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Überraschend Antwerpner Amateur-Orchester Entente Cordiale in Leuven

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· 4 Min. Lesezeit
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Überraschend Antwerpner Amateur-Orchester Entente Cordiale in Leuven

Ab und zu muss man als Rezensent einmal die ausgetretenen Pfade verlassen und irgendwo auf dem Land und nicht nur in der Großstadtumgebung nach einem interessanten Event suchen. Ich bin zu einem Konzert in die H. Familie Kirche von Boven-Lo gereist. Wer Leuven kennt, kennt vielleicht auch Kessel Lo, aber Boven Lo? Ja, es ist immer noch Leuven-Gebiet und die Kirche steht oben auf einem Berg, auf der Heideberg. Nicht auf der Kesselberg. Manchmal müssen die Mitglieder des Orchesters Entente Cordiale weit weg einen Platz suchen, um ihre Leidenschaft auszuleben. Es ist eine Antwerpener Amateurgruppe, die seit vierzig Jahren dabei ist. Einst gegründet von ehemaligen Mitgliedern des Jeugd en Muziekorkest van Antwerpen. Sie arbeiten ohne festen Dirigenten und diesmal war es Stijn Paredis, der die Leitung hatte. „Bei Profis bekommst du manchmal den Eindruck, dass sie ihren Job erledigen und bereits während des Konzerts an ihre anderen Hobbys denken. Bei Amateuren ist es umgekehrt: sie denken immer an ihr Hobby und es ist ihre Leidenschaft", sagt Stijn Paredis.

Das Streichensemble Entente Cordiale hatte sich also in dieser ganz normalen Kirche des 19. Jahrhunderts aus der H. Familie niedergelassen für ein Konzertprogramm unter dem Titel „in alten Stil". Der Dirigent begrüßte die anwesenden Sympathisanten und Musikliebhaber und erklärte den Begriff „in alten Stil". Viele Komponisten stützen sich für ein oder anderes Werk auf die Stilmerkmale ihrer illustren Vorgänger, auf die Suiten aus dem Barock. Das Streichensemble brachte drei solche Beispiele und illustrierte das auch mit einem echten Werk aus dem Barock.

Sie begannen mit Krzysztof Penderecki. Erschrecken Sie nicht, wenn Sie den Namen dieses polnischen Avantgarde-Komponisten sehen. Seine „Drei Stücke im alten Stil" aus 1963 sind tatsächlich ein Stilbruch mit dem Werk, für das er am meisten bekannt ist. Die 21 Streicher, jünger und älter, spielten es perfekt und folgten dann mit einem Werk von Alexander Glazunov: sein Opus 97. Sechs Variationen über ein Thema. Zuerst gut erkennbar in den Violinen vorgetragen, dann variabler, im Pizzicato und dann auch zum fast Unerkennbaren hin. Alles unterstützt durch die Celli und schließlich durch einen dunklen und tief streichenden Kontrabass. Ein echtes Barock-Stück durfte natürlich nicht fehlen. Wie passend, sich für das bekannte Largo aus Bachs Concerto für zwei Violinen und Streicher zu entscheiden. Zwei klangvolle Violistinnen solierten. Lydia Seymortier, ehemals aktiv in der damaligen Philharmonie von Antwerpen und die koreanische JeongSun Goo, seit 2008 Konzertmeisterin bei Entente Cordiale. Das war wunderbar. Zum Abschluss eine „Capriol Suite für Streicher" basierend auf Renaissance-Tänzen. Ein sehr originelles Werk eines britischen Musikologen und Musikjournalisten, der seine Kompositionen unter dem Pseudonym Peter Warlock schrieb. Das bedeutet Zauberer, sagte uns der Dirigent. Er ließ uns dieses sehr kapriziöses Stück kennenlernen, mit vielen Reibungen zwischen Melodie und Rhythmus. Und der Brite goss sogar etwas Wahnsinn in die Partitur mit bitteren Klangeffekten, wie Stijn Paredis sagte. Eine Entdeckung, dieses spielerische Divertimento aus 1926. Alle sechs Teile, von „basse-danse" über „pavane" bis zu „mattachins" (alte ritualisierte Schwertentänze) spielte das Ensemble wie in einem überwältigenden Wirbelwind, von allegro moderato bis allegro con brio. Beeindruckend für eine Amateurgruppe, die seit 40 Jahren unter wechselnder Leitung unterwegs ist UND einen festen Kern von Streichern hat.

Eine Zugabe konnte nicht ausbleiben. Ein Stück aus Palladio von Karl Jenkins, wieder ein spezieller Brite. Ehemaliger Frontman der Popgruppe Soft Machine, die später als Neoklassiker Ruhm mit seinem The Armed Man: A Mass for Peace erlangte. Ein Werk, das auch schon auf dem Programm dieses Streichensembles stand.

Auf jeden Fall war dieses Konzert eine großartige Leistung dieser begeisterten Gruppe von Amateurmusikern, mit Orchestererfahrung UND unter professioneller Leitung des Musikologen und Dirigenten Stijn Paredis. Gute Wahl, erfolgreiches Projekt. Ich war froh, von den ausgetretenen Pfaden abgewichen zu sein und habe – wie meist, wenn man das tut – unerwartete Entdeckungen gemacht.


WAS: Konzert „in alten Stil"

Krzysztof Penderencki, Drei Stücke im alten Stil, (1963); Alexander Glazunov, Thema und Variationen für Streichorchester, Opus 97; Johann Sebastian Bach, Largo aus Concerto für zwei Violinen und Streicher, BWV 1043; Peter Warlock, Capriol Suite für Streicher (1926).

WER: Streichensemble Entente Cordiale u.L. Stijn Paredis.

WO: Kirche H. Familie, Boven-Lo (Leuven)

WANN: Sonntag, 19. März 2023.

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