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Ein slawisches Konzert mit der Starviolinistin Veronika Eberle und dem NOB in BOZAR, 22. November 2024.

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Ein slawisches Konzert mit der Starviolinistin Veronika Eberle und dem NOB in BOZAR, 22. November 2024.

Die Streicher des Belgian National Orchestra beginnen mit der Abschiedserenade des ukrainischen Komponisten Valentin Silvestrov, ein sehr angebrachter Abschied von einer Welt ohne große Konflikte in oder in der Nähe Europas. Der unterschätzte Komponist Silvestrov komponierte die Serenade 2003, lange vor dem aktuellen Konflikt. Putin war damals einige Jahre an der Macht, vielleicht sah Silvestrov das Unheil schon kommen.

Den amerikanischen Dirigenten Hugh Wolff kennen viele aus dem Elisabeth-Wettbewerb. Er macht große Gesten, fast immer hebt sein Stab über seinen Kopf. Er braucht viel Luum um sich herum, um Bahnen mit seinem Stab zu ziehen. Selten dirigiert er mit kleinen Bewegungen. Ständig sehen wir seinen Stab über seinem Kopf, oft in einer drehenden Bewegung, als ob er eine kleine Windmühle in sein Handgelenk eingepflanzt hätte. Mit seiner großen Erfahrung wird er sicherlich eine große Inspirationsquelle für das Orchester sein.

Glitterbluse

Wenn die Solistin des Abends auftritt, denke ich... oje. Geigerin Veronika Eberle trägt eine rote Glitterbluse. Das erste Violinkonzert von Schostakovitch gehört zu den düstersten Konzerten des gesamten Repertoires. Passt dazu eine Glitterbluse? Sie spielt sehr ausdrucksvoll, mit einem breiten Vibrato, auch in den hohen Noten. Scharfe Passagen spielt sie, als könnten sie nicht scharf genug sein. Sie triumphiert, sie möchte jede Note glitzern lassen. Herrliches, fantastisches Violinspiel! Aber ist dies wirklich eine angemessene Weise, dieses Konzert voller Trauer und Verdammnis zu spielen? Sie interpretiert das Violinkonzert als Sieg, während man es eher als einen Leidensweg spielen sollte.

Danach höre ich mir die Interpretation von Alexei Michlin an, der damit 1963 den Elisabeth-Wettbewerb gewann. Klagend, flehend, manchmal rau und rauh, manchmal weinend und zurückhaltend in den langsamen Passagen. Man muss es fast schmerzhaft spielen. Das habe ich bei Eberle nicht gehört. Andererseits spielt sie herrlich, mit einem sanglichen vollen Ton. Sie kann mich heute Abend nur halb ergreifen. Ich habe ein zwiespältiges Gefühl, als würde ich im Film "La double vie de Véronique" sitzen. Nach dem Konzert werden auch CDs mit ihrer Aufnahme von Beethovens Violinkonzert verkauft. Das ist dann wiederum eine fesselnde Interpretation, besonders auch mit den Kadenzen von Georg Widmann. In Schostakovitchs erstem Violinkonzert klingt das harte, hoffnungslose, unfreie Leben in der Sowjetunion durch. Wie kann man das in einer roten Glitterbluse spielen?

Hat Veronika Eberle das Violinkonzert vielleicht zu deutsch und zu wenig slawisch gespielt, während der Pause höre ich Fetzen Russisch, Ukrainisch, Polnisch, Serbokroatisch und Bulgarisch rundherum. Noch vor dem Konzert tippt mir jemand auf den Rücken, es ist meine eigene Bulgariischlehrerin. Zufall kann manchmal überraschend sein.

Überwältigend

Nach der Pause geht dieses slawische Konzert weiter mit der zweiten Symphonie von Tschaikovsky, der sogenannten Kleinrussischen oder Ukrainischen Symphonie durch das Nationalen Orchester von Belgien. Es verarbeitet ukrainische Volkslieder und Melodien. Der aktuelle Konflikt zwischen der Ukraine und Russland hat nicht nur Auswirkungen auf russische Musiker, sondern stellt auch den russischen Kanon in Frage. Im Programmheft steht eine Erklärung von Musikwissenschaftler und Russlandexperte Francis Maes. Die russische konservative Elite des Zarenreiches betrachtete die Ukraine als einen kleinen unterworfenen Bruder Russlands. Für den obrigkeitstreuen Tschaikovsky war das nicht anders.

Können wir die Kleinrussische Symphonie losgelöst vom aktuellen Krieg hören? Wir sollten die Symphonie vor allem als eine feinsinnige Studie in Orchestration hören, lesen wir im Text von Francis Maes, losgelöst von den damaligen oder heutigen geopolitischen Spannungen. Es sind vor allem die Blechbläser des NOB, die Eindruck machen. Eine Symphonie von Tschaikovsky ist ohnehin immer ein wunderbar großartiges Fest, keine bitteren Gefühlserregungen wie bei Mahler oder Schostakovitch, sondern immer großartig, überwältigend und leidenschaftlich. Herrlich!

Tags concert
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