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Musik die vom Herzen kommt: The Knights und Martynas Levickis im Konzerthaus Berlin

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Musik die vom Herzen kommt: The Knights und Martynas Levickis im Konzerthaus Berlin
© Shervin Lainez, Stephan Zwickirsch

Das Konzert von The Knights und Martynas Levickis am 14. April im Konzerthaus in Berlin gehört zu den außergewöhnlichsten musikalischen Erfahrungen, die ich gemacht habe: ein Abend, der von Anfang bis Ende völlig „stimmig" war – kohärent, atmend und selbstverständlich in seiner Großartigkeit.

Was auf dem Papier ein vielseitiges Programm schien, entfaltete sich im Saal als eine durchgehende Bewegung, in der sich alles organisch entwickelte. Unter der Leitung von Eric Jacobsen flossen Stile, Farben und Tempi ineinander über zu einem natürlichen Strom.

Vom ersten Takt an fiel die außergewöhnliche Geschlossenheit des Ensembles auf und die Selbstverständlichkeit, mit der es sich durch unterschiedliche musikalische Welten bewegte. Das Spielvergnügen war eine konstante Unterströmung, die dem Abend seine Energie gab.

Verfeinerte Eröffnung und eine Welt in Bewegung

Die Eröffnung mit Entr'acte von Caroline Shaw (°1982) schuf sofort eine Klangwelt, in der Bewegung und Stille fortwährend ineinander übergingen. Bemerkenswert war die Feinheit, mit der Detail und Linie zusammenflossen: das Streichorchester entfaltete sich mit einem natürlichen Atem, in dem reiche Texturen, Pizzicato und lyrische Linien sich zu einem organischen Ganzen verbanden, das sich ständig entwickelte, ohne seine Richtung zu verlieren.

Der Schlusmoment, in dem sich die Cellistin vom Ensemble abwandte und die letzten Noten direkt zum Publikum richtete, gab der Stille eine besondere Intensität. Die sich anschließende kurze Ansprache des Dirigenten, in der er von der Darstellung „eines anderen Amerika" sprach, bekam in diesem Licht eine fast symbolische Bedeutung, als Reflexion auf ein Programm, in dem sich verschiedene musikalische Welten nicht einander gegenüberstellen, sondern sich in selbstverständlichem Dialog zueinander verhielten.

Energie, Freiheit und ein neues Klangdenken

Mit Rhapsody in Blue von George Gershwin (1898-1937) in Levickis' Bearbeitung verschob sich die Perspektive zu einer Klangwelt von Energie, Rhythmus und direktem, fast physischem Ausdruck, in der sich das Werk in neuem Licht entfaltete, ohne etwas von seinem ikonischen Charakter zu verlieren.

Was Levickis hier hören ließ, bestätigte ihn unverkennbar als ein außergewöhnliches Toptalent: ein Musiker, der sein Instrument nicht nur beherrscht, sondern es völlig neu durchdenkt als ausdrucksstarkes Medium. Das Akkordeon wurde hier nicht zum Ersatz für das Klavier, sondern zu einem selbstverständlichen und sogar offenbarenden Träger des Werkes – reicher in Farbe, direkter in Aussagekraft und bemerkenswert vielseitig in seinem Charakter, wodurch die verschiedenen Stimmungen der Partitur mit seltener Klarheit noch deutlicher hervortraten.

The Knights antwortete dem allen mit derselben Intensität des Hörens und Reagierens, wodurch eine seltene Form des Zusammenspiels entstand, in der Orchester und Solist sich als ein Körper, ein Atem und eine gemeinsame musikalische Absicht manifestierten.

Die erste Zugabe, eingeleitet von Levickis, brachte eine verfeinerte und verspielte Bearbeitung des dritten Satzes aus dem zweiten Klavierkonzert „Tirol" von Philip Glass (°1937), in der wiederum diese selbstverständliche Musikalität und organische Geschlossenheit zum Ausdruck kam.

Transparenz als poetischer Raum

Appalachian Spring von Aaron Copland (1900-1990) wurde ein Moment der reinen Ergriffenheit und Stille. Die Musik wuchs zu einer weitgespannten Landschaft von langen, atmenden Streicherlinien und feinzislierten Bläsern heran, die sich Schritt für Schritt zu einem Raum von Licht, Bewegung und innerer Klarheit entfaltete. Mit geschlossenen Augen entstand mühelos der Eindruck, einem vollwertigen Symphonieorchester zuzuhören: so reich war der Klang, so geschichtet die Textur und so überzeugend die Tragkraft jeder einzelnen Stimme im Ganzen.

The Knights erreichte hier eine seltene Form der kollektiven Einheit, in der Transparenz und Fülle nicht nebeneinander bestanden, sondern zu einer atmenden Klangwelt selbstverständlicher Schönheit und innerer Logik zusammenflossen – eine Aufführung, die sich mit großer Selbstverständlichkeit ins Gedächtnis einprägt, und von der man sich mühelos vorstellen kann, dass Copland selbst mit einem breiten Lächeln hätte miterleben wollen.

Intime Erzählung und Resonanz der Tradition

Das eigene Werk nach litauischen Volksliedern von Martynas Levickis (°1990) bildete den Höhepunkt des Abends, ein musikalischer Strom, der sich mit scheinbar unerschöpflichem melodischem Reichtum entfaltete, der den Hörer ständig voranbrachte: jede Phrase floss aus der vorherigen, wodurch eine Spannungskurve entstand, die keinen Moment nachließ und man buchstäblich auf der Stuhlkante saß.

Der melancholische Unterton, verwandt mit dem repetitiven Idiom von Philip Glass, bekam durch die organische Verflechtung litauischer Volkseinflüsse eine eigene Gestalt, wodurch ein reiches und geschichtetes Klanguniversum entstand.

Momente, in denen Bläser nur Luft durch ihr Instrument strömen ließen, gaben der Musik eine fast immaterielle Dimension, während sich das Akkordeon vom Flüstern zur vollen Resonanz entfaltete. The Knights folgte dem mit einer außergewöhnlichen Einheit der Absicht, wodurch Orchester und Solist zu einem Körper und einer Seele zusammenflossen.

Darauf folgten noch zwei Zugaben. Levickis trat zuerst allein nach vorne und ließ in einer tangoartigen Evokation die Zeit kurz innehalten, ein Moment der verhalteneren Intensität. Anschließend brachte The Knights eine warm durchlebte Bearbeitung des Volksliedes I'll Fly Away, in der die Vokalfarben innerhalb des Ensembles – subtil und ungezwungen – eine zusätzliche Schicht des Ausdrucks hinzufügten und den Abend auf natürliche Weise auskling ließen.

Ein Abend, der vollständig "fertig" war

Was diesen Abend mit The Knights und Martynas Levickis so außergewöhnlich machte, war die Selbstverständlichkeit, mit der alles zu einer durchgehenden musikalischen Erfahrung zusammenfiel, eine lebendige Totalität, in der jedes Detail seinen Platz fand. Unter der Leitung von Eric Jacobsen entfaltete sich ein musikalischer Atem, in dem alles zu einer Erfahrung seltener Intensität zusammenfloss.

Denn es muss von Herzen gehen,
Was auf Herzen wirken soll.
(Johann Wolfgang von Goethe, Faust II)

Hier klang Musik, die aus dem Herzen aufstieg und unmittelbar ihren Weg zum Herzen des Zuhörers fand – eine Erfahrung, die sich als etwas Außergewöhnliches festsetzt: vollständig, selbstverständlich und in jeder Faser der Erfahrung unverkennbar fertig.

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