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Das lyrische Leben des Kontrabasses

W
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Das lyrische Leben des Kontrabasses

Der Wiener Musiker Dominik Wagner überrascht mit einer CD, die ganz dem Riesen unter den Streichinstrumenten gewidmet ist – dem Kontrabass. Zusammen mit der Pianistin Lauma Skride präsentiert er eine Auswahl von 14 fesselnden Stücken, die von Schubert und Ravel über Fauré und Boulanger bis zu Richter, Glass und ja, Charles Chaplin reichen.

Im Sinfonieorchester ist der Kontrabass das größte Streichinstrument mit dem tiefsten Register. Die Geschichte des Kontrabasses ist zweigeteilt: Einerseits ist er Teil der Geigenfamilie, andererseits auch der Viola da Gamba. Eine zusätzliche Komplikation ist die Tatsache, dass der Bass nicht standardisiert ist; es gibt Ausführungen mit 3, 4 (üblich) und 5 Saiten. Der Kontrabass ist vor allem wegen seiner rhythmischen und harmonischen Rolle im Sinfonieorchester bekannt. Die Tiefe des Registers bedeutet, dass alle anderen Instrumente die höheren Regionen bevölkern. Für einen reichen und warmen Orchesterklang musst du also beim Kontrabass sein.

© Julia Wesely

Von dem Kontrabassisten und Komponisten Peteris Vasks haben Wagner und Skride eine Bearbeitung seines Andante Cantabile aufgenommen. Sie stammt ursprünglich aus seinem zweiten Cellkonzert, darf aber jetzt ein eigenes Leben führen. Wagners Interpretation eröffnet eine Welt der Lyrik. Nach einer klagenden Einleitung kommt in den höheren Registern die Gesangsstimme vollständig zur Geltung, woraufhin über ein kräftiges Klaviersolo das lange Schlussmotiv mit Sorgfalt hingelegt wird.

Von dem minimalistischen Komponisten Max Richter, der gewohnheitsgemäß Abstand zu ausgetretenen klassischen Orchesterarrangements hält und damit eine angenehme Art von Spannung hervorruft, wurde das Stück Mercy (2010) ausgewählt. Es ist ein Plädoyer für Mitleid und Vergebungsbereitschaft, etwas das auch in dieser Zeit willkommen ist. Mercy wird zu einem gezogenen Arpeggio mit relativ großen Sprüngen innerhalb der Akkorde entwickelt, wobei Wagner es wagt, das Tempo zu erhöhen. Damit zeigt das Instrument auch seine fröhliche Seite. Franz Schubert ist mit zwei Kompositionen deutlich präsent. Im Lied Du bist die Ruh übernimmt der Kontrabass die Gesangsstimme, wodurch eine neue Dimension zur poetischen Aussagekraft hinzugefügt wird.

Interessant sind die Stücke, deren Ursprung in der Liedkunst liegt, da sie den Übergang von der Klassik (Mozart, Haydn, Beethoven), in der der Bass der Verdoppelung des Cellos diente (aber eine Oktave tiefer), zum 19. Jahrhundert markieren, als der Bass auch für individuelle Ausdrucksweise eingesetzt wurde. Ein bekanntes Beispiel für die Emanzipation des Kontrabasses ist die Partie in der Oper Otello (4. Akt, in dem er im Wahn lebt, dass ihn seine Frau betrügt).

Für Ständchen – Reharmonized, das zweite Stück von Schubert auf der CD, hat Wagner den Berliner Pianisten und Arrangeur Jarkko Riihimäki hinzugezogen. Dadurch erhält diese Serenade einen kräftigen Schuss Jazziness, was das Hörerlebnis merklich auffrischt. Der französische Komponist Claude Debussy meldet sich durch das melancholische Lied Beau Soir an, eine Interpretation, mit der Wagners Lyrik sich der Körperlichkeit des Cellos nähert.

Auch der amerikanische Favorit Jeff Bradetich meldet sich durch eine Bearbeitung von Faurés Élégie zu Wort. Sie wurde ursprünglich für Cello geschrieben, aber die Bearbeitung für Kontrabass resultiert in einer ergreifenden Erzählung über Liebeskummer, mit viel Emotionalität und Wärme. Indem die Perspektive nun aus den tiefsten Registern aufgebaut wird, wird das Drama überzeugend angekurbelt. Die CD wird mit einigen Evergreens abgeschlossen, wie Moon River von Henry Mancini und das Thema aus Modern Times von Charles Chaplin.


WAS: Chapters (A Double Bass Story)

WER: Dominik Wagner [Kontrabass], Lauma Skride [Klavier]

LABEL: Berlin Classics

ERSCHEINT: 10. März 2023

BESTELLEN: JPC

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