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Eine Beethoven-Lektion mit Pianist Alexander Melnikov

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Eine Beethoven-Lektion mit Pianist Alexander Melnikov

Auf der Bühne B'Rock, hinter dem Flügel Alexander Melnikov in der Mitte des Orchesters und das für Beethovens erstes Klavierkonzert. Aber auch noch für etwas anderes. Für eine Musikgeschichte-Lektion. Und das beginnt mit den ersten paar Noten dieses Konzerts, bis Melnikov sagt, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, das vollständige Konzert werden wir später hören. Denn er möchte uns zunächst erklären, was das Wort „Konzert" eigentlich bedeutet.

Der gefeierten Pianist Alexander Melnikov folgt dem berühmten Dirigenten Leonard Bernstein, der sein Publikum über das informieren wollte, was es zu hören bekommen würde. Und Publikumsbeteiligung sitzt auch in der DNA von B'Rock. Das Projekt bekam den Titel „The Listeners Academy" und das begann mit einer Erklärung des Wortes Konzert. Da sitzt „contest" drin, so Melnikov, der vom Wettkampfcharakter zwischen dem virtuosen Solisten und den übrigen Orchestermusikern sprach. Aber auch von „concertieren", Beratung und Zusammenspiel. Und zur Illustration folgte sofort ein Stück aus Bachs Brandenburgischen Konzerten. Und er erzählte weiter, wie das Konzerto-Genre allmählich wuchs und lange Zeit Bestand hatte und wie der am meisten unterschätzte Sohn Bachs, Carl Philipp Emanuel, den galanten Stil verfeinerte, den Barock vergessen ließ und den Übergang zu den ersten Klassikern Haydn und Mozart einleitete. Darüber wusste Melnikov zu berichten, wie sich Mozart aus den Klauen seines Auftraggebers, des Salzburger Erzbischofs, befreite, um sich als freischaffender Komponist in Wien niederzulassen. Unterdessen ließ B'Rock immer wieder kurze Stücke hören, um Melnikovs Vortrag als Lehrmeister zu unterstützen. Nach seiner Aussage geriet die Konzertorganisation damals in eine neue Phase, die des Unternehmertums, einschließlich „Marketingfähigkeiten" und neuer „Geschäftsmodelle". In knapp einer Stunde bekamen die Zuhörer Melnikovs Sicht auf die Entwicklung der Musikgeschichte präsentiert.

Bei Beethoven angekommen kam dann natürlich die vollständige Aufführung dieses ersten Klavierkonzerts. B'Rock klang lebhaft, seit alters her, seit ihrem Anfang, und machte seinen Namen erneut Ehre. Was ist das doch für ein wunderschönes Orchester mit eigenem Klang. Manchmal trocken und gemessen, vor allem energisch, jung und dynamisch. Gerade noch so feurig wie ich sie das erste Mal bei einer spritzigen Aufführung von Händels Fireworks bei einem oder anderen Klarafestival hörte, damals noch mit Frank Agsteribbe. Ein Stil, der wunderbar zu Melnikovs feinem Klavierspiel passt, der auch die drei Sätze des jungen Beethoven-Konzerts dirigierte, manchmal zusammen mit dem begeisterten Konzertmeister Afanasy Chupin. Es gab eine ausgedehnte Kadenz im ersten Satz und beim Rondo platzte das Orchester fast aus den Fugen in einem beeindruckenden Galopp. Der Pianist erzählte manchmal zart leise, dann wieder prominent virtuos seine eigene Geschichte, spielerisch und synkopisch, wirbelig in jedem Fall. Und was für ein Klang kam aus diesem brandneuen Pianoforte, keine drei Wochen alt! Eine moderne Nachbildung eines Klaviers von Conrad Graf aus dem 19. Jahrhundert, ein Lieblingsinstrument des großen Meisters, erzählte mir der amerikanische Erbauer Paul McNulty.

Schade nur, dass für diese schöne „Performance" viel zu wenig Leute in diesem großen Henry Le Boeuf Saal waren. Vielleicht war es deshalb, dass Melnikov mit seinem Vortrag nicht so flüssig in Schwung kam wie zum Beispiel Bernstein. Aber sein Pianofortespiel war ohne Frage großartig. Ein herrlicher lehrreicher Sonntagsnachmittag voller musikalischen Genuss und ein Vergnügen, ihn bei der Arbeit zu sehen.


WAS: Ludwig van Beethoven, Klavierkonzert Nr. 1 in C, op. 15

WER: B'Rock Orchestra mit Alexander Melnikov [Fortepiano, Konzept & künstlerische Leitung] und Afanasy Chupin [Konzertmeister].

WO: BOZAR, Brüssel

WANN: Sonntag, 26. November 2023

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