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BelLISSAma, Belcanto und bella musica

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· 8 Min. Lesezeit
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BelLISSAma, Belcanto und bella musica

An diesem Sonntagvormittag gingen wir nicht in eine Kirche zum Gottesdienst, sondern zu einer Hochmesse wundervoller Musik. Die Hoogstraat 12 ist wieder bis auf den letzten Platz besetzt, kein Stuhl bleibt leer.

Das Format Belcanto und bella musica bietet mehr als nur klassische Musik. Gastgeberin Lissa Meyvis stellte zusammen mit ihrem Gast, Bariton Hans Peter Janssens, eine schöne Palette von Songs zusammen, die sie mit Klavierbegleitung von Alex Roosemeyers mal mit Pastelltönen und mal mit feurigen Farbakzenten malen. Aus der breiten Musikpalette liegt der Fokus dieses Mal auf dem Musical. Hans Peter Janssens ist ein Sänger, der sich im Genre seine Sporen verdient hat. Er stand im In- und noch mehr im Ausland auf der Bühne, unter anderem im West End in London – das Mekka des Musicals – in glanzrollen wie Valjean in Les Misérables. Lissa Meyvis lässt sich nicht in ein Korsett zwängen. Sie fühlt sich wie ein Fisch im Wasser in allen Arten von Musik. Sie stellten verschiedene Medleys zusammen. Die schönsten, magischsten und ergreifendsten Melodien aus verschiedenen Musicals kommen zur Aufführung. Vor der Pause kommt das ältere Repertoire zur Geltung. Sie werden von Tastenspieler Alex Roosemeyers begleitet.

Lissa Meyvis beginnt zuckersüß mit 'Play A Simple Melody' aus der Musikkomödie 'There's Now Business Like Show Business' von 1946, komponiert von Irving Berlin und 1954 verfilmt, gefolgt vom Duett

'Let's Call The Whole Thing off', ein Lied von George Gershwin auf Text von Ira Gershwin, eine Nummer geschrieben für das Musical 'Shall We Dance' von 1937 mit den legendären Fred Astaire und Ginger Rodgers in den Hauptrollen. Ein Gezänk über Aussprache und Sprachidiom. Lissa und Hans Peter, zwei funkelnde Performer, die sich voll und ganz miteinander messen. Die Lieder kombinieren Energie und Melodie, zwei sich ergänzende Elemente, sodass sie sich gegenseitig verstärken.

Danach drei Lieder aus dem Musical 'Kiss me Kate' basierend auf Shakespeares 'The Taming of the Shrew'. Hans Peter Janssens teilt seine Enttäuschung über die Ehe in 'Where is The Life That Late I Led'. Lissa Meyvis beleuchtet die andere Seite der Medaille in 'I hate man'. Sie tut dies nicht gehässig, sondern sehr subtil, wodurch es noch gefährlicher wirkt. Eine Beziehung ist Geben und Nehmen. Die Schwerter werden nicht länger gekreuzt und dieses Medley endet mit dem Duett 'Wunderbar'. Einige Sekunden später wird der Friede jedoch wieder gestört und das Kriegsbeil ausgegraben in 'Anything You Can Do' aus 'Annie Get Your Gun', einem Werk, das Irving Berlin 1946 für Broadway komponierte. In diesem verspielten Duett wird scharf aufeinander geschossen. Wie zwei Pole eines Magneten, die sich anziehen und abstoßen. Der Superlativ ist hier der Endsieg. Lissas Stimme steigt wie ein Wolkenkratzer in die Höhe! Ihre Reichweite gleicht der einer Koloratursopranistin.

