Frank Van Laecke, Sam Verhoeven und Allard Blom arbeiten bereits lange zusammen: ein goldenes Triumvirat. Van Laecke sorgte für das Skript, Blom für die Liedtexte, Verhoeven für die Musik. Fügen Sie dazu noch die atmosphärische und funkelnde Regie/Choreografie von Martin Michel hinzu und Sie erhalten ein Juwel. Diese Produktion hatte 2013 ihre Premiere mit Leki in der Hauptrolle. Nun wurde die Hauptrolle Sandrine anvertraut.
Neue Version
Das ursprüngliche Skript wurde erneut zur Hand genommen, komplett überarbeitet und vertieft. Alle verschiedenen Facetten des reich gefüllten Lebens von Josephine Baker werden behandelt. Josephine B. erzählt die Geschichte der weltweit berühmtesten Revuetänzerin.
Josephine Baker.
Mit dieser Produktion erweisen diese vier Herren dem Vermächtnis von Josephine Baker alle Ehre. Eine Frau, umgeben von einer Aura und einem Geheimnis. Sie war mehr als ein Statement. Was sie auf gesellschaftlicher Ebene getan hat, nämlich gegen Rassendiskriminierung, in einer Zeit, in der dies fest verankert war, ist phänomenal zu nennen. Auch ihr Mut und ihre Kühnheit. Zu Lebzeiten erhielt sie die höchsten französischen Auszeichnungen. Eine Aufführung, die wie eine Revue geschrieben ist, die auch das Tempo einer Revue hat, auch das äußere Erscheinungsbild einer Revue hat, mit im Kern dieser Revue der Geschichte einer außergewöhnlichen Frau. Sie lebte neun Leben statt eines: Tänzerin, Sängerin, Schauspielerin, Widerstandskämpferin, Aktivistin, Star, Mutter, Weltverbesserin… und Frau. Ein einzigartiger Lebensweg, der einfach danach verlangt, eine ergreifende und ermutigende Geschichte darum zu weben. Das ist nicht zu 100, sondern zu vollen 200 % gelungen!
Ausgangspunkt
Im vergangenen Jahr ehrte der französische Präsident Macron Josephine Baker mit der höchsten Auszeichnung. 46 Jahre nach ihrem Tod wurde sie im Panthéon in Paris zwischen anderen Helden und Größen der französischen Geschichte bestattet. Regisseur Martin Michel fragte sich: Wie würde Josephine B. darauf reagieren? Josephine betritt die Bühne und bleibt dabei ziemlich nüchtern. Die Revue entfaltet sich wie eine Montage, ein langer Rückblick, der über die wichtigsten Momente ihres Lebens reflektiert. Sie war kein Spielzeug, manipuliert von Männern, die die Fäden, das Geld und die Macht in Händen hielten. Eher umgekehrt.
Von Unterdrückung zu Freiheit
Sie begann ihre Karriere bei einer Tanzgruppe in Philadelphia. Einige Jahre später zog sie nach New York, wo sie eine Rolle in der Show Chocolate Dandies erhielt, in der hauptsächlich Menschen von Farbe lächerlich gemacht wurden. Während einer Show wurde sie von einer Gruppe schwarzer Künstler entdeckt. Sie traten auch in Paris mit „La revue Negre" auf. Hier beginnt die Reihe einer unglaublichen Lebensgeschichte. Sandrine trägt die Rolle mit natürlicher Flüssigkeit, stilvoller und verfeinert zu sich heran. Was für eine Bühnenpräsenz und was für eine goldene Stimme: Weltklasse! Sie schafft ein Energiefeld um sich herum und verursacht Wellen in alle Richtungen. Wir sehen einen Auftritt im berühmten Theater Folies Bergère 1926. Dort tanzte Josephine in einem Bananenkostüm „La danse sauvage". Sie brachte die Sache mit ihren nackten Brüsten und dem pikanten Bananenkostüm um ihre schwingenden Hüften zum Beben. Regisseur Martin Michel bringt diese Szene suggestiv und respektvoll in Szene. Dieser Auftritt versetzte Josephine in einen Starnstatus. Das Publikum nannte sie „die schwarze Perle". Bakers Lied durfte nicht fehlen „J'ai deus amours: mon pays et Paris". Frankreich schließt Josephine in die Arme, es wird später ihr zweites Vaterland. Neben Sandrine stehen acht singende und tanzende Männer auf der Bühne, die in würzigen und burlesken Choreografien Sandrine glänzen lassen: wie die Federnnummer – würdig von Folies Bergère und Moulin Rouge – und eine Parodie der deutschen Invasion. Aus dieser Gruppe destillieren sich auch die Ehemänner, der Widerstandskämpfer und Martin Luther King.
Eine unerschrockene Dame mit Potential. Ihr Idealbild der Welt bricht ihr allerdings das Genick. Mit Geld umzugehen ist auch nicht ihre Stärke. Gerichtsvollzieher legen Beschlag auf ihre Villa. Ihre gute Freundin, Prinzessin Grace Kelly, hilft ihr aus der Not. Sie tritt auch wieder auf. Ihre Karriere umspannt 50 Jahre. Die Macher gingen von der Idee aus: Einem Revuegirl gibst du kein eigenes Musical. Einem Revuegirl gibst du eine eigene Revue. Josephine B. ist eine wirbelnde, ergreifende, überraschende Revue über ihr turbulentes Leben.
Superlative reichen nicht für diese Produktion aus. Sandrine hat alles: die Ausstrahlung, Disziplin, ist super talentiert und hat eine wahnsinns gute Stimme. Wenn sie "Paris Paname" singt, vibriert ihre Stimme durch deinen ganzen Körper. Sie stellt die halluzinierende Lebensgeschichte von Josephine B. auf eine ergreifende und erhabene Weise dar – in einer herzerwärmenden Interpretation. Aber alles an dieser Aufführung passt wie ein präzises Räderwerk zusammen. Die Ausstattung ist durchdacht: einige verschiebbare Wände, eine modulare Treppe und einige Stühle. Mit nur minimalen Eingriffen werden jedes Mal andere Situationen geschaffen. Das Orchester sitzt in den Kulissen. Durch das Verschieben der Paneele kommen die Instrumentalisten wechselweise ins Bild. Die Kostüme und Frisuren sind besonders schön. Mit einem kleinen Handgriff verwandeln sie sich in etwas ganz anderes. Sie vermitteln auch ein schönes Bild der Goldenen Zwanziger. Die Choreografien sind abwechslungsreich und flott. Ein Ensemble und ein Orchester zum Lieben. Eine Aufführung, an der mit Liebe, Power und Erfindungsreichtum hart gearbeitet wurde. Überwältigend… Eine Revue, die du nicht verpassen darfst! Es folgen noch eine ganze Reihe von Aufführungen im Fakkeltheater, danach folgt eine Tournee durch verschiedene CC. Diese Produktion gehört auf internationale Bühnen.
Das Publikum sprang nach der Aufführung wie ein Taschenmesser für eine minutenlange Standing Ovation auf. Ergriffenheit überall: auf der Bühne und beim Publikum.
Es ist verdammt schade, dass Judas Theaterproducties bei der Subventionierungsrunde leer ausging. Nun ja, ihr Herren und Damen, die darüber entschieden. Schaut euch diese Aufführung an, dann werdet ihr sicher erröten und mit schlechtem Gewissen nach Hause gehen.
WER: Judas Theaterproducties
WAS: Josephine B. - ein Leben in Revue
WO: Rode Zaal Fakkel theater
WANN: 6. Oktober 2022