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Bellissama 'Tour de France'

V
· 6 Min. Lesezeit
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Bellissama 'Tour de France'

Diese 'Tour de France' war eine gelungene Ehe, 'marriage' um im Stil zu bleiben, zwischen dem klassisch französischen Liedrepertoire in Reinform und Chanson. Paris ist DIE Stadt der Liebe, dieses Gefühl war der rote Faden durch das Konzert.

Die beiden Sopranistinnen Lissa Meyvis und Lisa Willems stellten ein eigenwilliges Programm zusammen. Die künstlerische Energie fließt reichlich. Sie wählten nicht ausschließlich das weit verbreitete Repertoire, sondern erschließen auch weniger bekannte Werke mit zahlreichen Perlen. In den bittersüßen Texten resoniert die Liebe zu einer Person oder der Natur. Der klassische Pianist Lester Van Loock ordnet sich in die dienende Rolle des Begleiters ein, der mit einer trockenen Bemerkung zwischendurch für die lustige Note sorgt. Zweimal bringt er auch mit Transparenz, Bravour und Meisterschaft ein Klaviersolo vor. Dieses Trio führt das Publikum in eine Welt voller wohltuender, herrlicher Musik.

Lisa Willems eröffnet mit einem sehnsuchtsvollen Lied aus der belle époque von Erik Satie 'Je te veux'. Anschließend Lissa Meyvis mit 'La diva de l'empire'. Es stammt aus der Café-Chantant-Zeit von Erik Satie, in der er Pianist im Cabaret Le Chat noir war. Er schrieb es für Paulette Darty. Es ist einfach, aber effektiv im Stil und nicht frei von einiger Frivolität. Lissa Meyvis singt mit Leib und Seele. Eine ausdrucksstarke Körpersprache und Mimik, die Bände spricht. Augen, die verlocken können und genauso Feuer speien. Ihre Verführungskünste projiziert sie auf einige ältere Herren. Herrlich! Sie versteht es, den Charme und die Wankelmütigkeit einer Diva einzufärben und das Publikum völlig für sich zu gewinnen. Lisa Willems schließt an mit 'Hymne à l'amour' von Edith Piaf basierend auf einer Komposition von Schumann. Es gibt ein paar Interpreten mit großem Eigensinn, die man kaum erreichen kann. Das dunkle, durchlebte Timbre von Piafs Stimme war einzigartig. Als Sopranistin diese Ballade zu interpretieren ist ein Wagnis und ich fand es nicht so gelungen. Während Lissa Meyvis 'La vie en rose'' wählt, einen der bekanntesten Lieder von la Môme Piaf. Meyvis versteht die Kunst, ein Lied an sich zu ziehen, es sich auf ungekünstelte und transparente Weise zu eigen zu machen und das Wesentliche daraus herauszuholen. Das sorgt für einen wunderschönen Moment der Stille. Das tut sie auch mit 'La mer'' von Charles Trenet. Er schrieb den Text bereits im Alter von 16 Jahren und komponierte später eine Komposition dazu. Zusammen mit 'La vie en rose' von Edith Piaf sind dies die meistverkauften französischen Nummern aller Zeiten.

Nach all der vokalen Arbeit Zeit für Lester Van Loock. Er wählte 'Arabesque Nr. 1 ' von Claude Debussy. Der Name verweist auf Leichtigkeit und Verzierung. Mit Bravour in Bezug auf Versenktheit und Spiel legt er die Erzählkraft von Debussy bloß.

Lisa Willems setzt an mit 'Prose lyrique – De Rêve'' ebenfalls von Claude Debussy. Er schrieb sowohl den Text als auch die Musik und handelt vom Rauschen der Blätter. Vokal/technisch ein anspruchsvolles Lied. Da das Programm den Namen 'Tour de France' erhielt, durfte ein Lied über ein Fahrrad nicht fehlen. Das Œuvre von Francis Poulenc ist nicht immer so zugänglich, aber in 'Fêtes galantes – Bicyclette'' zeigt er doch eine andere und würzigere Seite seines Talents. In Bezug auf Artikulation ist es reines Feuerwerk. Lisa Willems bringt zweimal eine beeindruckende Interpretation.

