Così fan tutte in der Opéra Royal de Wallonie
Selbstbewusst und etwas verschmitzt steht Don Alfonso vor dem Vorhang während der Ouvertüre auf der Bühne. Er ist derjenige, der die Fäden der Intrige in den Händen hält, er lotst die beiden Paare durch Überraschung, Betrug und Verführung und wird sich damit amüsieren….Così fan tutte ist eine der drei meisterhaften Da Ponte-Opern, die Mozart komponierte. Die Oper lässt sich wie folgt zusammenfassen:
Don Alfonso fordert die Männer Ferrando und Guglielmo heraus, ihre Verlobten auf ihre Treue zu testen. Die beiden gehen selbstbewusst darauf ein, müssen aber am Ende der Prüfung feststellen, dass die Frauen, Fiordiligi und Dorabella, sich tatsächlich von einem anderen verführen lassen - und noch dazu von ihren jeweiligen Verlobten! Aber Regisseur Vincent Dujardin deutet sofort an, dass die Täuschung, der die beiden Paare ausgesetzt sein werden, ein inszeniertes Spiel ist. Der zynische Scherz wird also am Ende enthüllt und die ursprünglichen Beziehungen wiederhergestellt.
Konzentration ist in dieser Oper ein Schlüsselwort auf allen Ebenen. Mozart komponierte seine Oper für nur sechs Personen, die Handlung spielt sich in 24 Stunden ab, die Szene beschränkt sich auf das Kolorit von Neapel. Die Regie macht daraus eine Stärke. Das einheitliche Bühnenbild wechselt geschickt, indem es auf der unteren Spielebene die Entwicklung der Geschichte und oben die Szenen nutzt, in denen sich die beiden Frauen fragen, was mit ihnen geschieht. Ein romantischer Hintergrund mit Bootsidyll evoziert die Neapolitanische Bucht. Die Zimmerwände unten, mit schönen Wandmalereien, lassen sich geschickt drehen, um Personen verschwinden oder erscheinen zu lassen. Das Zimmer der Frauen hat einen Hauch bürgerlichen Charmes. Auch die Kostüme aus den sechziger Jahren sind besonders gepflegt und originell. Die jungen Männer treten als Verführer prahlerisch auf.
Die Personenregie gibt den Sängern die Gelegenheit, sich ganz in die Pseudo-Naivität und in die Illusion hineinzuversetzen. Schritt für Schritt lassen sich Fiordiligi und Dorabella in das täuschende Liebespiel hineinziehen. Ferrando und Guglielmo spielen überzeugend die Militärs und die „Albaner", die sich äußerst bemühen, die Damen für sich zu gewinnen, bis hin zur Heirat. Die Inszenierung legt dabei immer wieder besonderem Wert auf das Amüsante, behält aber die Spannung, ohne scharf oder bitter zu werden. Auch Despina spielt ihre Rolle als die listige Handlangerin von Don Alfonso besonders überzeugend.
Es war sehr spannend, die junge Dirigentin Sieva Borzak kennenzulernen, die 2025 den ersten Preis beim Concours International de Direction d'Orchestre d'Opéra der ORW gewann. Mit sicherer Hand führte sie Chor und Orchester durch die vielen Nuancen von Mozarts Partitur, mit eleganten Passagen der Schlagzeuggruppe (Pauken!) und Bläser (Oboe, Fagott). Auch den Sängern bot sie klare gute Orientierung. Eine wunderbare Leistung für ein in all seiner Konzentration anspruchsvolles Werk.
Francesca Dotto verkörpert die außerordentlich schwierige Partie der Fiordiligi mit ergreifender Emotionalität. Ihre Stimme erreicht die anspruchsvollen hohen Noten und ihre Bravour-Arie Come scoglio ist definitiv ein Höhepunkt. José Maria Lo Monaco erscheint wie ihr verspieltes Ich als die frivole und herausfordernde Dorabella, besonders in einer Arie wie E amore un ladroncello. Zusammen harmonieren die Stimmen der beiden Schwestern herrlich in Duetten wie Prenderò quel brunettino. Diese Harmonie der Stimmen gilt übrigens für alle Ensembles in der Aufführung. Auch die männlichen Charaktere sind perfekt besetzt: der sanfte aber dennoch treffsichere Maxim Mironov als Ferrando, der flambyante Vittorio Prato als Guglielmo. José Maria Lo Monaco genießt deutlich die scharfsinnige Gerissenheit, die sie in den verschiedenen Rollen der Despina zur Schau stellen kann! Marco Filippo Romano als Don Alfonso spielt herrlich seine Autorität als Anstifter der „Farce".
Schrieb Mozart mit seinem dramma giocoso Così fan Tutte eine leichte Oper über einen ironischen Scherz mit Partnertausch oder eine tragische über Abschied und Verlassenheit? Diese Frage bleibt der Reiz dieses Werkes und genau wie Don Alfonso hat sich das Publikum damit amüsiert.
[embed]https://www.youtube.com/watch?v=_-kaDfAaBbI[/embed]