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Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, Joseph Haydn

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· 5 Min. Lesezeit
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Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, Joseph Haydn

"Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze", im Niederländischen offiziell als 'de Zeven Kruiswoorden' bezeichnet, sind die letzten Worte, eigentlich sieben kurze Aussprüche, Sätze, die Jesus am Kreuze gesprochen haben soll. Joseph Haydn (Österreich, Rohrau, 31. März 1732 – Wien, 31. Mai 1809) erhielt den Auftrag, diese Worte musikalisch zu übersetzen, von dem spanischen Mäzen Don José Sáenz de Santa María, marqués de Valde-Íñigo.

Haydn schrieb zwei der vier bekannten Versionen: eine für Orchester und eine für Streichquartett, obwohl es Zweifel gibt, ob Haydn sie wirklich schrieb. Kurz darauf erschien eine Version für Klavier und noch später hörte er auf seiner Rückreise von London nach Wien in Passau eine Version für Orchester und Chor. Haydn war davon begeistert, nahm die Partitur mit nach Hause und begann, einiges zu verbessern, aber so ernsthaft, dass es eine richtige Komposition wurde und der Text von Domkapellmeister Joseph Friebert aus Passau von Baron Von Swieten gründlich überarbeitet wurde. Bei den beiden ersten Versionen von Haydn wird bezweifelt, ob das Erdbeben, mit dem das Werk endet, wirklich von seiner Hand stammt. Man könnte darüber ein Buch schreiben, aber wir halten uns hier an die Orchesterversion, die zunächst komponierte, zwar mit dem Erdbeben, die in der Abteikirche der Ter Kamerenabdei in Elsene (Brüssel) aufgeführt wurde.

Kein besserer Ort denkbar: die Umgebung der Abtei mit den letzten Resten der Natur dessen, was einst ungefähr die Mitte des Ter Kamerenswaldes war, die meisten Abteigebäude im 18. Jahrhundert österreichischen Barokstil und besonders die gotische, schlichte Kapelle. Einer der besten Konzertsäle für intimere religiöse Musik. Dass ich dies jetzt erst entdecken musste. Da weißt du sofort, dass ich diese Abtei nie besucht habe. Scham färbt meine Wangen…

Es ist, zumindest für mich, eine Gute Woche, um musikalisch sich zu verabschieden. Es gab den Auftakt mit der Johannespassion von Adriaan Willaert durch Dionysos Now! und dann folgte dieses oh so schöne, meditative Konzert durch das Etesiane orchestra unter der Leitung von Gabriel Hollander. Meditativ, durchaus durch den Inhalt der Worte, die vom wallonischen Schauspieler Bruno Georis (auf Französisch) in einem Text des französischen Abbé Jean Pierre Nortel vorgetragen wurden. Es ist ein bisschen schade, dass der Schauspieler auf der bereits so kleinen Bühne stand, um zu deklamieren, anstatt auf der Kanzel Platz zu nehmen, die dafür doch einen idealen Rahmen bildete. Es hätte auch die Atmosphäre noch mehr unterstrichen. Damit Punkt.

Geben wir die Sieben Kreuzeworte wieder, lest sie und hört eine Aufnahme dieses Werkes. Man muss kein ‚Pillarknauer' sein, um bewegt zu werden. Es gibt etwas Universelles in den Gefühlen, die Jesus, so ans Kreuz genagelt, durchmacht. Er ist einerseits der Sohn Gottes und andererseits so menschlich. Er weiß, was seine Mutter, wie jede Mutter, durchmacht, wenn ein Kind von ihr stirbt. Seine Verzweiflung, sein Durst, seine Ergebung. Haydn wusste in den verschiedenen langsamen Teilen sehr gut, die Gemütsverfassung zu charakterisieren. Durch seinen angenehmen Charakter ist dieses Werk vielleicht etwas zu lieb, zu freundlich. Hängt mal da rum und wartet auf seinen Tod, verachtet, erniedrigt, gemartert, bespuckt. Dann erwartet man eigentlich etwas extremere aufständische, verzweifelte, fatalistische Melodien und Harmonisierungen. Aber Haydn ist sich selbst treu geblieben und wählte mehr Ergebung und Annahme des Schicksals ohne Theatralik.


  1. Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. ...
  2. Wahrlich, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. ...
  3. Frau, siehe da dein Sohn, Sohn siehe da deine Mutter. ...
  4. Mein Gott, warum hast du mich verlassen? ...
  5. Mich dürstet. ...
  6. Es ist vollbracht. ...
  7. Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Gabriel Hollander leitet sein junges Ensemble, diesmal kein volles Kammerorchester aufgrund der buchstäblichen Raumbegrenzung auf der Bühne, außerordentlich partiturtreu. Dies macht, dass diese zerbrechliche und sehr schwer zu spielende Musik nicht nur klar, ausgewogen und transparent ist, sondern du wirst auch in das Geschehen einbezogen, das in der christlichen Welt zu dem führte, was wir heute als die Gute Woche kennen. Es hat Jahrhunderte lang unsere Kultur und Gesellschaft stark beeinflusst und bestimmt. Es schenkte uns viele schöne Kunstwerke in Musik, Wort, Bild. In so einem Moment würde ich vielleicht gerne ein Mönch in einer Abtei sein. Es berührt doch etwas in einem Menschen, die ergreifende Geschichte, die wunderbare Musik, die intime und doch großartige Umgebung… Alles zusammengefasst war es ein inspirierender musikalischer Abend, der wiederholt werden kann.

Gabriel Hollander und sein junges Projektensemble Etesiane orchestra kannst du auf seiner Website verfolgen. Dort findest du auch Informationen über die kommenden Konzerte.

  • WAS: Die sieben letzten Worte unseres Erlösers am Kreuze, Joseph Haydn
  • WER: Etesiane Orchestra unter der Leitung von Gabriel Hollander
  • WO & WANN: 25. März 2024, Ter Kamerenabdij, Elsene (Brüssel)
  • FOTOS: © Yoshie Kuwayama
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