Die direkt auf ein grauenvolles Ereignis im April 1945 zurückgreifende, technisch kaum spielbar und alle möglichen Stadien menschlicher Emotion durchlaufende Klaviersonate mit dem Titel 27. April 1945 ist nicht nur ein musikalisch tiefgehendes Beispiel der menschlichen Tragödie, die Hartmann in ergreifenden Klängen umzusetzen versuchte, wie aus Karl Amadeus Hartmanns Beschreibung im Manuskript hervorgeht:
Am 27. und 28. April 1945 schleppte sich ein Menschenstrom von 20.000 Dachauer Schutzhäftlinge an uns vorüber. Unendlich war der Strom. Unendlich war das Elend. Unendlich war das Leid.
Die südkoreanische Pianistin Yeseul Moon spielt auf diesem Album die von dem Komponisten 1947 überarbeitete, dreiteilige Version, mit am Ende der CD als „Zugabe" das Scherzo aus der ersten Version. Die Sonate wird auch durch eine Reihe von Zitaten gekennzeichnet, wie im zweiten Teil das Arbeiterlied 'Brüder, zur Sonne, zur Freiheit' und in der Finale 'Partisanen vom Amur', die deutsche Fassung dieses russischen Kriegsliedes. Im hinzugefügten Scherzo zieht die 'Internationale' die Aufmerksamkeit auf sich. Gilead Mishory (*1960) komponierte seine unmittelbar ansprechenden Fugitive Pieces genau sechzig Jahre später (der Albumtitel ist dem gleichnamigen sechzehnten Teil entnommen). Die achtzehn kurzen Stücke sind von dem gleichnamigen Buch von Anne Michaels über das Schicksal des polnischen Jakob Beer inspiriert, dessen Familie von den Nazis ermordet wurde. Er konnte fliehen und wurde später auf wunderbare Weise von dem griechischen Archäologen Athos gerettet. Die (sechs) Nachtstücke (2012) von Christoph Tarnow (*1984), teils nach Gedichten von Hermann Hesse, sind damit erstmals auf CD erschienen. Was diese Stücke verbindet, ist neben dem Holocaust die Unmenschlichkeit jedes Krieges. Yeseul Moon erweist sich als ideale Interpretin dieser so ergreifenden Musik.