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Home - Miró Quartet - Werke von Puts, Walker, Shaw, Barber und Arlen

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Home - Miró Quartet - Werke von Puts, Walker, Shaw, Barber und Arlen
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'Home', wir wissen alle, was es bedeutet, aber es ist oder es ist nicht für jeden ein 'Zuhause', geschweige denn ein 'warmes' Zuhause. Home sweet home, auch das kennen wir, so etwas wie 'Osten West Zuhause Beste'. Große Teile der Welt stehen in Flammen, der Strom der Vertriebenen kennt kein Ende.

Das Miró Quartet fühlt sich künstlerisch auf jeden Fall ausgezeichnet zu Hause in der Musik dieser fünf Komponisten, alle Amerikaner, vier von ihnen – zufällig oder nicht – Gewinner des prestigeträchtigen Pulitzer Prize. George Walker war sogar der erste schwarze Amerikaner, dem dieser Preis zuteil wurde. Nur Harold Arlen ist meines Wissens in dieser Hinsicht ohne Preise ausgefallen.

Dass auf diesem Album nur der zweite Teil aus Walkers Erstem Streichquartett vertreten ist, ist übrigens nicht so seltsam (obwohl es genug Platz für das komplette Stück gegeben hätte): Wie das berühmte Adagio aus Barbers Streichquartett op. 11 ist auch dieser zweite Teil bald nach seiner Entstehung sein eigenes Leben als Lyric for Strings angenommen. Und tatsächlich: Es ist lyrisch, durch und durch. Im CD-Booklet gibt das Ensemble zu, dass es erst kurz vor der Aufnahme von dessen Existenz erfuhr, was einiges Erstaunen erregen mag, aber diese intensiv 'lyrische' Interpretation lässt glücklicherweise anderes vermuten.

Auch die Aufführung der übrigen Werke kann sich sehen lassen: das Miró fühlt sich bei diesen so unterschiedlichen Stilen wie der sprichwörtliche Fisch im Wasser, beginnend mit dem Eröffnungswerk, dem der Albumtitel entnommen ist: Kevin Puts' Suite Home. Violist John Largess vermerkt im Booklet, dass Puts syrische Flüchtlinge im Sinn hatte, als er sich ans Komponieren machte, aber es spricht so viel warme Intensität daraus, dass ich mir jeden Flüchtling dabei vorstellen kann. Im Eröffnungsteil (die Tonart C-Dur scheint symbolisch für die Heimkehr oder für das Zuhausesein zu stehen) gibt es - bewusst konzipiert oder nicht - unverkennbare Reminiszenzen an jene so bekannte Melodie aus Schindler's List. Der in Mikrotönalität gehüllte Schlussteil verläuft wie ein echter Wirbelwind, harmonisch und rhythmisch kräftig gewürzt, und tatsächlich, wie vom Komponisten gekennzeichnet: 'dangerously fast'. Dass trotzdem keine Noten von den Pulten fallen, mag ein Wunder geheißen werden.

Caroline Shaw, die jüngste Pulitzer-Preisträgerin überhaupt, ist auch in unserem Land keine Unbekannte, obwohl die Aufführung ihrer Partita for 8 Voices (mit der sie diesen Preis gewann) ziemlich weit zurückreicht: zum Holland Festival von 2019. Microfictions – hier hören wir die sechs Teile aus dem ersten Set – hat als Inspirationsquelle sowohl die surrealistischen Gemälde von Joan Miró (das Quartett ist nach ihm benannt) als auch die interaktive Science-Fiction des Schriftstellers und Journalisten T.R. Darling (Sie finden es hier auf X, ehemals Twitter).

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Caroline Shaw in ihrer Erläuterung während der Weltpremiere von Microfictions Vol. I (Foto: Arts Laureate)

Es war das Miró Quartet, das die Weltpremiere zeichnete, am 14. November 2021 in Shriver Hall, Washington DC. Shaw war anwesend und gab eine ausführliche Erklärung des Werkes (alle sechs Teile wurden behandelt), wobei sie auch erwähnte, dass das 'naturalistische' Stück in Zusammenarbeit mit den Quartetmitgliedern entstanden war. Es war mitten in der Coronazeit und den damit verbundenen Lockdowns, aber 'Telekonferenz' war eine Lösung.

Over the Rainbow von Harold Arlen in einer Bearbeitung für Streichquartett von William Ryden bildet den allerreizendsten Abschluss dieses fesselnden Programms. Das Stück hat etwas 'Häusliches' und darüber hinaus: Wir kennen es alle.

Das Miró arbeitete auch mit Kevin Puts zusammen, was diesem Album eine gewisse Autorität verleiht. Schade ist nur, dass es beim bereits erwähnten zweiten Teil, Molto Adagio, aus Walkers Streichquartett geblieben ist: Es hätte genug Platz für das komplette Werk gegeben. Aber das Glas ist bei diesem besonders schönen Album mehr als halb voll, das muss man zugeben.

Tags cd
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