The world in harmony (die Welt in Harmonie) war das Thema der Ausgabe 2019 des zweijährlich stattfindenden Internationalen George Enescu Festivals, das zwischen 32. August und 22. September in Bukarest unter der künstlerischen Leitung des russischen Dirigenten Vladimir Jurowski stattfand.
Während dieser Zeit wechselten sich die renommiertesten Musiker und Ensembles ab, oft im Rhythmus von drei oder vier Konzerten pro Tag, hauptsächlich in der Sala Palatului (der großen Konzerthalle) und im intimeren Romanian Athenaeum (Ateneul Roman) zu hören, wo sogar "Mitternachtskonzerte" stattfanden. Die Liste der Musiker und Orchester ist beeindruckend: Weltorchester, gefeierte Kammermusikensembles und Vokal- und Instrumentalsolisten begeistern das interessierte Publikum. Dies kommt in erster Linie aus Bukarest selbst, aber auch aus anderen Städten, die sogar am Rande des Festivals beteiligt sind.
Berliner Philharmoniker eröffnet, Concertgebouw Orchester Amsterdam schließt Festival
Das präsentierte Repertoire ist groß und vielfältig: Barock und Klassik, Zeitgenössisches und Experimentelles. Konzertante Opern wechseln sich mit großen sinfonischen Werken ab, Liedrezitale mit Kammermusik und natürlich kommt regelmäßig Musik des großen rumänischen Komponisten George Enescu (1881-1955) zur Aufführung. Seine Rhapsody Nr. 2, aufgeführt von den Berliner Philharmonikern unter Kirill Petrenko, eröffnete das Festival, seine Konzertouvertüre über populäre rumänische Themen durch das Königliche Concertgebouw Orchester Amsterdam unter Tugan Sokhiev beschloss es. Aber dazwischen gab es noch viele andere Enescu-Kompositionen zu hören, unter anderem aufgeführt vom Orchestre Philharmonique Royal de Liège.
Während der drei vollgepackten Tage, in denen ich mich ins Enescu Festival versenken konnte, wohnte ich in der schönen Halle des Athenaeum einem Konzert des Orchestre Philharmonique de Monte Carlo bei, dirigiert von Maxim Vengerov, der auch solistisch als Violinist in einem Enescu- und Tschaikowski-Programm auftrat, zusammen mit Cellist Gautier Capuçon. Beide Musiker spielten mit großer Hingabe, Capuçon mit einem herrlichen, schimmernden warmen Klang, solide vom Orchester begleitet. Aber als das dann Tschaikowskis Pathétique aufführte, schien der Klang irgendwie in den Mauern des relativ kleinen Raumes gefangen zu sein, der vom Festival eigentlich für Rezitale und Kammermusik vorgesehen ist.
Sir Bryn Terfel
Dies kam noch deutlicher in dem besonderen Programm zum Ausdruck, das um den sympathischen walisischen Bariton Sir Bryn Terfel aufgebaut war, ebenfalls begleitet vom Orchester aus Monte Carlo. Das konnte dann kaum auf der relativ kleinen Bühne Platz nehmen. Bryn Terfel und Dirigent Gareth Jones mussten sich immer wieder mühsam zwischen den Musikern hindurchbahnen, und wenn das Orchester Wagners Walkürenritt losließ, behinderte der begrenzte Raum die Entfaltung des Klanges deutlich. Aber das war schnell vergessen, sobald Sir Bryn auf der Bühne erschien und das Publikum, sozusagen, aus seiner Hand aß. Mit Hans Sachs Meditation Was duftet doch der Flieder aus Wagners Meistersinger von Nürnberg setzte er den Ton. Die Gemütlichkeit verwandelte sich in Emotion und Autorität in Wotans Abschied aus Die Walküre, um dann in die Übermut von Boitos Mefistofele überzugehen.
Über Kurt Weills Dreigroschenoper landete Terfel dann bei Musicals wie South Pacific und The Fiddler on the Roof. Er wusste, jedes Lied auf die richtige Weise zu interpretieren, spielte auf die Reaktionen des Publikums an und bescherte ihm eine herrliche Zeit dank seiner kostbaren Stimme, großen Interpretationskunst und Gemütlichkeit. Dirigent Gareth Jones und das Orchester genossen offensichtlich mit, und das Publikum konnte ihn nur ungern gehen lassen.
Eine ganz andere Stimmung herrschte bei der Aufführung der Kremerata Baltica unter der Leitung von Gidon Kremer. Diesmal passte das Ensemble und das Programm ausgezeichnet ins Athenaeum. Auf diesem Programm Kompositionen von Mieczyslaw Weinberg, Dinu Lipatti und George Enescu. Gidon Kremer war der leidenschaftliche Befürworter der manchmal schwer zugänglichen Kompositionen von Weinberg, unter anderem seiner Symphonie Nr. 10, die Kremer als Violinist und Dirigent aufführte. Pascal und Ami Rogé sorgten für virtuoses Klavierspiel in der Symphonie concertante von Dinu Lipatti.
Mitternacht…
Noch im Athenaeum fanden die Mitternachtskonzerte statt mit viel Barockmusik und konzertanter Oper auf dem Programm, aber auch ein Konzert der Zwölf Cellisten der Berliner Philharmoniker (zehn Männer und zwei Frauen), die gleichermaßen Fauré wie Boris Blacher, Duke Ellington oder Astor Piazzolla aufführten. Ich saß um halb elf bereit für eine halbszenische Aufführung von Beethovens Leonore, der ersten Fassung seiner Fidelio, unter der Leitung von René Jacobs an der Spitze des Freiburger Barockorchester, der Zürcher Sing-Akademie und Birgitte Christensen (Leonore), Robin Johannsen (Marzelline), Christian Immler (Rocco), Johannes Weisser (Don Pizarro), Torben Jürgens (Don Fernando) und Nikolaus Pfannkuch (Jaquino). Es war eine Aufführung wie sie René Jacobs auch regelmäßig in BOZAR gezeigt hat und hier auf der kleinen Bühne etwas beengt wirkte.
Die Sänger zirkulierten geschickt durch die Reihen der Musiker, sprachen ihre Dialoge und sangen ihre Vokalpausen und schufen so ein Theatererlebnis zusammen mit dem disziplinierten Chor. René Jacobs überblickte das Ganze von seinem Dirigentenpult und sah, dass es gut war. Das Publikum folgte treu bis nach Mitternacht!
In der großen Konzerthalle des Palatului, wo ein großes Sinfonieorchester das andere ablöste, hörte ich das Russische State Academic Symphony Orchestra Evgeny Svetlanov von Vladimir Jurowski auf eine besonders nüchterne, aber effektive Weise dirigiert in De Profundis, eine faszinierende, fesselnde und ergreifende Komposition von Alexey Retinsky (° 1986). Alexandra Silocea's virtuose Interpretation des Klavierkonzerts Nr. 2 von Sjostakovitsj und eine schöne Aufführung von Enescu's Sinfonie Nr. 2 vervollständigten das Programm. Das Oslo Philharmonic Orchestra stand am folgenden Tag auf der Bühne und spielte unter der Leitung von Vasily Petrenko ein symphonisches Gedicht von Oyvind Torvund und Bartoks Konzert für Orchester. Leif Ove Andsnes interpretierte Griegs Klavierkonzert op. 16 und der volle Saal jubelte.
- WAS: Internationales George Enescu Festival
- WO & WANN: Bukarest 11., 12. und 13. September
- FOTOS: © Andrada Pavel, © Cătălina Filip, © Alex Damien
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