Mathias Coppens: ein Porträt
Mit der Ernennung von Mathias Coppens (°1988) zum neuen Allgemeinen und Künstlerischen Direktor des Festival van Vlaanderen Mechelen/Kempen wählt das Festival bewusst eine Persönlichkeit, die Kreativität, Innovation und künstlerische Vision verkörpert. Die musikalische Karriere von Coppens — sowohl als Komponist, Ausführender und Kulturunternehmer — zeugt von einer breit gefächerten Perspektive auf die Bühnenkunste und von einer starken Verankerung in der zeitgenössischen Musikpraxis.
Komponist von Kontrasten und Cross-Overs
Mathias Coppens ist in erster Linie ein belgischer Komponist und Pianist, aktiv in einem breiten Spektrum von Genres, von zeitgenössischer Klassik bis Musiktheater und multidisziplinären Projekten. Seine Werke balancieren oft zwischen experimenteller Klangsprache und emotionaler Zugänglichkeit, zwischen Avantgarde und Intimität. Er schreibt Musik, die das Publikum herausfordert, aber gleichzeitig anspricht und berührt.
Coppens' Kompositionen wurden von führenden Ensembles aufgeführt wie:
- Brussels Philharmonic
- Symfonieorkest Vlaanderen
- Asko|Schönberg (Nederland)
- I SOLISTI
- BL!NDMAN
Seine Musik erklingt nicht nur in Konzertsälen, sondern auch auf der Tanzfläche internationaler Ensemble wie:
- Birmingham Royal Ballet
- English National Ballet
Diese breite Einsetzbarkeit zeigt sein Talent, Klang mit Bewegung, Raum und Fantasie zu verbinden.
Musiktheater und technologische Innovation
Ein starkes Beispiel für seinen interdisziplinären Ansatz ist Faust, ein Musiktheater-Projekt, das er in Zusammenarbeit mit Arsenaal/Lazarus, DE MAAN und deCompagnie realisierte. Das Projekt kombiniert Text, Musik und Bild in einer zeitgenössischen Neuinterpretation von Goethes Klassiker und wurde während einer Tournee durch Flandern positiv aufgenommen.
Ein weiteres innovatives Werk ist Minerals, eine interaktive Aufführung für BRYGGEN Bruges Strings und deSingel, in der Technologie und Klang in einen Dialog mit dem Publikum treten. Als Komponist denkt Coppens nicht nur an Partituren, sondern auch an die Erfahrung von Musik in Raum und Zeit.
Künstlerische Vision: Komponist als Brückenbauer
Mathias Coppens ist kein Komponist, der sich in den elfenbeinernen Turm der Partitur zurückzieht. Ganz im Gegenteil: Er sieht seine Rolle ausdrücklich als Brückenbauer zwischen Gemeinschaften, Disziplinen und Generationen. Diese Vision setzt er schon seit Jahren als Mitgründer und Co-Künstlerischer Leiter von deCompagnie in die Praxis um — ein Kollektiv, das bahnbrechende Produktionen an der Schnittstelle von Musik, Theater und Technologie bringt.
Darüber hinaus unterrichtet er Komposition am Königlichen Konservatorium von Antwerpen, wo er junge Künstler in ihrer Suche nach einer eigenen künstlerischen Sprache anleitet.
Vom Künstler zum Programmgestalter
Der Wechsel vom Komponisten und Ausführenden zum Festivaldirektor ist in gewisser Weise logisch, angesichts seiner breiten Perspektive auf das Musikfeld. Coppens möchte — wie er selbst sagt — aus seiner Perspektive als Komponist "den Dialog mit jedem führen, der diese Geschichte möglich macht", was auf einen offenen und partizipativen Ansatz künstlerischer Führung hindeutet.
Er erhält den Auftrag, die Arbeit seines Vorgängers Jelle Dierickx — der seit 2011 das Festival leitete und es zu einer führenden Kulturplattform in Mechelen und der Kempen ausbaute — fortzusetzen und zu erneuern. Dabei möchte er unter anderem einsetzen auf:
- lokale Verankerung
- Chancen für junges Talent
- interdisziplinäres Arbeiten
- gesellschaftliche Relevanz
Eine vielversprechende Zukunft
Nach Aussage von Vorsitzender Marc De Geyter ist Coppens "in der Lage, die DNA des Festival van Vlaanderen Mechelen/Kempen weiter zu gestalten": bedeutungsvoll, qualitativ hochwertig und vielschichtig. Es ist klar, dass der Vorstand an seine künstlerische Integrität, Organisationsfähigkeit und inspirierende Führung glaubt.
Mit seiner Ernennung wählt das Festival Verjüngung und Vertiefung, einen künstlerischen Leiter, der die Welt der Komponisten, Ausführenden und Programmgestalter in einer Person vereint. Damit schließt sich die Organisation einem breiteren Trend in der Kulturlandschaft an, in dem Künstler zunehmend auch die Kontrolle über den Kontext übernehmen, in dem ihre Werke präsentiert werden.
Fazit
Mathias Coppens ist ein Komponist des 21. Jahrhunderts: neugierig, verbindend, multidisziplinär. Seine Ernennung zum künstlerischen und allgemeinen Direktor des Festival van Vlaanderen Mechelen/Kempen bedeutet nicht nur eine neue Phase für das Festival selbst, sondern auch eine kräftige Bestätigung der Bedeutung künstlerischer Inhalte in der Kulturführung.
Er tritt am 1. September 2025 sein Amt an und wird damit der erste Komponist in Belgien, der an der Spitze eines großen klassischen Musikfestivals steht. Das ist schon an sich historisch. Die Erwartungen sind hoch, aber sein bisheriger Werdegang deutet darauf hin, dass er diese erfüllen kann — mit Klang, Vision und Fantasie.