Lissa Meyvis setzt wieder all ihr Schauspieltalent ein für 'La Coccinelle'' von George Bizet. Ein Mann will ein Mädchen küssen, wird aber von einem Marienkäfer abgelenkt. Sie verkörpert dies als ein Ingénu, verschmitzt und gewinnend. Lisa Willems wählte die Arie 'Habanera' aus der Oper Carmen von Georges Bizet, komponiert für Mezzosopran, aber als Sopranistin bringt sie es auch glänzend. Carmen erzwingt Liebe. Die hohen Noten sind beeindruckend. Die Wirkung ist sogar so groß, dass ich mir eine Träne wegwischen muss. Lissa Meyvis wählt fordernde Lieder und wechselt mühelos zwischen Stimmungen. Auch in 'Les filles de Cadix'' von Léo Delibes. Mit der Begleitung von Klavier und Kastagnetten kommt die spanische Atmosphäre vollkommen zur Geltung. Der erste Teil wird abgeschlossen mit dem wunderschönen 'Blumenduett aus der Oper Lakmé' von Léo Delibes. Ihre Stimmen verschmelzen perfekt.

Der zweite Teil ist nicht rein französisch zu nennen. Es ist eher ein Netzwerk von Künstlern, die jemals in Frankreich strandeten und dort für eine kürzere oder längere Zeit verweilten. Angefangen mit Kurt Weill. Lisa und Lissa verkörpern 'Youkali'. Nachdem Weill aus Nazi-Deutschland entkommen war, versuchte er während seines zweijährigen Aufenthalts in Paris, erfolgreiche Lieder zu schreiben. Lisa verkörpert auch noch das entschlossene 'Je ne t'aime pas'' von Weill, sowie den Welthit von Nana Mouskouri 'Coucouroucoucou'. Lissa Meyvis wählte dann ein Lied des armenischen Sängers, der in Frankreich seine zweite Heimat fand: 'Par gourmandise'' von Charles Aznavour. Dieser Mix führt zu fesselnden, lustigen, ergreifenden und stimmungsvollen Momenten.

Lester Van Loock zeigt wieder sein Meisterschaft in der 'Zweiten Ungarischen Rhapsodie' aus einer Reihe von neunzehn Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt. Atemberaubend und ergreifend zum Zuschauen und Zuhören. Lisa Willems wirft sich in das 'Vilja Lied'' von Franz Léhar aus seiner Operette "Die Lustige Witwe". Ein anderes Lied aus der Operette 'Lippen Schweigen' ' wird auf feinzinnige Weise die sexuelle Anziehung zwischen den beiden Frauen ausgespielt.

Lissa Meyvis bringt eine Arie aus der Tragödie-Oper Orpheus en Eurydice von Chistoph Willibald Gluck 'J'ai perdu mon Eurydice' einst ins Französische übersetzt. Mit anschließend Lisa Willems mit einem Lied, das perfekt in diese Jahreszeit passt, 'Les feuilles mortes' 1946 geschrieben von Jacques Prévert, Musik Joseph Kosma. Yves Montand machte es zum Klassiker. Lissa Meyvis wagt sich an das Lieblingslied des schwarzen Icons Josephine Baker 'J'ai deux amours'. Lisa schließt an mit 'A Chloris' von Reynaldo Hahn, einem französischen Komponisten, Dirigenten und Musikkriiker. Er zog im Alter von drei Jahren aus Venezuela nach Frankreich.

In der letzten Reihe präsentiert Lissa Meyvis die fröhliche Arie 'Air des bisous' von Jacques Offenbach. Und als Abschluss noch ein Duett zwischen Lisa & Lissa ebenfalls von Offenbach 'Barcarolle – Belle Nuit' aus Hoffmanns Geschichten.

Schon wieder eine gelungene Matinee, bei der das Versprechen eines spannenden und wohltuenden Musikerlebnisses zu hundert Prozent eingelöst wurde. Jeder kehrte mit einer Dosis Oxytocin und Dopamin nach Hause zurück.


  • PRODUKTION: Bellissama
  • GESANG: Sopranistinnen Lissa Meyvis und Lisa Willems
  • KLAVIER: Lester Van Loock
  • WO & WANN: Fakkeltheater Antwerpen, 12.11.2023
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