Hildegard von Bingen, genannt die 'Sibylle des Rheins', war eine deutsche Benediktineräbtissin. Sie wurde 1098 geboren und war das zehnte Kind einer adeligen Familie in Bernersheim in Deutschland. Mit acht Jahren wurde sie zur Erziehung an Jutta Von Sponheim übergeben, Äbtissin des Nonnenklosters in Disibodenberg und ihre Mentorin.
Mit fünfzehn Jahren legte sie bereits ihre Gelübde ab. Als Jutta starb, übernahm sie die Leitung der Frauengemeinde und wurde Äbtissin. Als kultivierte Frau mit eigener Meinung geriet sie in Konflikt mit Kuno von Disibodenberg, dem Abt des Benediktinerklosters, und gründete ein unabhängiges Frauenkloster auf der Rupertsberg in Bingen. Von Jugend an war sie hellsichtig. Eine fesselnde Frau mit mystischen Zügen, die sich zu einer der einflussreichsten Frauen des zwölften Jahrhunderts entwickelte. Bereits zu Lebzeiten von den Kleinen verehrt und von den Großen konsultiert. Sie erreichte das für damalige Zeiten außergewöhnlich hohe Alter von 81 Jahren.
Heute ist sie vor allem für ihre Visionen über den Zusammenhang des Kosmos und ihre umfangreiche Korrespondenz mit berühmten Persönlichkeiten bekannt. Ihre Schriften inspirieren weiterhin und sind unsterblich. Was diese Dame in ihrem Leben zusammengetragen und komponiert hat, ist schlichtweg beeindruckend. Als Mystikerin stand sie trotzdem mit beiden Füßen fest auf der Erde. Sie schrieb keine exaltierten, wolligen Texte, sondern durchaus gewagt ausdrückliche, lyrische und sinnliche Formulierungen in einer Synthese aus Subtilität und Schönheit.
Der Chor der Sint-Romboutskathedraal ist akustisch die ideale Wahl, um das Ensemble VocaMe zu empfangen. Dieses Ensemble besteht aus vier talentierten Sängerinnen: Sigrid Hausen (voice in residence) und Petra Noskaiová, Mezzosoprane; Gerlinde Sämann und Sarah M. Newman, Soprane; unter der Leitung und mit Mitwirkung von Michael Popp. Er hat sich bereits seit mehreren Jahrzehnten in alte Musik vertieft. Er begleitet die Damen abwechselnd auf Vedel, Zymbal und Laute.
Durch die Klangfarbe lehnen sich die Stimmen wunderbar aneinander an oder heben sich gegenseitig in einer subtilen Klangalchemie auf. Es gibt rhythmisch komplexe Passagen, aber alle Lieder werden flüssig und technisch perfekt vorgetragen. In der Aufführung entsteht eine federleichte Dynamik durch Wechsel der Aufstellung, verfeinert in der Einfachheit. Während der Aufführung schweift dein Blick manchmal ab. Der Gesang ist reich und intensiv gefärbt wie die herrlichen Buntglasfenster. Himmlische Musik, verbunden mit dem Nabel der Welt.
VocaMe, wunderbar schöner Gesang einer heiteren Ruhe, Zeugnis eines friedevollen Lobes auf das Leben.
- WAS: Hildergard von Bingen: Liedern und Visionen
- WER: VocaMe (Sigrid Hausen und Petra Noskaiová, Mezzosoprane; Gerlinde Sämann und Sarah M. Newman, Soprane; unter der Leitung und mit Mitwirkung von Michael Popp
- WO & WANN: Mechelen, Sint-Romboutskathedraal, 26 april 2018