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Interviews

Joseph Moog über Paganini, junges Talent und die Magie von Young Euro Classic

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Joseph Moog über Paganini, junges Talent und die Magie von Young Euro Classic
© Thommy Mardo

Pianist Joseph Moog trat am Sonntag, den 2. August auf mit dem Orchestre National des Jeunes du Luxembourg, einem Orchester, das erst seit fünf Jahren besteht, beim Sommerfestival Young Euro Classic in Berlin. Für Klassiek Centraal blickte er nach dem Konzert mit Werner De Smet auf diese Zusammenarbeit zurück, auf Rachmaninovs Rapsodie auf ein Thema von Paganini und auf die Qualitäten und Herausforderungen einer neuen Generation junger Musiker.

Energie, die manchmal ein wenig gebremst werden muss

Die Zusammenarbeit mit einem jungen Orchester unterscheidet sich nach Moog deutlich von der Zusammenarbeit mit einem etablierten Ensemble. „Junge Orchester haben eine unglaubliche Dynamik, viel Energie und sind so motiviert, dass man sie manchmal sogar ein wenig bremsen muss", erzählt er. „In den ersten Proben haben wir das sofort bemerkt. Sie spielen rasend schnell und können unglaublich laut spielen – es steckt einfach so viel Kraft darin, so viel Power."

Genau deshalb war die Detailarbeit mit Dirigent Pit Brosius so wichtig. Das Orchester verfügte über bemerkenswert viel Probenzeit mit dem Pianisten: zwei Arbeitsproben von jeweils zwei bis drei Stunden pro Stück, gefolgt von einer Generalprobe. „Das war schon fast luxuriös", sagt Moog. Seine langjährige Erfahrung mit dem Werk und mit den Partituren konnte er dabei direkt einsetzen. „Du weißt, an welcher Stelle du zusammen mit der Tuba spielst, während diese weit weg steht, oder wo das Orchester sich intern schwer hört. Diese Erfahrung kannst du direkt weitergeben."

Was ihm besonders aufgefallen ist, war die Haltung der jungen Musiker: „Sehr positiv, besonders motiviert und auch sehr konzentriert." Sie arbeiteten nach seiner Aussage besonders diszipliniert und übernahmen Anweisungen schnell. „Jede Nuance. Manchmal wurde sogar ein bisschen übertrieben, wenn man etwas angab", fügt er lachend hinzu.

Paganini, der Teufel und der Tanz

Rachmaninovs Rapsodie auf ein Thema von Paganini hat Moog bereits unter verschiedenen Umständen gespielt. Er arbeitete unter anderem mit dem Ballett der Opéra Garnier in Paris zusammen, in der Choreografie von Frederick Ashton, die von Rachmaninov selbst noch genehmigt wurde. Diese Erfahrung hat seine Sicht auf das Werk stark beeinflusst: „Für mich hat es seitdem sehr stark mit Tanz zu tun. Es ist einfach Tanz. Es ist natürlich Paganini, es ist natürlich der Teufel."

Moog betont, dass er damit keine konkrete Geschichte wie in einem Film meint. Dennoch sieht er in der Musik eine starke Darstellung eines von dem Teufel geküssten Talents: jemand, der eine dunkle, fast übernatürliche Gabe erhält und diese dann immer weiter entwickelt. „Es baut sich auf, es kocht fast über", bemerkt er. Die Virtuosität von Paganini wird bei Rachmaninov so nicht nur zu einer technischen Herausforderung, sondern erhält auch etwas Dämonisches und Unwiderstehliches.

Dabei sieht Moog eine auffällige Verbindung mit einem anderen Werk von Rachmaninov. Das Dies-irae-Motiv, das in der Rapsodie auftaucht, verwendete der Komponist später auch prominent in seinen Symphonischen Tänzen. „Er war verliebt in dieses Motiv", sagt Moog. Es passt nach seiner Ansicht überraschend gut zur Caprice von Paganini: „Alle Emotionen stecken darin, aber es ist teuflisch. Es schraubt sich auf. Es ist fast übernatürlich."

