Jemand, der so viel Klassisches im Ohr hat und immer selectiver zu hören begann, um schließlich die Gattungen Klavierduo, -trio, -quartett und -quintett als das absolute Optimum zu betrachten, hatte Glück am Samstag im Brüsseler Théâtre du Parc.
Ein Dekor zum Träumen, ein interessiertes Publikum, eine Bühne voller begeisterter junger Talente, geschult in der Kapel Koningin Elisabeth und zwei Giganten der Klavierquintette, Dvorak und Brahms. Denkmäler in der Entstehungsgeschichte, bei denen keine Menschenseele den Überblick behält! Die Initiative kam von Valère Burnon, dritter und einziger belgischer Preisträger des Königin-Elisabeth-Wettbewerbs Klavier 2025, der einige Freunde zur Kammermusik zusammenbrachte.
Wir kennen Burnon als glänzenden Solisten. Er ist so leistungsstark und überzeugend in Ravels „Gaspard de la Nuit" und so versessen auf weniger bekannte Komponisten wie Lyadov und Sergei Protopopov, dass ich ihn manchmal „Gaspard Lyadov" nenne. Aber auch Kammermusik liegt ihm sehr am Herzen. Treu seinem ersten Instrument, der Violine, hegt er eine tiefe Verbundenheit mit dem Kammermusikensemble und unterrichtet seit 2022 Kammermusik am Conservatoire Royal de Liège.
Überschuss an Begeisterung
In Dvorak war Burnon die treibende Kraft hinter der überwältigenden Schweizer-Österreichischen Violinistin Amia Janicki, der etwas bescheideneren zweiten Violine des Polen Adam Suska, der stets aufmerksamen Altviolistin Héloise Houzé (Frankreich) und dem sehr persönlichen Cellospiel von Jorge Giménez aus Mallorca. Ihre Begeisterung war so mitreißend, dass einige Zuhörer nicht einmal bis vier zählen konnten, bevor sie applaudierten.
Never Ending Story
Nach dem stürmischen Dvorak brachte ein meditativer, aber so eloquenter Brahms mehr Ausgewogenheit. Das Werk begann wie eine lange Geschichte, verlockend, vielversprechend und geladen, in die sich Burnon perfekt integrierte. Die beiden Violinen hatten Platz und Rolle gewechselt und Adam Suska entpuppte sich als begeisterter Primgeiger. Der Fluss blieb erhalten und führte von der ruhigen Sicherheit des Allegro non troppo über einen zweiten Teil wie eine rhythmische Welle und ein getriebenes Scherzo zu einem Finale, das atemlose Aufmerksamkeit und Genuss erzwang.
Nach dieser glühenden Konfrontation habe ich nur eine Beschreibung für dieses Ensemble: „The Burnings". Unterdessen geht die Woche voller klassischer Entdeckungen von Classissimo zu Ende. Seit zwanzig Jahren ist dieses Festival Synonym für Ehrgeiz, Vielfalt, Überraschung, Zugänglichkeit, Erfolg, Innovation und Generationenwechsel.
Das Herz von Classissimo fand seine Verkörperung in dem neuen künstlerischen Direktor und Nachfolger des verstorbenen Georges Dumortier, dem stets aktiven und gewinnenden Marc Grauwels. Seine perfekt zweisprachige Begrüßung, der gemütliche Luxus eines jahrhundertealten Theaters, auf dessen Bühne einst Sarah Berhardt stand, der bescheidene Eintrittspreis, kostenlose knappe Programme, nützliche ausgeteilte Fächer, Aufforderung, Vorschläge zu notieren, Möglichkeit zum Meet and Greet – nennt man das nicht „Kundenbindung"?µ