Dann wurde eine der Perlen aus der reichen Hollywood-Musicalgeschichte mit einem Medley aus 'My Fair Lady' gewählt, basierend auf Bernard Shaws Schauspiel 'Pygmalion' (1912). Die Geschichte ist romantisch und einfach. Das arme Mädchen Eliza Doolittle wird vom elitären Professor Higgins aufgegriffen und zur aristokratischen Dame ausgebildet. Die Weltpremiere des Musicals fand 1956 statt. Julie Andrews spielte Eliza Doolittle, der britische Schauspieler Lex Harrison übernahm die Rolle des Professors Higgins. In der gleichnamigen Filmversion von 1964, die acht Oscars gewann, war Lex Harrison ebenfalls anwesend, aber Julie Andrews wurde durch Audrey Hepburn ersetzt. 1986 brachte das Königliche Ballett von Flandern das Musical auf die Bühne mit Linda Lepomme und Hans Peter Janssens in den Hauptrollen. In vier Liedern wird eine Kurve vom Anfang bis zum Ende gezogen. Er eröffnet mit 'In de straat waar je woont'. Lissa schließt in einem wonnigen Antwerper Volksdialekt an mit 'Zou dat niet zalig zijn'. Dann wieder Hans Peter mit dem opportunistischen 'Als het effe kan'. Abgeschlossen wird mit 'Het Spaanse graan'. Mission erfüllt. Lissa singt nicht nur, sie ist eine außergewöhnlich ausdrucksstarke und bezaubernde Performerin. Sie versteht es, jedes Lied zu sich zu ziehen, ohne dabei zu übertreiben. Mit ihren zwei Künstlern verstehen sie es, das Publikum zu bezaubern und zu begeistern.

Dann drei Lieder, die einen Bezug zur klassischen Musik haben. Lissa bringt 'I feel Pretty' aus West Side Story von 1957, Musik von Leonard Bernstein, Lyrics von Stephen Sondheim und verwandelt sich von einer Person zur anderen. Eine freie Bearbeitung von Romeo und Julia. Die Geschichte spielt sich zwischen polnisch-amerikanischen und puerto-ricanischen Straßenbanden in der Upper West Side von New York ab. Tony und Maria verlieben sich ineinander, obwohl sie zu rivalisierenden Banden gehören. Ein Mädchen, das verliebt ist und sich auch begehrt fühlt. Gibt es ein seligeres Gefühl? Ihre Einfühlung sorgt für Schmetterlinge im Bauch. Hans Peter Janssens schließt mit der Ballade 'Some Enchanted Evening' aus dem Musical South Pacific an, 1949 von Joshua Logan geschrieben, die Musik ist von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Andrew Lloyd Webber beschreibt es als das beste Lied, das je für ein Musical geschrieben wurde. Wenn so jemand das sagt, werden wir es einfach für wahr nehmen. Das warme, sonore Stimmklangvolumen von Hans Peter Janssens packt dich wie eine sanfte Decke. Als letztes Lied in dieser Reihe ein Duett 'You're Just in Love' aus 'Call Me Madam'. Premiere 1950. Der Komponist Irving Berlin soll sich für diesen klassischen Kontrapunkt Duett von Bach inspiriert haben. Ein Paar, in dem Sopranistin Lissa Meyvis sich vollkommen ausleben kann.

Vor der Pause erhält das Publikum noch ein Mary Poppins Medley. Ein Disney Musical Fantasy aus 1964 basierend auf einer Geschichte von Pamela Travis. Die Geschichte wurde mit Julie Andrews und Dick Van Dyke in den Hauptrollen zum Leben erweckt. Lissa bringt 'A Spoonfull Of Sugar'. Hans Peter Janssens 'It's A Jolly 'Oliday' und 'Chim Chimeree'. Besonders schön und zerbrechlich interpretiert Lissa 'Feed the Birds' und beendet wird mit dem unsentimentalen Wort und Lied 'Supercalifragilisticexpialidocious', was für außergewöhnlich gut steht. Mit diesen zwei Worten kann auch der erste Teil dieser 'Magical Musical Memories' beschrieben werden.

