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Klassik bei den Genter Festen, 17.-26. Juli 2026. Teil 1. Instrumental.

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Klassik bei den Genter Festen, 17.-26. Juli 2026. Teil 1. Instrumental.
© Frankie Declerck, Willem Erauw, Gentse Feesten

Die Gentser Festspiele werden manchmal mit Ausgehen, Trinken und jungen Leuten assoziiert, die auf dem Vlasmarkt morgens den Sonnenaufgang sehen. Aber es gibt natürlich viel mehr. Die Gentser Festspiele sind das größte Kulturfestival Europas mit vielen kostenlosen Auftritten. Die Gentser Festspiele sind nicht nur für Jugendliche da, es gibt auch ein älteres Publikum, das immer älter und größer wird. Dieses Publikum geht gerne zu klassischen Konzerten, wie ich bei der massiven Besucherzahl in der Sint-Michiels oder der Sint-Jacobskerk bemerke.

Wunder

Mein Bericht über zehn klassische Konzerte bei den Gentser Festspielen beginnt gleich mit einem Wunder. Akari Bastiaens spielt wie eine vollendete Pianistin. Der Sprecher stellt sie als dreizehnjährig vor. Er meint „erst dreizehn". Aber eigentlich sollte man sagen „bereits dreizehn", denn Akari Bastiaens hat bereits einen langen Weg hinter sich, seit sie mit noch nicht vier Jahren mit Klavier begann. Auch letztes Jahr stand sie hier in der Sint-Jacobskerk und war sogar in den VTM-Nachrichten zu sehen. Ein Wunderkind.

Sie spielt Chopin, Schumann, Liszt mit einer Leichtigkeit und einer Anmut, als würde es aus ihren Händen fließen. Ihr Ziel: den Elisabeth-Wettbewerb gewinnen. Warum nicht. Sie spielt jetzt schon wie eine reife Musikerin. Zudem wird sie gut von ihren Eltern unterstützt, auch Musiker, ihr niederländischer Vater und japanische Mutter. „Dreizehnjährige Mädchen", sang Paul Van Vliet einmal, „wissen überhaupt nicht, was sie sollen". Akari Bastiaens ist eine Ausnahme von der Regel. Der einzige Nachteil dieses Rezitals hat nichts mit Akari zu tun, sondern mit der Akustik in der Kirche. Hinten verschwimmen die Noten völlig ineinander.

Klarifest

Letztes Jahr waren es Saxophone, dieses Jahr ist es das Fest der Klarinette auf dem Sint-Baafsplein. Klarifest! Auf der großen Bühne sitzt ein Ensemble nur mit Klarinetten. Ihnen gegenüber auf einer Konstruktion an der Seite der Tuchhalle sitzen noch etwa zehn Klarinettisten. Aber das ist nicht alles. Wenn man sich umschaut, sehe ich immer mehr davon, auf allen Terrassen und Balkonen rund um den Platz sitzen sie. Sechshundert Klarinetten!

Es werden bekannte Klarinettenmelodien gespielt, wie Rhapsody in Blue oder Peter und der Wolf. Es gibt eine Ode an bekannte flämische Klarinettisten wie Walter Boeykens oder Freddy Arteel. Klassiker, das sind auch Gentser Klassiker: Het Vliegerke von Walter De Buck und natürlich die Gentser Hymne Klokke Roeland. Jeder singt mit. Was für ein Fest, was für ein herrliches Instrument!

Shapovalov

Wie letztes Jahr gibt es in den Räumen des Pianogeschäfts Quatre Mains jeden Tag ein Rezital, organisiert vom Verein Shapovalov. Der Verein wurde letztes Jahr von vier engagierten jungen Musikern gegründet, als Fortsetzung der Shapovalov Sessions in der Foyer der ehemaligen Konzerthalle De Rode Pomp in Gent. Die Brüder Taha und Yassine Posman (Klavier und Klarinette), Jacob Van Durme (Cello) und Renaat De Keyser (Klavier) sind die treibende Kraft hinter dem Verein. Sie sind der Kern, der erweitert werden kann. So gab es bereits Sinfoniekonzerte mit dem Shapovalov-Orchester.

