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Die Nacht vor Weihnachten

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· 5 Min. Lesezeit
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Die Nacht vor Weihnachten
© Barbara Aumueller, Monika Ritterhaus

Nikolai Rimsky-Korsakow ist vielleicht am besten bekannt für die populäre „Flucht der Hummel" und nur wenige werden sich bewusst sein, dass es ein Fragment aus einer seiner phantasievollen Opern ist, Das Märchen vom Zaren Saltan. Es ist schön, dass die Muntschouwburg sowohl diese Oper als auch Der goldene Hahn im Repertoire hat, aber die Gelegenheit, Die Nacht vor Weihnachten in der Oper von Frankfurt zu sehen, wollten wir uns nicht entgehen lassen.

Marineoffizier wird Komponist

Nikolai Rimsky-Korsakov wurde 1844 in einer alten, aber verarmten adeligen Familie geboren. Er war für eine Laufbahn bei der Marine vorgesehen. Er erhielt daher eine Ausbildung an der Kadettenschule in Sankt-Petersburg und Musik war leidenschaftliche Freizeitbeschäftigung. Er erhielt zwar Klavierunterricht und schloss sich 1861 als Jüngster der Gruppe der „Mighty Handful" an, zu der Modest Moessorgski, Cesar Cui und Alexander Borodin gehören. Nach Abschluss seines Marinestudiums segelt er etwa zwei Jahre lang um die Welt. Auf diesen Reisen faszinieren ihn allerlei Naturphänomene und kosmologische Erscheinungen. Dies spiegelt sich in seinen Opernerzählungen wider.

Märchenhafte Fantasie und Farbenreichtum sind daher die zwei Hauptmerkmale seines Werkes, ob es sich um die symphonische Suite Sheherazade oder seine fünfzehn Opern handelt. In seinem Opernwerk finden wir historisches Drama neben Märchen, Zauberspiel neben Legende und Satire. Er komponiert keine Oper, die sich im realistischen Alltagsleben mit intimen emotionalen Ereignissen abspielt, wie Peter Tschaikowsky in Eugen Onegin oder Pique Dame. Keine Leidenschaft, kein Durchdringen von Psychologie, sondern er wählt einen Märchenton, das Fantastische, die Naturschilderung und das Mystische.

Die Nacht vor Weihnachten, eine fantastische Liebesgeschichte

Die Nacht vor Weihnachten geht auf Geschichten von Nikolai Gogol zurück, die Motive der ukrainischen Folklore enthalten und Ereignisse aus dem Alltagsleben im Dorf mit fantastischen Elementen vermischen. Die Geschichte spielt sich am Heiligabend ab. Im ukrainischen Dorf Dikanka ist der Schmied Wakula unsterblich verliebt in Oksana, die Tochter eines Großgrundbesitzers. Sie will nur mit ihm heiraten, wenn er ihr die goldenen Schuhe der Zarin schenken kann. Verzweifelt ruft Wakula den Teufel um Hilfe an, der ihm hilft, in die Hauptstadt zu fliegen, aber natürlich auch böse Absichten hat. Aber bei der Zarin angekommen, schenkt sie ihm ihr schönstes Paar Schuhe. Zurück in Dikanka bereut Oksana ihre strenge Bedingung und erkennt ihre Liebe zu Wakula. Nun steht der Hochzeit nichts mehr im Wege.

Nikolai Rimsky-Korsakov verbindet die christliche Weihnachtsfeier mit vorchristlichen Bräuchen der Wintersonnenwende. So erscheint hinter der Realität des Bauerndorflebens mit seinen Liedern und Tänzen eine zweite archaische Welt. Die Koljadallieder der Wintersonnenwende geben Rimsky-Korsakov die Gelegenheit zu farbenfrohen, vitalen Szenen. Naturmagie, Beschwörung des Übernatürlichen und musikalische Folklore – wie im Tanz der Sterne oder der Hexenritt – sind ein typischer Aspekt von Rimsky-Korsakovs Stil, neben Poesie und drastischem Humor.

Chistoph Loy: Erneut ein fantastischer Regisseur

Es ist wie für Regisseur Christoph Loy gemacht. Diese Produktion (auf Russisch) von Die Nacht vor Weihnachten in Frankfurt ist erneut der Beweis, dass Christoph Loy den Geist des Werkes, das er auf die Bühne stellt, versteht und mit wahnsinniger Inspiration, aber immer mit Respekt inszeniert! Der Vorhang der Bühne ist für die Gelegenheit ein kosmisches Szenario mit Himmelskörpern und Sternen. Loy bezieht sich so auf die Naturphänomene, die Rimsky-Korsakov für den Farbenreichtum und das Lichtspiel inspirieren, das er in seinen Opern in Klang umsetzt. Es reizt die märchenhafte Fantasie, von der die Aufführung voll ist. Die Charaktere, die in der Musik jedes Mal eine charakteristische Intonation erhalten, bildet Loy mit der richtigen Vielfalt und Fantasie ab, wie der einfache Wakula und die komplexe Hexe, das wunderbar attraktive Mädchen Oksana und der böse Teufel. Und ja, die Hexe kann auf ihrem Besen fliegen und mit dem Teufel den Luftraum durchqueren. An Akrobatik fehlt es nicht, was für eine Leistung der Schauspieler!

Gleichzeitig zeigt die Inszenierung, dass Nikolai Rimsky-Korsakov alles andere als ein naiver Märchenerzähler ist, denn auch die Bosheit der Menschen kommt zur Sprache, zum Beispiel wenn die Rivalin von Oksana Wakula beschwört, dass er niemals an die Schuhe der Zarin gelangen kann, um eine Chance auf seine Braut zu haben. In der Szene, in der die Hexe Solocha und der Teufel ein Komplott gegen Wakula aushecken und immer wieder den ankommenden Gast in einen Sack stecken, nutzt Loy die Geschichte voll aus für Spott, Humor und Satire. Ebenso erhält das Happy End eine herrliche Darstellung, lustig und ergreifend.

Mitreißende Musikalität

Diese Produktion war erstmals 2021 in Frankfurt zu sehen und wurde damals von Opernwelt als „Inszenierung des Jahres" gelobt. Bei dieser Wiederaufnahme hat der junge Dirigent Takeshi Moriuchi den Dirigentenstab in der Hand und macht daraus mit dem Orchester ein musikalisches Fest. Jede Szene erhält ihre richtige Orchesterintonation, von ausgelassen bis serene, von teuflisch bis himmlisch, mit in dem schönen Liebesgeständnis von Oksana dem Accent auf dem emotionalen Cello. Die Solopartien sind mit Sängern aus dem Ensemble der Oper Frankfurt besetzt und das spricht für die Fülle an Talent darin. Die polnische Sopranistin Monika Buczkowska-Ward sang mit kristallheller Stimme die Oksana, Enkelejda Shkoza war eine erschreckend gute Hexe (Solocha), Georgy Wasiliev ein ergreifender Wakula. Die Volksszenen, die Rimsky-Korsakov mit musikalischem Farbenreichtum malt, sind herrliche Chorpassagen.

Lassen Sie uns den wichtigen Musikwissenschaftler für russische Musik Richard Taruskin zu Wort kommen: "Rimsky-Korsakov ist ein Komponist, der sich nicht leicht verpflanzen lässt. Aber für diejenigen, die ihm mit der gebotenen Offenheit begegnen, kann es die aufregendste und fesselndste Musik der Welt sein". Dabei richtet Taruskin einen Appell an Intendanten, Dramaturgen und Regisseure, sein Werk ins Rampenlicht zu bringen!

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Tags Opera
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