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CONTINUO BREAKS BAD

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CONTINUO BREAKS BAD

Symfonieorkest Continuo ist das Alumni- und Personalorchester der Ugent. Es steht neben dem Gents Universitär Symfonieorkest (GUSO), das hauptsächlich aus Studenten besteht. Mit über zehntausend Mitarbeitern ist die Ugent nicht nur der größte Arbeitgeber der Stadt, sondern unterhält auch verschiedene Orchester, neben einem Chor und einem Harmonieorchester. Am 27. und 28. Januar spielten sie in der Genter Miryzaal ein Konzert voller Chemie. Der Titel „Contiuo Breaks Bad" bezieht sich auf die TV-Serie „Breaking Bad", in der ein Chemielehrer ein Drogenlabor aufbaut. Chemie ist das Bindemittel der Musik und der Ausführenden. Komponist Ward De Jonghe, dessen Konzert für Schlagwerk in Weltpremiere erklingt, ist ein Chemiker. Dirigent Kevin Hendrickx ist Chemiker. Alexander Borodin, dessen zweite Symphonie wir nach der Pause hören, war sein ganzes Leben lang mehr Chemiker als Musiker.

Sie beginnen mit Mozart, Ouvertüre Don Giovanni. Dirigent Hendrickx ist ein Fachmann, der seine Truppen gut zusammenhält, aber es hätte etwas kräftiger und schneller sein können. Fast andante statt allegro klingt Don Giovanni hier. Als würde er nur hinter den Frauen herlaufen, die Libido auf niedriger Stufe. Die Streicher klingen in dieser Konzerthalle etwas dünn, ohne den warmen, runden Ton eines Profi-Orchesters. Das tut der Dynamik, der Spielfreude, die auf den Gesichtern zu sehen ist, keinen Abbruch.

Haben Sie je von dem amerikanischen Komponisten Peter Schickele gehört? Ein Witzbold mit einem Diplom der Julliard School in der Tasche. In eine kleine Nichtmusik macht er aus Mozarts bekannter Serenade eine Parodie, in die er Themen von Beethoven, Rachmaninov, Shostakovitch, Tschaikovsky oder Liszt verwebt. Leicht, witzig, aber auch verdammt geistreich. Das Orchester kommt in Fahrt.

(c)Ward De Jonghe ist neben seiner Tätigkeit als Chemiker vor allem auch ein junger Komponist, der bereits viele Preise und Auszeichnungen erhalten hat. 2020 wurde er noch in die SOV Composers' Academy ausgewählt. Konzerte für Schlagwerk und Orchester sind selten, und ich hatte noch nie eines gehört. Se/Fe hat er für seinen Freund, Schlagwerker Wim Pelgrims, geschrieben, mit dem er zusammen im Ensemble Nemø spielt. Se und Fe beziehen sich auf chemische Elemente, Se steht für Selen, Fe für Eisen. Wie auch schon in seinem Orchesterwerk Ansatz zu hören war, schafft De Jonghe eine faszinierende Klangwelt, statische Musik, die Klangmassen mit Schlagwerkstechniken kombiniert, die alles aus den kleinen und großen Trommeln und Pauken herausholen, die vor dem Orchester aufgestellt sind. Wie ein Chemiker sucht De Jonghe nach ungewöhnlichen diffusen Klängen. Fünfzig Schattierungen von Rauschen. Schlagwerk ist in diesem Werk nicht nur Schlagen, sondern auch Reiben, Kratzen und Schaben auf dem Fell. Wer denkt, dass man mit einem Bogen nur auf den Saiten streichen kann, irrt sich. Er lässt die Streicher auf der Schnecke und auf dem Holz ihrer Violinen streichen. Das ergibt das Geräusch von sanftem Wind. Wenn wir von Se zu Fe, von Selen zu Eisen gehen, schlägt Wim Pelgrims los, als würde er unterirdische Geister wecken, das Eisen schmieden, während es heiß ist.

Nach der Pause endlich etwas Romantik im Konzertsaal. Borodins Zweite wird öfter gespielt. Sie hat einen rohen slawischen Charakter, mit dem die Musiker besser in Erscheinung treten als mit dem immer zarten Mozart. Man sieht, wie der Dirigent sie in den wilden Passagen anfeuert, in denen wir in das tiefe, warme Russland der Zaren versetzt werden.

Es lag Chemie im Saal und auf der Bühne. Mit dem Konzept „Continuo Breaks Bad" hat das Orchester erneut ein beeindruckendes Beispiel für Public Relations geliefert. Nicht einfach nur ein Programm, sondern mit Continuo haben Sie immer auch ein Konzert mit einem Gesamtkonzept, einem Leitmotiv, zu dem auch ein schönes umfassendes Programmbuch gedruckt wird. Das sieht man nicht so oft im Konzertsaal.

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