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Peer Gynt von Edvard Grieg in eigensinniger Version von OBV

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Peer Gynt von Edvard Grieg in eigensinniger Version von OBV
© Daniel Gordon

Was für eine großartige Idee von Opera Ballet Vlaanderen, diese fesselnde Theatermusik in ihrer Gesamtheit zu programmieren. Populäre Passagen wie Morgendämmerung und das traurige Ases Tod schaffen es mühelos auf die Liste der gerne gehörten Melodien, doch das Stück in seiner Gesamtheit ist kaum bekannt.

Möglichst viele Menschen anzusprechen war sicherlich das Hauptmotiv gewesen, um das Drama von Henrik Ibsen mit einem „neuen Erzähltext" auszustatten. Diese Aufgabe wurde Tom Goossens anvertraut, inzwischen ein bekannter Mitarbeiter bei OBV. 2019 war ich besonders begeistert von seiner Bearbeitung von Verdis Macbeth zur Familienvorstellung Banket. Mit seiner Inszenierung von Mozarts Le Nozze di Figaro machte er deutlich, dass eine scheinbar harmlose Geschichte durchaus tiefere allgemein-menschliche Züge verbergen kann. Mit dieser märchenhaften Geschichte von Peer Gynt, einer Art „Bildungsroman", verfährt Goossens auf ähnliche Weise. Seine Inspiration ist zweifellos originell, nicht zuletzt um ein echtes Theatererlebnis mit einer einzigen Figur zu schaffen, die die Geschichte trägt. Diese Figur wird von Tania Van der Sanden gespielt, die als Peers Mutter dessen Lebensphasen zusammenreißt. Goossens trifft die ausgezeichnete Schauspielerin, um die ganze Aktion natürlich und spontan wirken zu lassen. Sie wandert, schreitet, geht hin und her um die Musiker herum, als würde sie alles gerade erleben. Es wirkt einfach selbstverständlich, manchmal fast naiv, was sie uns alles erzählt. Und daher sehr glaubwürdig. Sie passt Stimme und Akzent an die jeweils zu verkörpernde Passage an, manchmal im Dialekt oder mit verfremdeter Stimme wie in der Passage mit dem Knopfgießer (ein Kochlöffel!). Kurz gesagt eine fantastische Verkörperung. Es ist jedoch bedauerlich anzumerken, dass Tom Goossens sich manchmal zu sehr von der Sorge mitreißen lässt, die Geschichte beim großen Publikum anzukommen. Seine Relativierung der Tragik von Peer Gynt grenzt regelmäßig an die Lächerlichkeit (oder überschreitet sie) und dann wirkt das „Vergnügliche" simplifizierend und gleichzeitig unangemessen. Als Sprachkünstler verdient er jedoch Bewunderung für die Art und Weise, wie er den Text immer wieder reimt und der Märchenhaftigkeit einen surrealistischen Hauch verleiht. Doch die Suche „nach einer Seele", wie die oft bizarre vielseitige Lebensgeschichte von Peer Gynt in der Programmnotiz genannt wird, erhält manchmal den Charakter einer mehrdeutigen Suche.

Es gibt natürlich auch die Musik. Darüber nur Lob. Der junge Dirigent James Hendry zeigte eine enorme Dynamik und gelang es ihm, das Orchester vollständig in die abenteuerlichen aber auch in die emotionalen Momente von Peer Gynt mitzunehmen. Die Magie der Wälder, das Exotische der Abenteuer in Marokko und Ägypten, jede Szene erhält die richtige Atmosphäre im Orchester.

Die kleineren Vokalpartien von Anitra und Ingrid werden von ausgezeichneten Sängerinnen aus dem Chor verkörpert, das übrigens eine fantastische Leistung zeigt. In der Rolle der Solveig passt Lore Binon, als wäre die Partie für sie geschrieben. Zerbrechlich und sinnlich schlüpft sie in die Rolle der Solveig, verkörpert subtil deren Wehmut und Sehnsucht mit himmlischer Höhe und fehlerlosem Legato.

Trotz der Schwächen, definitiv eine besondere Aufführung, die vom Publikum der Koningin Elisabethzaal bejubelt wurde.

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