Wir kennen den Pianisten Peter Vanhove aus seinen inzwischen zahlreichen Aufnahmen, mit denen er uns die Klavierwerke unserer flämischen Komponisten entdecken und wiederzuentdecken lässt. Der Erfolg dieses begeisterten Einsatzes spiegelte sich immer in wichtiger Presseaufmerksamkeit und in den Verkaufszahlen international wider. Wir selbst zeichneten seine Mortelmans-CD When the Soul Listens (Pavane ADW 7547) aus, in der er Klavierwerke mit 3 Mortelmans-Liedern ergänzt, gesungen vom ukrainischen Countertenor Yuriy Mynenko, mit einem Goldenen Label. Sein Einsatz blieb auch nicht unbemerkt von der Vereinigung Belgischer Komponisten, die ihm 2012 die Fuga-Trophäe verlieh wegen seines Einsatzes für das flämische Repertoire und die Botschafterfunktion, die er dafür im Ausland wahrnimmt.
Peter Vanhove erweiterte seine Suche nach zu Unrecht weniger gespielter oder weniger bekannter Klaviermusik auch auf unser Nachbarland Frankreich. So entdeckte er in der Pariser Bibliothèque nationale Partituren von Georges Bizet und nahm diese auf einer besonders geschätzten CD Bizet-Piano Works (Pavane ADW 7515) auf.
Seine neue CD „Gounod & Compagnie" (Pavane ADW 7595) ist um die Figur von Charles Gounod (1818-1893) und die Klaviermusik aus den Pariser Salons aufgebaut. Er stellt Gounod als eine Schlüsselfigur in einem Netzwerk von Komponist-Pianisten dar, die sich während dieser turbulenten Zeit trafen und gegenseitig inspirierten.
Mit den Worten von Maurice Ravel und Gabriel Fauré, zitiert im CD-Booklet, ordnet er Gounod als den Begründer eines typisch französischen Klavierstils ein; eine Pioniersfunktion, die sich über seinen Schüler Georges Bizet tatsächlich zu Gabriel Fauré und sogar zu Déodat de Séverac verzweigt. Aber wir hören auch Musik des Klavierwunders Charles-Valentin Alkan, der wie sein Nachbar Frédéric Chopin und die Kultfigur Franz Liszt in jenen Kreisen von befreundeten Künstlern verkehrte, von denen Gounod eine „Senior"-Schlüsselfigur war: Gounod war der Schwiegersohn des Klavierpädagogen Pierre-Joseph-Guillaume Zimmermann, der seinen eigenen Salon organisierte und der Lehrer von Gounod und Alkan war, Gounod selbst war der Lehrer von Bizet und wie erwähnt reichte sein Einfluss bis zu Ravel und Fauré.
Auf dieser CD stehen Stimmungsstücke von Gounod (Six Romances) und Bizet (L'Aurore, Les Confidences), melodische Perlen wie Le ciel a visité la terre und die Klavierfassung des Ave Maria von Gounod, die äußerst persönlichen Klavierstücke von Alkan, bis zur raffinierten Barcarolle Nr. 4 von Fauré oder die in glitzernde Klavierperlen zerfallenden Baigneuses au soleil von Séverac; eine Entdeckung!
Wie bei seinen vorherigen Alben malt Pianist Peter Vanhove all dies mit einem Gefühl für Farbe und Atmosphäre in die romantischen Stimmungsbilder. Aber auch leichte und verspielte Linien finden ihren Platz in den Werken von Séverac und Fauré. Der warme Klavierklang des Steinway-Flügels ist gut erfasst worden mit einem klaren und natürlichen Sound.
Lassen Sie sich in dieses Stück französischer Kulturerlebnis aus der Belle Époque und der Fin de siècle eintauchen!
WAS: Gounod & Compagnie
Wer: Peter Vanhove
AUSGABE: Pavane, DDD, 2020