Ecoutez!
Sheila Arnold
- Label
- CAvi
- Katalognummer
- AVI 8553257
- EAN / Barcode
- 4260085532575
- Erscheinungsdatum
- 31 Mai 2018
Claude Debussy hinterließ tiefe Spuren in der Musikgeschichte, als er die funktionale Harmonie unter dem Einfluss der Musik des Fernen Ostens auflöste. Tōru Takemitsu musste sich von seiner eigenen Kultur distanzieren, um japanische Musik mit dem Ohr eines westlich ausgebildeten Musikers zu hören – indem er zum Beispiel den Ansatz von John Cage übernahm. Er kam zu der Erkenntnis, dass Japans ehrwürdige musikalische Tradition lange Zeit einzelne Noten als komplexe Klangfarben in sich selbst hervorgehoben hatte, anstatt sie als Teil einer Reihe mehrerer Noten zu behandeln. Aus dem menschlichen Bedürfnis nach Klang sowie Stille zog John Cage die extremsten Schlussfolgerungen. Das Konzept eines „schönen" Klangs war in der Musikgeschichte nie statisch: Es hat sich im Laufe der Jahrhunderte verändert und unterscheidet sich von einer Kultur zur anderen. Die westliche Musikästhetik neigt dazu, zwischen „Geräuschen" und „Noten" zu unterscheiden: letztere weisen wohlgeordnete Obertöne auf. Das Konzept der „Dissonanz" hat sich auch in verschiedenen musikalischen Epochen verändert. Darüber hinaus hatten Musiker und ihr Publikum schon immer das Bedürfnis, eine Dissonanz zu „kosten" – sie bewusst zu hören, sie zu erleben – bevor sie aufgelöst wird. Andererseits spielt die Zeit eine wirklich grundlegende Rolle dabei, wie ein Werk konzipiert und strukturiert wird, und jeder einzelne Hörer erlebt die musikalische Zeit auf unterschiedliche Weise. Im Idealfall teilen Performer und Hörer das gleiche Zeitsystem: Sie genießen Passagen auf ähnliche Weise, sie hören ein Stück mit der gleichen Tiefenschärfe. Musik resoniert in dem Instrument, in unseren Körpern, im Raum, der uns umgibt. Jede Note ist in Bewegung. Wenn mehrere Noten gleichzeitig vibrieren, bilden sie ein Meer von gleichzeitigen Vibrationen. Wenn wir die Klänge und Geräusche unserer Umgebung hinzufügen, dann haben wir es mit einer unglaublichen Konzentration von Schallereignissen in sehr kurzer Zeit zu tun. Was passiert dann? Wir werden uns bewusster, wie wir Dinge wahrnehmen. Wenn wir Glück haben, beginnt dieses bewusste musikal Hören zu beeinflussen, wie wir unsere Aufmerksamkeit anderen Menschen widmen, ob sie sprechen oder nicht. Und sich gegenseitig ein Ohr zu leihen ist notwendiger geworden als je zuvor. Würden Sie mir nicht zustimmen? - Sheila Arnold
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