Weihnachten schien am Freitag, dem 12. Dezember, noch sehr fern zu sein. Und doch wartete in einer ausverkauften Löwener Begijnhofkerk ein 'Concerto di Natale'…
Es war ein Benefizkonzert, Concerto di Natale Weihnachten im Venedig des 17. Jahrhunderts, zugunsten des KULeuven Rouwzorgfonds Léo Amoës, dessen Arbeit Martijn Steegen, Leiter des universitären Pastoraldienstes, erläuterte. Zweiundzwanzig Vokalisten und fast ebenso viele Spieler authentischer Instrumente stellten sich unter der Dirigentin Marleen Reynders auf. Alle in Schwarz, mit hier und da einem Hauch warmen Rot: ein Blümchen, ein Schal, kokette Schuhe…
Der Eröffnungssatz deutete unmissverständlich auf Weihnachten hin: 'Hodie Christus natus est' von Giovanni Gabrieli. Ja, den kannten wir. Und Monteverdi, natürlich. Und Francesco Cavalli auch. Aber, ach, die anderen Namen auf dem Programm! Benedetto Re, Alessandro Grandi, Caterina Assandre, Chiara Cozzolani! Ebenso viele unbekannte Namen und ebenso viele überraschende Entdeckungen. Und darin liegt nun gerade eine der vielen Eigenschaften der seit 1993 respektablen inspirierenden Quelle, Seele und treibenden Kraft hinter dem Ensemble Capella Nova, Marleen Reynders. Als Masterin der Musikologie, spezialisiert auf Alte Musik, wählte sie mit Sachverstand himmlische Musik aus, die schon vor vier Jahrhunderten in der San Marco und vielen anderen Venezianischen Kirchen glänzte, aber den Weg zu breiter Anerkennung verfehlt hat. Zweistimmig, zu viert, zu acht, der musikalische Reichtum war nicht zu übertreffen.
So war die 'Canzona à 4 in risposta' aus etwa 1607 von Benedetto Re eine herrliche Konfrontation des weichen Gesangs des Barockcellos und der Bassblockflöte mit der scharfen Cornetto von Marleen Leicher und der Violine von An Van Laethem. Das Motett 'O bone Jesu' von Monteverdi war ein intensiver Dialog zwischen Sopran Hanne Raport-Hautekiet und Brigitte Maes mit ihrer ausgezeichneten Diktion. In 'Lauda Jerusalem' von Francesco Cavalli war die Theorbe von Walter Zwiekhorst der rote Faden in einem Klangteppich. 'Duo Seraphim' von Caterina Assandra ließ drei Männerstimmen vollkommen ineinander fließen, die der Tenöre Jan Peters und Kris de Bruijn und des warmen Basses Kris Lemmens, der während seiner Ausbildung ein Körnchen Senfkorn bei der Ikone Lucienne Van Deyck in Mecheln auflas.
Als ob das nicht schon schön genug wäre, begannen dann Cello und Bläser ein fröhliches 'Laetatus sum'. Die einfallenden Stimmen und das treibende Tempo bestätigten es: doch ein Lob für Monteverdi und seine 'Vespro della Beata Vergine'.
Das Schlussstück 'Magnificat Primo', ebenfalls von Monteverdi, vermittelte sogar den Eindruck feierlichen Glockenklangs. Dies, zusammen mit dem begeisterten Einsatz aller Ausführenden, der freundlichen Atmosphäre und der verständlichen Genugtuung der bescheideneren Dirigentin Marleen Reynders, die würdevoll zu preisen ist, brachte Weihnachten ganz nah heran.