Nach der Pause kommt neuere Musik zur Geltung. Hans Peter Janssens eröffnet mit dem Nummer 'Sunset Boulevard' aus dem gleichnamigen Musical von Andrew Lloyd Webber aus 1990. Was Diktion und Artikulation betrifft ein äußerst schwieriges Stück, aber es wird tadellos präsentiert. Lissa bringt ein Lied aus dem Musical 'Chaplin' 'All Falls Down', ein Lied mit Tiefgang. Ebenso wie die beiden folgenden Lieder aus dem Musical 'Tarzan', in dem Hans Peter Janssens die Hauptrolle des Affenführers verkörperte. Die Liebe in all ihren Facetten wird darin besungen. Der männliche Affe will kein Menschenkind großziehen. Zuerst gibt es das Duett 'Als de maan bij de sterren', in dem sie ihre Liebe besingen. Aber dann ist da die Realität. Er nutzt seinen gesunden Menschenverstand und will das Kind nicht großziehen. Er erklärt, warum in dem Lied 'Het moet, het moet' und verzichtet so auf seine Partnerin, wenn die Vernunft spricht und nicht das Herz.

Wir verweilen noch eine Weile im Tierreich mit dem wunderschönen 'Memory' aus dem Musical Cats von Andrew Lloyd Webber aus 1981. Elaine Page verkörperte die Rolle der Grizabella als erste in der West End Produktion. Es gibt auch eine schöne Klavierbegleitung darin verwoben.

Ein Musical, in dem Hans Peter Janssens glänzte, zuerst als Valjean eine seiner Glanzrollen, später als Javert, war 'Les Misérables' nach dem Werk von Victor Hugo aus 1862. Seine Gesellschaftskritik wurde dem Autor damals nicht gedankt. 'Stars' ist eines der zwei wichtigsten Nummern, die Javert solo aufführt. Lissa Meyvis bringt das wunderschöne 'On My Own' des Mädchens Eponine. Wiederum auf ihre eigene subtile Weise interpretiert.

Dann ein Medley aus 'Phantom Of The Opera', in dem Hans Peter Janssens die Hauptrolle in Antwerpen und London spielte.

Lissa beginnt mit dem wunderschönen 'Think Of Me'. 'Music Of The Night' ist wieder nach seinem Geschmack und Lissa endet mit 'All I Ask Of You'.

Abgerundet wird mit zwei Liedern aus dem Musical 'Love Never Dies', einem Musical von Andrew Lloyd Webber als Fortsetzung von 'The Phantom Of The Opera', Tim Rice schrieb die Songtexte, und zwei aus 'The Lion King'. 'Till I Hear You Sing' ist ein schönes Duett mit einer darin verwobenen Arie. 'Love Never Dies' ist eines der schönsten Liebeslieder. Die Stimme von Hans Peter Janssens ist manchmal samtweich wie Samt, aber er wechselt auch mühelos zur Kopfstimme. Sopran und Bariton, zwei Stimmen, die sich perfekt ergänzen mit Gesang, der deinen ganzen Körper zum Vibrieren bringt.

Als Finale zwei Lieder aus dem Musical 'The Lion King', basierend auf dem Zeichentrickfilm von Disney aus 1994 mit Musik von Elton John, Tim Rice und anderen. Eklektische Musik mit Einflüssen aus klassischer Musik, Pop, Rock, Gospel und anderen Genres. Lissa und Hans Peter bringen 'Can You Feel the Music Tonight' und als Höhepunkt 'Hakuna Matata'. Es ist ein Ausdruck aus dem Swahili und bedeutet: mach dir keine Sorgen für den Rest deines Lebens. Die fantastische Klavierbegleitung von Alex Roosemeyers machte das Bild komplett. Die zwei Solisten suchen nicht nach Pathos und exzessiver Bombastik, sondern weben einen ausgewogenen Klangteppich und erlauben sich dennoch, die verschiedenen Geschichten auf eine nuancierte Weise und charismatisch zu kommunizieren. Unsere mentale Stimmung und Glückshormone: Serotonin, Dopamin und Oxytocin wurden auf jeden Fall kräftig aufgeladen, genau wie bei dem Rest des Publikums. Kultur, ein goldener Saum um eine dunkle Welt. Wir verließen die Veranstaltung in ausgezeichneter Stimmung.

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