Ariette, Lieder & Cavatine
Felix Rienth, Aliéksey Vianna
- Label
- Vanitas
- Katalognummer
- VA 14
- EAN / Barcode
- 8436556732850
- Erscheinungsdatum
- 3 September 2020
Mauro Giuliani war in der Musikwelt als die "Mozart der Gitarre" bekannt. Nach Abschluss seiner Studien in seiner Heimatstadt Italien lebte er lange Zeit in Wien, wo er als erfolgreicher Gitarrist, Komponist und Lehrer tätig war. Nicht nur schrieb er dort über 100 Werke, er war auch ein meisterlicher Cellist. Es wird berichtet, dass Giuliani 1813 einer der Cellisten bei der Uraufführung von Beethovens Neunter Symphonie war, dirigiert vom Komponisten selbst. Weitere Künstler, die zu dieser Aufführung beitrugen, waren Größen wie Giacomo Meyerbeer, Johann Nepomuk Hummel und Antonio Salieri. Als hochgeachteter Künstler in Wien freundete sich Giuliani bald mit Beethoven sowie mit den Violinvirtuosen Louis Spohr und Anton Diabelli an. Als einer der brillantesten Gitarrenvirtuosen seiner Zeit wurden Giulianis Auftritte in Wien und seine Konzertreisen durch Europa von der Presse und seinem Publikum gefeiert. Die regelmäßigen Konzerte in der Wiener Redoute-Hall, beispielsweise mit Louis Spohr, wurden mit grenzenlosem Enthusiasmus aufgenommen. Als offizieller Konzertsolist wurde Mauro Giuliani auch zum Spielen beim berühmten Wiener Kongress eingeladen. Seine Gitarrenkomposionen wurden von den renommiertesten Musikverlagen in Wien veröffentlicht, einige davon auch als Klavierversionen. Eine seiner vielen Schülerinnen und Bewunderinnen war Kaiserin Marie-Louise von Österreich, zweite Ehefrau Napoleons. Auf dem Höhepunkt von Giulianis Karriere verlieh sie ihm den Titel eines "Kammervirtuosen". Sein Werk wurde auch von Beethoven und Carl Maria von Weber sehr geschätzt und bewundert. 1819 verließ Giuliani Wien und ging nach Venedig und dann nach Rom, scheinbar aus persönlichen und finanziellen Gründen. Während seines Aufenthalts in Rom entwickelte er eine enge Freundschaft mit dem Violinvirtuosen Paganini und dem Komponisten Gioachino Rossini, mit denen er regelmäßig als Kammermusiker auftrat. 1823 zog er nach Neapel, wo er im Alter von nur 47 Jahren nach einer langen Krankheit starb. Ihm war es nicht vergönnt, seinen Wunsch, nach Wien zurückzukehren, zu erfüllen. Als 1833 das weltweit erste Gitarrenmagazin veröffentlicht wurde, wurde es zu seinen Ehren "The Giulianiad or Guitarist's magazine" genannt. Die auf dieser Aufnahme aufgezeichneten Vokalwerke bezeugen Giulianis Vorliebe für italienische Lieder. Besonders in den Sei Ariette oder "Kleine Arien", einer bescheideneren Form der Opernarie, ist die Ähnlichkeit mit der italienischen Bel-Canto-Arie unverkennbar. Die hier präsentierte Auswahl, 1818 in Wien veröffentlicht, ist der Kaiserin Marie-Louise gewidmet. Die Texte wurden alle von Pietro Metastasio verfasst, dem zweifelsohne wichtigsten Opernabendbrettist seiner Zeit. Im Gegensatz dazu sind Giulianis Sechs Lieder oder "Sechs Lieder" mit ihren deutschen Texten von Goethe, Schiller, Matthisson und anderen deutlich ähnlicher Franz Schuberts Liedern oder "Liedern". Giuliani traf Schubert auch während seines Aufenthalts in Wien. Diese 1817 in Wien veröffentlichten Lieder legen Zeugnis ab von der Geburt der Wiener Biedermeier-Periode und haben eine große Auswirkung in harmonischer und melodischer Hinsicht. Schließlich bestehen die Sei Cavatine aus sechs italienischen Arien, in denen Giuliani geschickt brillante Stücke mit sensiblen melancholischen Stücken kontrastiert und dies in einem klar opernhaften Format. Stellenweise ersetzt die Gitarre, im Stil Rossinis, ein virtuelles Orchester. Während Giuliani für die Stimme den extroventierten italienischen Stil bevorzugt, ist die Gitarre meistens die unterstützende Begleitung, mit Akkorden, die im Arpeggienol gespielt werden. Die Ausnahme von dieser Regel könnten vielleicht die Lieder 3 und 5 sein, bei denen das höchste Maß an Virtuosität vom Instrument verlangt wird. Diese Sammlung von Liedern wurde 1813 von Artaria in Wien erstmals veröffentlicht, gleichzeitig als Klavierversion. Sie ist Count Francesco de Pálffy gewidmet, einem von Giulianis Schülern und Förderern, der ihn oft als Solisten zu seinen Palastkonzerten in Wien einlud.