" [track 04] und "Est-ce Mars?" [track 09] — zwei Variationen aus 8 Variationsreihen über weltliche Lieder — werden beide durch eine Allemande-Struktur gekennzeichnet.
Falcone ist ein Meister auf dem Cembalo. Das beweist er mit dieser CD erneut. Mit seiner Spezialisierung auf Renaissance- und Frühbarockmusik ist der Klavierlegende Jan Pieterszoon Sweelinck eine perfekte Paarung für Falcone. Es ist ein Werk, das weniger virtuos ist als sein geliebtes italienisches Repertoire, aber bei dem eine klare Struktur entscheidend ist. Und dies tut Falcone sehr elegant. Mit Blick auf Farbe und Kontrast haucht er Sweelincks weltlichen Variationen neues Leben ein. Und das Timbre des gewählten Johannes Ruckers Instruments weiß Falcone dabei vollständig in seinen Dienst zu stellen.
- WER: Fabio Antonio Falcone [Cembalo]
- WAS: Sweelinck klavierwerken — "The Art of Variation"
- LABEL: Challenge Classics CC72926
- BESTELLEN: JPC