Dies ist ein von deCHORALE eingereicher Artikel, die Redaktion hatte keinen Einfluss darauf.
Mit diesem außergewöhnlich zusammengestellten Passionskonzert wurde das Publikum in die zeitlose Kraft von Bachs Passionsmusik eingetaucht, aber gleichzeitig eingeladen, diese in einer neuen und erfrischenden Perspektive zu erleben. Das Konzept, eine dramaturgisch aufgebaute 'neue Passion' auf der Grundlage von Fragmenten aus der Matthäus-, Johannes- und rekonstruierten Markuspassion – erwies sich nicht nur als ehrgeizig, sondern vor allem als besonders gelungen.
Von den ersten Noten an wurde deutlich, dass dies keine traditionelle Aufführung sein würde. Der Wechsel zwischen Musik und Erzählung sorgte für einen natürlichen Spannungsbogen, wobei die Leidensgeschichte klar und fesselnd entfaltet wurde. Erzähler Marc Van de Looverbosch spielte dabei eine entscheidende Rolle: Mit einer differenzierten, ausdrucksstarken Vortragsweise verstand es, die Geschichte nicht nur zu deuten, sondern auch emotional zu vertiefen. Sein Beitrag fungierte als ein überzeugender roter Faden, der die verschiedenen musikalischen Fragmente zu einem kohärenten Ganzen schmiedete.
Musikalisch konnte sich das Konzert auf eine starke Aufführung stützen. Das Oratoriumschor deCHORALE zeigte sich als ein geschlossenes und ausdrucksstarkes Ensemble, das mit dem kraftvollen Opener 'Geh, Jesu' sofort den Ton angab. Die Turbachöre beeindruckten durch ihre dramatische Kraft und klare Artikulation. Gleichzeitig wurde bei den Chorälen wie 'Herzliebster Jesu', 'O grosse Lieb' und 'Ach, Herr, las dein Lieb Engelein' für eine eher verhaltene Herangehensweise gewählt, die Momente der Stille und Reflexion schuf.
Das Ensemble La Passione unterstützte das Ganze mit Stilgefühl und Finesse. Die instrumentale Begleitung blieb stets transparent und dienend, ohne an Ausdruckskraft einzubußen. Das Gleichgewicht zwischen Chor und Orchester war sorgfältig ausgearbeitet, was zur Klarheit des Ganzen beitrug.
Das Solistenensemble lieferte eine hochwertige Leistung. Jeder von ihnen wusste seine Rolle überzeugend und musikalisch umzusetzen. Arien wie 'Erbarme dich', 'Aus Liebe'', 'Ich will dir mein Herze schenken' und 'Geb mir meinen Jesum wieder' wurden mit Gefühl und technischer Beherrschung vorgetragen, wodurch sie als emotionale Ankerpunkte im Programm fungierten.
Eine zusätzliche Dimension wurde durch die projizierten Bilder hinzugefügt, die das Ganze visuell unterstützten, ohne aufdringlich zu wirken. Sie verstärkten die Atmosphäre und halfen dem Publikum, noch tiefer in die Geschichte einzutauchen.
Unter der inspirierenden Leitung von Dirigent Paul Dinneweth wuchs dieses Konzert zu einer überzeugenden und kohärenten Gesamterfahrung heran. Was dieses Projekt besonders auszeichnet, ist die Art und Weise, wie es gelungen ist, Respekt vor dem Originalmaterial mit einem zeitgemäßen Ansatz zu verbinden.
Das Publikum reagierte dementsprechend besonders begeistert: das Zusammenspiel von Erzählung, Musik und Bild wurde als sehr gelungen empfunden, mit besonderem Lob für die Zugänglichkeit und Klarheit des Ganzen.
Diese "neue Passion" beweist, dass Bachs Musik nicht nur zeitlos ist, sondern auch weiterhin zu kreativer Neuinterpretation inspiriert. Ein gewagtes Konzept, das überzeugt – und vor allem berührt.