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Rossini : Guillaume Tell in der Opéra Royal de Wallonie

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· 4 Min. Lesezeit
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Rossini : Guillaume Tell in der Opéra Royal de Wallonie

Grand Opéra als ergreifendes Drama

Rossinis Guillaume Tell vereinigt die historische Realität des Freiheitskampfes der Schweizer Kantone mit der legendären Figur des Freiheitskämpfers Wilhelm Tell, der den Apfel vom Kopf seines Sohnes schießt. Die Opéra Royal de Wallonie präsentiert eine schlichte, aber atmosphärisch dichte Inszenierung. Von Szene zu Szene wird die richtige emotionale Wirkung erzielt. Dies macht die lange Aufführung zu einem ergreifenden und fesselnden Ganzen.

Die Oper, mit der Rossini sein Opernschaffen abschloss, ist ein regelrechter Außenseiter. Rossini schrieb Guillaume Tell in Paris auf Französisch und versuchte damit gleich, sich der Grand Opéra zu nähern, jenem Genre, das damals in Paris mit Komponisten wie Halévy und Auber im Aufstieg war. Das bedeutet keineswegs, dass er seinen Belcanto-Stil verleugnete. Wir bekommen auch hier herrliche Melodien, die einem Sänger/einer Sängerin alles abverlangen, zum Beispiel das Duett zwischen Guillaume Tell und Arnold, die Arie Sombre forêt von Mathilde oder Asile héréditaire von Arnold – vielleicht eine der bekanntesten Arien dieser Oper, die das große Publikum vor allem aus der Ouvertüre kennt.

Operales Fresko des neunzehnten Jahrhunderts


Regisseur Jean-Louis Grinda, der von 1996 bis 2007 künstlerischer Direktor in Lüttich war, wählt ein dunkles Bühnenbild, macht aber auch deutlich, dass die Natur eine große Rolle in dieser Oper spielt. Die Bühne besteht aus einem großen Raum mit schwarzen Wänden, die die Gefangenschaft der ländlichen Gemeinde im Schweizer Kanton Uri symbolisieren. Zu Beginn der Oper erscheint auf der Rückwand in blutrot das Wort „Liberté". Sofort ist der erbitterte Kampf der ländlichen Gemeinde gegen den Unterdrücker deutlich gemacht. Der Kreis wird geschlossen, wenn am Ende nach dem schweren Kampf und dem legendären Sieg von Guillaume Tell diese Buchstaben auf der Wand erneut erscheinen, nun als Zeichen der Befreiung. Die schwarze Rückwand wird durch wunderbare Bilder ersetzt, die die Natur am Vierwaldstättersee evozieren: Wälder und Bäche und im letzten Akt als Apotheose eine herrliche Berglandschaft. Die wunderschönen Kostüme versetzen die Geschichte ins neunzehnte Jahrhundert, die Epoche, in der nationale Revolutionen die italienische Opernszene beherrschen.

Vom ersten Akt an konzentriert sich die Inszenierung scharf auf den Kontrast zwischen ländlicher Idylle und politisch gefärbter Intrige. Der zweite Akt zuspitzt die problematische Liebe zwischen Arnold und Mathilde. Der dritte Akt bietet geradezu beklemmende Bilder. Die militanten Besetzer, die von Sichtfenstern aus das Volk beobachten, tragen faschistische Züge, und die Habsburger Soldaten, die die Bewohner treiben, wüten wie Gewalttäter. Die Andeutung der Brutalität ergreift einen beim Hals. Die Szene baut schön zu dem berühmten legendären Apfelschuss auf und als Tell dann doch gefangen genommen wird, folgt das eigentliche Happy End mit dem Tod des Tyrannen Gessler im vierten Akt, vor einer herrlichen Berglandschaft und erneut dem – nun berechtigten – Motto: Liberté.

Verfeinerte Gesangskunst


Mit Guillaume Tell komponierte Rossini eine Belcanto-Oper mit den großen Ansprüchen einer Grand Opéra. Dieses letzte Stilmerkmal finden wir vor allem in den ausgedehnten Chören wieder, die in der Opéra Royal de Wallonie mit viel Schwung gesungen wurden. Aber auch die Belcanto-Anforderungen an die Solisten wurden ausgezeichnet erfüllt. Die ORW gelang es für diese Produktion, einige der bekanntesten Sänger für die Hauptrollen zu engagieren. Zunächst Nicola Alaimo, der nicht zum ersten Mal Guillaume Tell singt und die Partie nicht nur mit fester und warmer Stimme sang, sondern auch eine autoritäre und charismatische Präsenz ausstrahlte. Auch John Osborn hat Arnold bereits mehrfach gesungen (und auf CD aufgenommen). Er sang mit heller, leichter Tenorstimme und hatte keine Schwierigkeit mit den schwindelerregenden hohen Noten. Seine große Arie im vierten Akt „Asile héréditaire" wurde auf lauten Applaus hin gesungen. Seine Verliebtheit war absolut glaubwürdig, ebenso wie seine Verzweiflung über das gesellschaftliche Dilemma, in dem er sich befindet. Seine Geliebte Mathilde wurde von Salome Jicia dargestellt, eine ideale Sopranistin für die Rolle, die übrigens bereits mehrfach in der ORW in Belcanto-Partien zu hören war. Ihre fließenden lyrischen Linien nehmen den Hörer einfach mit sich ab ihrer schönen „Sombre forêt", aber sie behält gleichermaßen Stimmenfestigkeit dort, wo dramatische Kraft erforderlich ist. Auch die anderen Partien waren ausgezeichnet besetzt, von denen wir doch noch den beeindruckenden Gessler des jungen Inho Jeong erwähnen möchten.

Dirigent Stefano Montanari hatte anfangs etwas Schwierigkeiten, das Orchester in Fahrt zu bringen, aber einmal im Schwung, fand es für jeden Aspekt der Oper den passenden Ton, die lokale Färbung, den lyrischen Liebeston und den kampferischen.

Insgesamt war die Aufführung dieser wunderschönen und wegen ihrer Anspruchsvollheit nicht so oft aufgeführten Rossini-Oper definitiv ein voller Erfolg.

Tags Opera
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