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Schuberts Violine

Ingolf Turban, Tomoko Sawallisch

Anzahl CDs
2
Format
Digital
Franz Schubert, der seine eigene Violine fast nie besaß, schuf Musik von wundersamer innerer Tiefe für dieses Instrument. Er war kein Virtuose im herkömmlichen Sinne, sondern ein Meister im seelenrührenden Sprechen des Klangs. Wie seine Klavierwerke eröffnen auch seine Stücke für Violine und Klavier jene Sphäre des "Dort", in der das Irdische in Transzendenz aufgeht. In ihrem Dialog treffen sich die gegensätzlichen Welten der Violine – der „zerrissene Klang" – und des Klaviers – die „gebundene Melodie" – zu einer lyrischen Einheit, die nichts „darstellt", sondern einfach „ist". Zwischen 1816 und 1817 komponierte Schubert vier Sonaten, in denen er sich an Mozart orientierte und doch seinen eigenen Weg ging. Hinter der fröhlichen Fassade der sogenannten „Sonatinen" verbirgt sich oft tiefe Ernsthaftigkeit. Der junge Komponist verwandelt die klassische Form in einen Raum schwebender Harmonie, in dem Melodie an die Stelle motivischer Arbeit tritt – Musik als Sensation, nicht als Konstruktion. In der Sonate A-Dur aus 1817 erreicht dieses Prinzip reine Lyrik: Himmel und Erde berühren sich, ohne je zusammenzukommen. Zehn Jahre später folgen zwei späte Meisterwerke: das Rondeau brillant in h-Moll (1826) und die Fantasie in C-Dur (1827). Beide sind dem jungen Violinisten Josef Slawik gewidmet, dessen Virtuosität Schubert inspiriert, mental bis zum Brillanten vorzudringen. Eine geheimnisvolle Tiefe verbirgt sich hinter der glänzenden Oberfläche der Rondeau – Paganinis „dämonischer Geist" erscheint verklärt als die Stimme eines Engels. In der Fantasie überwindet Schubert schließlich alle Formgrenzen. Das Werk, das das Lied „Sei mir gegrüßt" in seine Struktur verwebt, wird zum musikalischen Symbol von Abschied und Erlösung. Virtuose Gesten werden zur existentiellen Ausdruckskraft verwandelt; das Lied der Liebe erklingt als eine ferne Erinnerung – zwischen Traum, Tod und Transzendenz. Diese Musik ist kein Konzertstück, sondern eine poetische Offenbarung: Schuberts „Musik der Sphären", in der das „Hier" und das „Dort" für einen Moment eins werden.

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