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Das Jiddisch Cabaret von Jerusalem Quartet

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· 4 Min. Lesezeit
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Das Jiddisch Cabaret von Jerusalem Quartet

Als das Jerusalem Quartet, Besetzung: Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler, Violine; Ori Kam, Viola und Kyril Zlotnikov, Violoncello, von Harmonia Mundi angesprochen wurde, um ein „besonderes" Album zu konzipieren, ein Album, das ihr Standardrepertoire in Frage stellen würde, legten sie großen Wert darauf, ein Thema zu finden, zu dem sie ohnehin eine natürliche Verbindung hatten und das für das breite Publikum interessant sein würde.

Spontan suchten sie es in der jüdischen Tradition und Musik. Es wurde eine Art Rehabilitation, denn… heutzutage ist es ziemlich modisch, Kabarettmusik aus der Weimarer Republik wiederzubeleben. Die jüdische Verbindung zu dieser Musik wird jedoch selten hervorgehoben. Dies inspirierte die Gruppe, ein Projekt zu schaffen, in dem die jüdische Kultur als wichtiger Einfluss auf die heutige Kultur als Ganzes betont wird. Es wurde sich für instrumentale und vokale Musik entschieden.

Streichquartett Nr.2 op 26 - Erich Wolfgang Korngold

Zunächst das Streichquartett Nr.2 op 26 (1933) von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957). Sein Leben umfasste die beiden Weltkriege. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft erließ das Dritte Reich ein Verbot für die Aufführung seiner Werke. Es wurde als Entartete Kunst gebrandmarkt! Er wanderte nach Amerika aus und wurde dort ein Pionier der Filmmusik. Sein Werk hat in letzter Zeit eine ernsthafte Wiederentdeckung verdient. Die Oper „Das Wunder der Heliane" wurde wiederentdeckt und dieses Jahr noch in der Flämischen Oper aufgeführt.

Das Jerusalem Quartet ist eine Gruppe mit starken musikalischen Persönlichkeiten. Das Streichquartett Nr.2 op 26 wird beherrscht, aber durchdrungen interpretiert. Die Klänge steigen aus der Tiefe ihrer Instrumente auf, schlagen Purzelbäume. Es werden Berge und kleine Täler mit Gespür für Timing und Aufmerksamkeit für die Harmonie, deren Teil sie sind, aufgebaut. Es gibt einen ständigen Stimmungswechsel, durch den die jüdische Idiomatik stark zum Ausdruck kommt.

Fünf Stücke für Streichquartett - Erwin Schulhoff

Erwin Schulhoff wurde 1894 in Prag aus einer jüdischen Familie geboren und zeigte bereits als kleines Kind sein außergewöhnliches musikalisches Talent. Bis zum Ersten Weltkrieg wird sein Werk stark von Brahms, Dvořák, Debussy und Scriabin beeinflusst. Danach beginnt er, in einem mehr expressionistischen Stil zu komponieren. 1939 will er dem Nazi-Terror entfliehen und die sowjetische Staatsbürgerschaft annehmen. Er wird jedoch vorzeitig verhaftet und stirbt 1942 in einem Konzentrationslager in Wülzburg an Tuberkulose.

Diese Fünf Stücke für Streichquartett atmen eine ganz andere Atmosphäre, klingen neoklassizistisch und stammen aus der wichtigsten Phase seiner Kompositionskarriere. Jedes Stück bezieht sich auf einen Tanz oder ein Land. In „Alla Valse Viennese" schimmern Walzer durch und bei „Alla Tango Milonga" kann man nur an Argentinien denken. Es verkörpert ein wenig die Diaspora des jüdischen Volkes. Auch diese Komposition wird mit gefühlvoller Musikalität interpretiert.

Jiddisch – 5 Lieder für Stimme und Streichquartett, Bearbeitung Leonid Desyatnikov, Gesang Sopran Hila Baggio

Diese fünf Lieder waren in Polen zwischen den beiden Weltkriegen sehr beliebt. Eine eklektische Kultur der Assimilation, eine Kultur des billigen Chic, aber gleichzeitig eine Kultur der Selbstironie. Der ukrainische Komponist Leonid Desyatnikov komponierte Musik zu diesen fünf jiddischen Songs aus dem Polen zwischen 1918 und 1939. Hila Baggio singt diese Lieder auf wunderbare Weise, rein und transparent, voller überraschender Kadenzen, in denen sich Hoffnung, Elend und Freude abwechseln. Sie hat die Texte gründlich analysiert und führt dich in eine untergegangene Welt. Mit ihrem besonderen Klangfarben, ihrer Erzählkraft und ihrer sensiblen Musikalität rührt sie zu Tränen. Besonders dieses dritte Kapitel auf der CD schließt sich an den Titel The Yiddisch Cabaret an. Dies hätte für mich den Hauptteil ausmachen sollen.

Mit der richtigen Einstellung gelingt es den Musikern und der Sängerin, alle Stile mühelos zu bewältigen. Diese reichhaltig abwechslungsreiche CD wächst so zu einem schönen und relevanten Zeitdokument von Künstlern heran, die sich ihren Weg durch die Asche des Lebens bahnten. Grausamkeit gibt es fast überall, sie gärt knapp unter der Oberfläche unserer erhabenen Ideale und Prinzipien. Juden bleiben bis heute ein verfolgtes Volk. Hoffentlich regt diese CD die Menschen zum Nachdenken an. Wieder eine schöne Realisierung von Harmonia Mundi.


  • WAS: The Yiddisch Cabaret
  • WER: Jerusalem Quartet (Alexander Pavlovsky und Sergei Bresler, Violine; Ori Kam, Viola und Kyril Zlotnikov, Violoncello), Hila Baggio (Sopran)
  • AUSGABE: Harmonia Mundi - HMM902631
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