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Die grünen Finger von Penderecki jetzt auch online

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Die grünen Finger von Penderecki jetzt auch online

Krzysztof Penderecki war nicht nur ein führender Komponist der zeitgenössischen klassischen Musik, sondern war auch für seine bahnbrechenden Gartendesigns bekannt. Das polnische Adam Mickiewicz Institute hat nun ein Online-Projekt Penderecki's Garden geschaffen, um seine zwei größten Leidenschaften – Musik und Flora – zu verbinden. Das Ergebnis ist ein faszinierender Überblick über sein Leben und Werk, mit wunderschönen Animationen und audiovisuellen Highlights.

Penderecki (Dębica, 1933 – Kraków, 2020) machte sich einen Namen durch innovative Nutzung traditioneller Instrumente in einem untraditonellen Gewand. Dadurch entstanden neue Klänge. Sein kompositorischer Stil bewegt sich zwischen Avantgarde und Spätklassik. Er verwendete auch Toncluster, Mikrotonalität und alternative Musiknotationen. Seine musikalische Sprache ist zugänglich und offen, mit expressivem und farbenfrohem Einsatz von Blöcken, Massen und Klangflächen.

Garten als Leitmotiv
Penderecki's Garden ist ein digitales Projekt, das nicht nur an den Komponisten erinnert, sondern auch seinen Charakter zeigt. Darüber hinaus wird auf seinen Einfluss auf die zeitgenössische Weltmusik und andere Kunstbereiche hingewiesen. Das ‚Leitmotiv' des Projekts ist eine der größten Leidenschaften von Krzysztof Penderecki: der Garten.
Im virtuellen Raum kann der Besucher seinen Werken lauschen und sich mit seiner künstlerischen und persönlichen Biografie vertraut machen. Die Website ist nicht nur eine Wissensquelle, sondern auch ein Ort, an dem sich andere Künstler, die sich von Pendereckis Werk inspirieren ließen, zu Wort melden. So erhält das Publikum einen Eindruck von der Vielfalt von Pendereckis Leben. Das Projekt möchte zwar den verschiedenen Genres von Pendereckis Werk gerecht werden, wie Film, Rock, Jazz, Klassik und Elektronik, doch liegt der Schwerpunkt auf seinem klassischen Werk.

Die Website ist in sieben Abschnitte unterteilt, von denen derzeit vier online sind:

The Maestro's Manor - Gedanken und Überlegungen von Penderecki und Erinnerungen von Familie, Freunden, Kollegen und Schülern. Der Besuch findet über Punkte statt, die mehr erzählen, wie ein Interview mit dem Cellisten Arto Noras, der Pianist Szymon Nehring, der erwähnt, dass der Komponist ihm ungeahnte Freiheit bei der Interpretation seiner Stücke gab, oder über seinen Aufenthalt in Sizilien.
The Park - ein Spaziergang mit Beschreibungen von Bäumen und Pflanzen, Fotos u.a. der Kapelle und des Mausoleums, Zitate und Anekdoten. Unterwegs kann man das Violinkonzert Nr. 1 hören (auch in den anderen Abschnitten verfügbar).
The Music Salon – hier werden zwölf Werke mit kurzen Erläuterungen vorgestellt, wie Hornkonzert ‚Winterreise', Polnisches Requiem, Sinfonietta Nr. 2 und Stabat Mater.
The Amphitheatre – in diesem Abschnitt werden bis Ende Dezember 2021 zwei Konzerte gezeigt: String Quartet No. 3 ‚Leaves of an unwritten diary' und Tribute to Krzysztof Penderecki von Max Richter, Hania Rani und dem Atom String Quartet.

Die übrigen drei Abschnitte – The Labyrinth, Garden of Memory und The Studio – werden in den kommenden Monaten online gehen.

Baumstümpfe schmuggeln
Der Garten von Penderecki existiert wirklich, und zwar in der Stadt Lusławice, 100 km außerhalb von Kraków. Es handelt sich um einen ausgedehnten Park von 30 Hektar mit einem Arboretum von 15 Hektar, in dem etwa 1.500 Baum- und Straucharten aus der ganzen Welt sorgfältig vom Komponisten über mehr als 45 Jahre Auslandsreisen gezüchtet und gesammelt wurden. Einige Baumstümpfe schmuggelte er in seinem Reisekoffer nach Polen.
Die über 4.000 Bäume im Garten wurden vom Komponisten selbst gepflanzt, was er mit dem Komponieren eines Musikstücks verglich. Er sagte einmal: "Schauen wir uns den Baum an; er lehrt uns, dass ein Kunstwerk verwurzelt sein muss – in der Erde und in der Luft. Kein kreatives Werk kann ohne Wurzeln existieren." Jeder Baum fand dann seinen Platz auf einem von ihm selbst gepflegten Plan, mit Daten und Art versehen, aufgezeichnet mit der gleichen Präzision wie das Schreiben einer Partitur.
Der Komplex wird als Symbol seiner (ungeschriebenen) neunten Symphonie angesehen. Neben dem Arboretum, italienischen und japanischen Gärten gibt es ein riesiges und komplexes Labyrinth, das aus 14.000 Hornstrahlen und 3 Kilometern Wegen besteht.
Penderecki übernahm das Design aus einem Buch aus dem 13. Jahrhundert. Er sagte manchmal, dass er seine schlimmsten Kritiker zur Strafe in sein Labyrinth schicken würde. Das Labyrinth war auch persönlich symbolisch für Penderecki als Metapher für den Prozess des Suchens und Findens, den er als integralen Bestandteil des Kompositionsprozesses ansah.

Offene Flächen
Die Ersteller der Website haben sich intensiv mit der Beziehung zwischen dem botanischen und kompositorischen Prozess auseinandergesetzt. So erfahren wir, dass seine Symphonie Nr. 8 großteils auf Texten polnischer und deutscher Dichter basiert, denen er in Handbüchern über Bäume begegnete. Bei seinen Gartendesigns ließ Penderecki einige Stellen bewusst offen, solange er nicht genau wusste, welcher Baum gepflanzt werden sollte. So auch beim Komponieren: einige Akkorde arbeitete er erst aus, wenn er sich ganz sicher war, was es sein sollte. Bis dahin blieb es eine offene Stelle in der Partitur. Interessant ist auch zu sehen, dass er sich mit Architektur beschäftigte. Die Brücke im japanischen Garten, das Mausoleum und die Kapelle entwarf Penderecki selbst. Aber auch hier ließ er sich nicht in eine Schublade stecken. Die Kapelle ist multifunktional und ökumenisch, und daher genauso ungebunden wie seine Musik. "Ehrlich gesagt habe ich mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten als Baumexperte als als Komponist", sagte er einmal.


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