Der kleine Saal von Quatre Mains eignet sich hervorragend für intime Kammermusikkonzerte. Kostenlos, aber „kommt pünktlich, denn voll ist voll", steht in der Ankündigung. Das Publikum sitzt dicht beieinander, die erste Reihe sitzt mit Blick auf Hände, Finger und Saiten. Pianist Steven Kleeven, Violist Quintijn Van Heek und Jacob Van Durme bilden zusammen das Duo Dea. Sie kennen sich schon Jahre, aber bilden erst seit letztem Jahr ein Klaviertrio und gewannen Anfang dieses Jahres den Publikumspreis beim Supernova-Wettbewerb für junges Talent. Hier spielen sie das erste Klaviertrio von Brahms und das zweite von Rachmaninov. Voller Überzeugung und romantischem Glanz.

Am nächsten Tag hat Pianist Taha Posman den französischen Cellisten Noé Drdak eingeladen. Drdak hat bereits viele Preise gewonnen und studiert weiter an der Haute Ecole de Musique in Lausanne. Die zweite Sonate für Cello und Klavier von George Enescu ist ein ausführliches, improvisiertes Werk, das nicht oft gespielt wird. Als Kontrast folgt danach eine Cellossonate von Dmitri Schostakovitch. Beeindruckend interpretiert. Wunderbare Organisation. Hut ab vor Shapovalov!

Mundharmonika

Am siebten Tag bin ich zurück in der Sint-Jacobskerk für ein besonderes Konzert von Duo Gaitar. Das sind Rutger Mathys an der Mundharmonika und Marijn van der Linden, Gitarren. Ein Instrument wie die Mundharmonika klingt vielleicht banaler als eine Violine oder ein Klavier, aber denk nur an unseren belgischen Stolz Toots Thielemans. Diesen Klang von Toots habe ich die ganze Zeit im Kopf, ein oft melancholischer, dann wieder stechender Klang, der die ganze Kirche erfasst. Sie spielen sowohl eigene Kompositionen als auch jazzig arrangierte klassische Stücke, z. B. Clair de lune von Debussy.

Im Gegensatz zu Akari Bastiaens' Klavierrezital eignet sich die Mundharmonika perfekt für diese Kirche. Meisterhaft und vor allem ergreifend. Rutger packt dich mit seiner einfachen Mundharmonika beim Kragen.

Im zweiten Teil gehen wir nach Brasilien. Rutger war schon mehrmals in Brasilien, trat dort auf und hat dort sein Herz offensichtlich verloren. Langsame, traurige Stücke (Saudade) abgewechselt mit Bossa-Nova- und Samba-Rhythmen. Es kommen einige Freunde aus Brasilien auf die Bühne. Am Ende bekommen wir ein großes brasilianisches Fest.

Orgel

Die Sint-Niklaaskerk in Gent ist in Orgelkreisen bekannt für die große romantische Cavallé-Coll-Orgel, die seit vielen Jahren restauriert wird. Organist Samuel Schalckens sitzt hoch über dem Publikum an der anderen Orgel, einer Flentrop-Orgel aus dem Jahr 1973. Im Programm sind alle Teile der Orgel sogar ausführlich beschrieben, wie in einer Bedienungsanleitung eines Autos.

Schalckens spielt Barock-Orgelmusik von Vincent Lübeck, Pedro de Araujo und natürlich von Bach. Ein kurzes Konzert, denn zuvor hat bereits ein anderer Organist sechs Barokwerke auf dieser wunderschönen Flentrop-Orgel gespielt.

Es gibt noch mehr Orgel, aber dann im zweiten Teil von Klassik bei den Gentser Festspielen…

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