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Leidenschaftliches Klavierspiel mit Dmitry Kalashnikov

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Leidenschaftliches Klavierspiel mit Dmitry Kalashnikov

Sein Name lässt nicht sofort an Klavier denken – schade, denn ich verdächtige mich selbst eines Klischees, das viele vor mir zu Recht und Unrecht verwendet haben – aber dass der Name für Feuer steht, ist sicher. Nicht nur Salven werden abgegeben, auch sparsame Vorbereitung und Geduld gehören dazu. Dmitry Kalashnikov hat viel von „den Großen".

Der sympathische und gutherzige Direktor des Russischen Kultur- und Wissenschaftszentrums, Alexandr Razumov, der Klassiek Centraal sein Herz schenkt und dafür sorgte, dass beim Fest 10 Jahre Klassiek Centraal ein Preisträger des Tschaikowsky-Wettbewerbs spielen konnte, verlässt nach vier Jahren unser Land. So läuft das in der Diplomatie. Das Konzert zu Gelegenheit seines Abschieds, im Saal des eigenen Zentrums im Herzen Brüssels, durfte stattfinden. Der 23-jährige Kalashnikov brachte eine Klaviermusik-Palette, die zum Zuhören zwang: Scarlatti, Haydn, Chopin und Scriabin mit Schubert als Zugabe.

Eine Schar von Zuhörern applaudierte mehrmals mit gebührenden Bravos und sie waren gemeint und berechtigt. Ein kleineres Publikum war es, denn auf Einladung, aber deswegen nicht weniger gefesselt. Der junge bescheidene blonde Russe kommt etwas verlegen auf die Bühne – man spielt nicht jeden Tag für Diplomaten und dergleichen – und setzt sich ans Klavier, um virtuos mit der Sonate K 113 in A-Dur von Scarlatti zu beginnen. Nicht das Werk, das ich jeden Tag hören möchte, denn meinem Gefühl nach nicht wirklich reich an musikalischen Phrasen, dafür umso mehr an virtuosen Griffen und davon bekommen wir genug mit. Ach ja, es ist eigentlich ein Werk für Cembalo, aber auch jetzt hören wir, dass eine Transkription für Klavier vertretbar ist.

Mit der Sonate Hob. XVI 23 von Haydn bekommen wir schöne lyrische Sätze, freundliche Noten, Liebe. Haydn wie wir ihn kennen, mit anderen Worten, und so spielte Kalashnikov es fast ganz. Der erste Satz hätte noch ein wenig mehr singen dürfen, aber gut, ich kann ihn auf keinen Fall nachspielen und ich weiß, dass meine Aufmerksamkeit in die Mitte des Klaviers gezogen wurde. Gute Punkte also! Noch mehr gute Punkte für Chopins 12 Etüden op. 10. Dieser junge Mann kann Kraft und Samt vereinen, etwas das man wirklich haben muss, wenn man Chopin beherrschen will. Er ist überdies virtuos, aber hält das Tempo transparent. Das ist stark, denn so verdrängt eine Note nicht sofort die andere und man versteht und folgt dem Werk. Dass er noch stärker werden wird, besonders in der Interpretation von Chopin, ist sicher.

Das überzeugendste war, wie er die Preludes op. 16, Nr. 1, 3, 4 und 5 von Scriabin zum Leben erweckte. Wie wenig hören wir diesen vornehmen russischen Komponisten heutzutage und dabei war er in seinem kurzen Leben – er wurde kaum 42 Jahre alt – ein gefeierter Komponist mit großem Einfluss. Er hielt sich übrigens zwei Jahre in Brüssel auf und als er in sein Vaterland zurückkehrte, richtete er seine geräumige Wohnung mit in unserem Land bestellten Möbeln im Jugendstil ein. Der Mann wusste diesen Stil sehr gut zu schätzen und wisst, dass ihr die Wohnung noch intakt besuchen könnt. Sie ist heute ein Museum, das dem Komponisten gewidmet ist.

Die Preludes wurden nicht nur atemberaubend schön vorgetragen, der junge Künstler am Klavier schuf auch eine Videomontage, die mit Formen und Farben die Atmosphäre der Etüden mitgestaltete. Originell und sehr passend. Überzeugt euch selbst und schaut euch das folgende Filmchen an. Lohnt sich doch, mal hingehen?

Das begeisterte Publikum wurde für den andauernden Applaus mit Schuberts Ständchen belohnt. O so ergreifend auf dem Klavier gesungen. Und strahlend war der Pianist, als ich ihm das auch sagte beim Empfang, wo eine Ausstellung über das Leben und Werk von Scriabin eröffnet wurde. Die Ausstellung bleibt bis 2022, das Scriabin-Jahr, ständig zu besichtigen.


  • WAS & WER: Klavierrezital von Dmitry Kalashnikov
  • WO & WANN: Brüssel, 20. April 2018, Russisches Kultur- und Wissenschaftszentrum
  • FOTO & VIDEO: © Klassiek Centraal[playlist type="video" ids="13258"]
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