Am Sonntag, dem 1. März, um elf Uhr, gab Musica Gloria im Hollands College in Leuven ein Matineekonzert, das dem späten Vormittag eine besondere Intensität verlieh. In der Reihe „Pulcheria" entfaltete sich ein Programm, das Raffinement und Lebendigkeit nahtlos miteinander verband. Wir blicken jedes Mal wieder mit großer Erwartung auf die Konzerte von Musica Gloria, weil dieses Ensemble nicht nur überraschend durchdachte Programme zusammenstellt, sondern diese auch mit einer seltenen Kombination aus Leidenschaft, Stilsicherheit und kommunikativer Kraft aufführt.
Mit der Suite en trio Nr. 2 in g-Moll von Marin Marais wurde sofort eine Atmosphäre gezügelter Intensität geschaffen. Die Traversflöte von Beniamino Paganini klang geschmeidig und gesanglich, mit einer natürlichen Atemführung, die jeder Phrase Richtung gab. Elise Dupont antwortete auf der Violine mit einer eleganten, fein artikulierten Linie, manchmal samtig weich, dann wieder mit kerniger Klarheit. Darunter webte Thomas Langlois auf Theorbe und Barokgitarre eine warme, resonante Grundlage, die nicht nur trug, sondern auch aktiv Farbe gab. Die Musik atmete und bewegte sich organisch. Das Publikum folgte fasziniert und belohnte den Abschluss mit herzlichem Applaus.
Die Suite in a-Moll von Robert de Visée, anvertraut an Langlois allein, brachte einen Moment der Stille. Die Theorbe erfüllte den Raum mit einem intimen, doch reichen Klang, in dem jede Verzierung Bedeutung bekam. Die Tanzteile entfalteten sich mit natürlicher Geschmeidigkeit, ohne Aufdringlichkeit. Es war Musik, die aus Stille zu wachsen schien und in Stille zurückkehrte. Die Spannung blieb bis zur letzten verklungenen Note spürbar, worauf der Applaus merklich intensiver klang.
Mit Les caractères de la danse von Jean-Féry Rebel kam eine verspielte, beinahe theatralische Energie auf. Die Abfolge von Tanzformen erhielt unter den Händen des Ensembles eine lebendige und scharf profilierte Ausarbeitung. Rhythmische Akzente, subtile Kontraste und sichere Phrasierungen sorgten für eine Aufführung, die sowohl leichtfüßig als auch präzise war. Hier wurde hörbar, wie gut die drei Musiker aufeinander eingespielt sind. Die Begeisterung im Saal nahm merklich zu.
In der Sonate Nr. 3 in D von Joseph Bodin de Boismortier verschmolzen Traversflöte und Violine in einen verfeinerten Dialog. Paganini und Dupont spielten mit selbstverständlicher Einstimmigkeit, ihre Linien fließend verflochten oder spielerisch gegeneinander gestellt. Die Theorbe gab dem Ganzen eine leicht tanzende Grundlage. Das Klangbild war hell, transparent und zugleich warm. Die Musik strahlte eine vitale Frische aus, die perfekt zum Charakter eines Sonntagmorgenkonzerts passte.
Die Passacaille aus Armide von Jean-Baptiste Lully bildete einen beeindruckenden Höhepunkt. Der wiederholte Bass bekam unter Langlois' Händen eine feste, tragende Kraft, über der Flöte und Violine ein immer reicheres Geflecht von Variationen aufbauten. Der Spannungsbogen wurde sorgfältig dosiert und mündete in einen kraftvollen Schluss, der spontan lauten und andauernden Applaus auslöste.
Die Sonate en trio Nr. 8 in D des weniger bekannten Jacques Christophe Huguenet beschloss das Programm mit festlicher Klarheit. Das Zusammenspiel war energisch und doch kontrolliert, mit einer sichtbaren Spielfreude, die auch das Publikum erreichte. Nach jedem Teil wurde der Applaus wärmer und begeisterter, bis zum Ende, der in eine dankbare Ovation mündete.
Was diesen Matinee so besonders machte, war nicht nur die technische Beherrschung, sondern vor allem die Beseeltheit, mit der Musica Gloria diese Musik gestaltete. Ihre Aufführungen zeugen von Liebe zum Repertoire, Aufmerksamkeit für Details und tiefem Verständnis für Stil und Charakter. Im Hollands College wurde das erneut greifbar. Das war ein Vormittag, in dem Barockmusik als lebende Kunst klang, unmittelbar und überzeugend, und in dem Publikum und Aufführende sich gegenseitig in einer gemeinsamen musikalischen Erfahrung fanden.