Symphonie op.20
Lauranne Oliva, Marie-Claude Chappuis, David Delacroix
- Katalognummer
- 318
Pionier
Im Sommer 2025 verabschiedet sich Chefdirigent Ivor Bolton von "seinem" Orchester, dem Symphonieorchester des Bazels, mit einem vollständigen französischen Album. Er übergibt den Taktstock an seinen Nachfolger Markus Poschner für die neue Spielzeit. Seine Abschiedskomposition umfasst Orchestermusik und Vokalwerke von Ernest Chausson (1855-1899), der in Deutschland viel zu oft auf sein zwar charmantes Poème für Violine und Orchester reduziert wird. Beeinflusst von César Franck und Richard Wagner wird der französische Komponist als einer der Pioniere des musikalischen Impressionismus betrachtet. Die Sinfonie in B-Dur, komponiert 1890, kann als eines von Chaussons Meisterwerken gelten, fesselnd mit seinen typisch französischen lyrischen Melodien und harmonischen Verfeinerungen, die die Kluft zwischen romantischer Ausdruckskraft und impressionistischen Klängen überbrücken. Das Werk führt Francks Konzept der dreiteiligen Struktur in zyklischer Form auf eine höhere Ebene, indem es es dramatischer macht und die Sinfonieform verdichtet.
Vollständig beeinflusst durch die Uraufführung von Wagners Parsifal in Bayreuth wird das frühe symphonische Gedicht „Viviane" präsentiert, das auf einer Episode aus der Arthuersage basiert, zeigt aber bereits eigene Elemente. Zum Vergleich: Die hier ebenfalls präsentierten Vokalwerke – zwei Orchesterlieder und eine Arie aus seinem leider unvollendeten drame lyrique „Hélène" (1883/84) – haben eine intimere, vokale Qualität, die die menschliche Stimme selbstbewusst nutzt und den vollendeten Liedkomponisten perfekt enthüllt. Diese Unterschiede illustrieren Chaussons Vielseitigkeit als Komponist und seine Fähigkeit, faszinierende instrumentale Handwerkskunst mit tiefen Emotionen sowohl in Instrumental- als auch in Vokalmusik zu verbinden.