Hervorragende Instrumentalisten

Hat eine neue Generation junger Musiker auch eine andere Art des Musizierens entwickelt? Moog antwortet vorsichtig. Er will nicht behaupten, dass die eine Generation besser ist als die andere, bemerkt aber bestimmte Verschiebungen. Das Niveau der einzelnen Musiker ist nach seiner Aussage besonders hoch – ein Eindruck, den er auch in Gesprächen mit Dirigenten wiederfindet: „Die jungen Musiker sind instrumentalechnisch unglaublich gut, was ihre eigenen instrumentalen Fähigkeiten angeht." Gleichzeitig fragt er sich, ob eine andere Entwicklung nicht etwas schwächer geworden ist: das breite Wissen um das Repertoire, auch des Standardrepertoires. Junge Musiker sind nach seiner Aussage oft sehr spezialisiert und technisch besonders gut in ihrem eigenen Bereich. Die Herausforderung besteht dann darin, diese individuellen Qualitäten mit denen der anderen Musiker zu verbinden: „Die Musiker sind ein wenig mehr auf sich selbst konzentriert und es fällt ihnen schwerer, das mit den anderen zusammen zu bringen."

Damit spricht Moog eine wesentliche Frage des Musizierens in Ensembleform an. Ein Orchester besteht nämlich nicht aus einer Sammlung einzelner Solisten. Es geht darum, dass jeder Musiker seine eigene Stimme beherrschen und gleichzeitig ständig auf das Ganze hören kann. Moog beschreibt das bildlich: „Ich bin ein Teil des Orchesters, ein Teil des Schwarms in dieser Konstellation und wir müssen diese Bewegung zusammen machen." Dieses Gefühl für das Ganze, sagt er, ist vielleicht nicht in demselben Maße weiterentwickelt worden als vor zehn oder fünfzehn Jahren – auch wenn die instrumentale Qualität einzelner junger Musiker unbestreitbar stark gestiegen ist.

Young Euro Classic als Blick in die Zukunft

Was Young Euro Classic für Moog letztendlich besonders macht, ist das Konzept selbst. Jugendorchester gibt es mittlerweile in fast jedem Land. Luxemburg hat nun auch eines, und darüber hinaus gibt es das European Union Youth Orchestra als eine Art Höhepunkt aller dieser nationalen Ensembles. Moog vergleicht es mit einer Champions League oder einem Europameisterschaft: Die besten jungen Musiker aus verschiedenen Ländern kommen dort zusammen. Auch in den USA gibt es nach seiner Aussage ein ähnliches System mit Jugendorchestern auf der Ebene der einzelnen Bundesstaaten.

Dieses Konzept passt nach Moog ausgezeichnet zur Sommerzeit. „Es kommt so viel Energie aus diesen Arbeitsphasen der Orchester." Für jemanden, der in Berlin lebt, ist es zudem besonders, aus einer Reihe verschiedener Ensembles und Programme wählen zu können. Jedes Orchester bringt sein eigenes Programm, seine Traditionen und seinen musikalischen Hintergrund mit. Dadurch wird Young Euro Classic nicht nur zu einem Festival junger Musiker, sondern auch zu einem Treffpunkt verschiedener musikalischer Kulturen.

Und für Moog gibt es noch eine andere Dimension: die Zukunft. Viele der jungen Musiker, die heute auf diesen Bühnen spielen, werden später ihren Platz in großen professionellen Orchestern finden. Er kennt diesen Prozess aus eigener Erfahrung mit Jugendorchestern. Wer heute Young Euro Classic hört, macht möglicherweise jetzt schon Bekanntschaft mit den Orchestermusikern von morgen – ein Gedanke, der das Festival für Moog eine zusätzliche Dimension gibt.

Was hängen bleibt

Was erhofft sich Moog, dass das Publikum nach einem solchen Konzert mit nach Hause nimmt? „Vor allem, dass die Menschen sehen, wie lebendig klassische Musik ist, wie viele junge, talentierte Menschen sich dafür einsetzen – beruflich oder einfach mit sehr viel Liebe und Leidenschaft." Aber für ihn geht es um mehr als nur die Zukunft der klassischen Musik. Musik hat nach Moog auch eine verbindende Kraft: über Kulturen und Generationen hinweg: „Das ist, was Musik kann: Emotionen freisetzten, Gespräche führen ohne Worte."

Und genau darin liegt nach seiner Aussage vielleicht die besondere Kraft von Jugendorchestern. Die jungen Musiker stehen nicht nur am Anfang ihrer professionellen Karriere; sie bringen auch eine enorme Energie, Neugier und Engagement auf die Bühne: „Das kannst du mit Jugendorchestern besonders intensiv erleben."

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