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Werther von Jules Massenet in der Opéra Royal de Wallonie

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· 3 Min. Lesezeit
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Werther von Jules Massenet in der Opéra Royal de Wallonie
© J. Berger ORW Liege

Das zutiefst romantische Drama basiert auf Goethes Briefroman Die Leiden des jungen Werthers beschäftigt Massenet bereits mehrere Jahre, bevor er sich entschließt, daraus eine Oper zu komponieren. Die Oper erlebt ihre Uraufführung 1892 in Wien mit dem belgischen Tenor Ernest Van Dijck in der Titelrolle. Massenet komponiert ein psychologisches Liebesdrama, in dem die zwingende bürgerliche Umgebung die Liebe buchstäblich zerstört.

Schwache Personenregie

Regisseur Fabrice Murgia situiert die Geschichte zugleich in der Natur und im Haus des Vogtes, Charlottes Vater, der sich um die Familie kümmert und der sterbenden Mutter gegenüber versprochen hat, Charlottes Ehemann zu sein. Das kleine Haus symbolisiert als Bühnenbild vielleicht die Engstirnigkeit der Umgebung, begrenzt aber gleichzeitig vor allem die emotionale Wirkung der Charaktere. Es gelingt keiner Figur, wirklich zu ergreifen oder zu bewegen, als hätten sie keinen Raum zum Atmen. Selbst in vokalen Höhepunkten wie Va, laisse couler mes larmes oder Pourquoi me réveiller gelingt es den Sängern nicht, Trauer oder Verzweiflung hervorzurufen. Die Videos, die auf die Rückwand projiziert werden und Nahaufnahmen der Gesichtsausdrücke zeigen, tragen wenig dazu bei und wirken eher wie eine störende Überbetonung der Ausstattung. Die Erweiterung des Bühnenbildes um eine einfache Naturszene verleiht der Rolle, die die Kinder im Stück spielen, eine schöne und verspielte Ausdrucksweise. Die Schlussszene mit Werthers Selbstmord findet an einem halb verfallenen umgestürzten Baumstumpf statt, vielleicht ein Bild für die Vergänglichkeit dessen, was eine tiefe Liebe hätte sein können. Leider muss auch dort bei den Sängern die Intensität gegen das Gekünstelte in der Beziehung zwischen Charlotte und Werther unterliegen.

Musikalisch verfeinertes Orchester

Arturo Chacon-Cruz hat eine etwas zu harte und vor allem wenig differenzierte Stimme, um die zarte Romantik oder das verführerische Timbre Werthers auszudrücken. Manchmal gelang es ihm, Leidenschaft in seine Interpretation zu legen, besonders im dritten Akt, wo seine schöne Arie – die berühmteste der Oper – Pourquoi me réveiller selbstverständlich zum Applaus führte. Clémentine Margaine als Charlotte wirkte ebenso neutral und wenig engagiert. Sie sang mit heller und wohlklingender Stimme, aber ihre Interpretation war wenig einfühlsam, und die Komplexität ihres Dilemmas zwischen Pflicht und Liebe sprach kaum an. Eine unterkühlte Darstellung, die stimmlich aber präzise war. Elena Galitskaya verdient Lob für ihre lebendige und schöne Interpretation der Sophie. Auch der Kinderchor war fantastisch.

Giampaolo Bisanti holte das Beste aus seinem Orchester. Er trug dazu bei, dass wir die Oper zufrieden verließen. Sowohl die leidenschaftlichen Passagen als auch die verfeinerten lyrischen Momente hat er perfekt in die instrumentale Begleitung der Stimmen übersetzt. Die Orchestralmusik brachte mehr Leidenschaft und Tragik zum Ausdruck als die Sänger. Auch die Passagen mit den tiefen Streichern und den Holzbläsern trugen zur Aufführung bei. Dank ihm erlebten wir diesen Werther als ein Meisterwerk von Jules Massenet.

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