Es war kein minimalistischer Regen, sondern wiederholter Regen, als am Samstag das zweitägige Walden Festival im Brüsseler Leopoldpark begann. Es goss in Strömen. Dennoch war die dritte Auflage dieses Festivals ausverkauft. Aber das Zelt hielt stand und auch das Publikum. Und dieses war viel zahlreicher als bei den beiden vorherigen Ausgaben.
Brussels Philharmonic und Lorenzo Gatto.
Mit der Brussels Philharmonic und Lorenzo Gatto zu starten und gleich drei Minimalisten von hohem Niveau auszupacken, David Lang, John Adams und Philip Glass, das ist eine attraktive Besetzung. Die Regenschauer waren David Langs Komposition Heavy Weight noch wohlgesonnen. Es war nur kurz zu warten, bis dieser Schauer vorbei war. Und der Klang im Zelt war eigentlich ganz passabel, auch wenn Zelt und Podium voneinander getrennt waren. Und man hört sofort einen amerikanischen Komponisten bei der Arbeit. Ein Werk, das in all seiner Eigenständigkeit vom amerikanischen Klang-Erbe durchdrungen ist. Streicher, Bläser und Schlagwerk zusammen, manchmal schwer, dann wieder leicht und natürlich rhythmisch und repetitiv. John Adams' Inspirationsquelle für seine Oper Nixon in China lieferte ihm noch ein Werk, mit dem er Mao auf die Bühne bringen konnte. "The Chairman Dances the Foxtrot." Ein galoppierender Foxtrot, Tanzmusik, fast Unterhaltung mit diesen breiten Orchesterstrichen, rhythmisch überall. Ein orchesteraler Basso continuo mit darüber liegenden anmutigen melodischen Linien. Ernsthafte Musik, aber auch keine durchschnittliche Filmmusik und die jazzige Atmosphäre ist nie fern.
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Brussels Philharmonic mit Lorenzo Gatto (Violine) und Dirigent Tom De Cock (Foto Roger Creyf)[/caption]
Es ist aber immer schön, Bekanntschaft mit etwas anderem als dem „klassischen" Repertoire zu machen. Aber darin ist die Brussels Philharmonic sehr bewandert, kundig geleitet von Dirigent Tom De Cock.
Wie angenehm, um von den ersten Violinstrichen von Lorenzo Gatto unmittelbar die Idiomatik von Philip Glass zu erkennen, sein erstes Violinkonzert. Einem Solisten auf diesem minimalistischen und repetitiven Hintergrund einen Platz zu geben, ist in diesem Genre doch etwas ungewöhnlich. Eine Rolle mehr als meisterhaft und mitreißend gestaltet von Lorenzo Gatto. Der Geiger scheint weit über die Codes seiner früheren Wettbewerbsvergangenheit hinausgegangen zu sein. Jedes Werk bekam seinen Regenschauer, aber es war ein echter Wolkenbruch, der fast die schönsten und stillsten Passagen, die Gatto spielte, übertönte. Aber das konnte bei vielen die Ergriffenheit über dieses zu Recht populär gewordene Werk nicht nehmen. Stehende Ovationen natürlich.
Tania Giannouli Trio
Zeit dann für etwas Jazz, aber in einer merkwürdigen Kombination aus Klavier, Trompete und Oud. Im Jazz ist alles möglich und besonders mit der griechischen Pianistin Tania Giannouli. Mit ein paar fast verblassenden Noten begann sie ihren Auftritt und auch der Brüsseler Trompeter Jean-Paul Estiévenart gesellte sich hinzu mit ätherischen Klängen, ebenso wie ihr griechischer Kamerad, der Oud-Spieler Kyriakos Tapakis. „Fading Light" war dann auch der Titel des Konzerts und ihres letzten Albums. Die Pianistin bleibt in ihrer Unterstützung der beiden Solisten wiederum minimalistisch und repetitiv, mit Crescendos und Diminuendos. Und wenn die gedämpft bedachtsame Trompete spielt, scheint „Kind of Blue" nie fern. Wunderbar aufeinander eingespielt sind sie, gezügelt und mitreißend. Reine Klasse.
Joep Beving
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Joep Beving (Foto Roger Creyf)[/caption]
Von einem ganz anderen Kaliber ist dieser Pianist. Als er sich an seinem Klavier aufwärmte, wirkte es, als würde er gerade Bach üben. Ganz in sich gekehrt, nur mit sich selbst beschäftigt. Kein Wunder, dass sein erstes Album auch diesen Titel trägt: „Solopsism".
Er bringt Peaceful Piano. Und tatsächlich heißt dies in neoklassischen Begriffen einfach Minimalismus. Seine ersten Anschläge erinnern mich sofort an einen anderen „einfachen" Pianisten, Erik Satie. Ein stiller Pianist ist er in jedem Fall und bittet das Publikum erst zu applaudieren, wenn er ein Zeichen gibt. Und dieses Publikum ist ganz dabei und schaut sogar mit bösem Blick zur Seite zu den Cateringmitarbeitern, wenn diese noch zu viel Lärm machen. Es klingt alles sehr entspannend, Musik für die Lounge oder die Bar, oder ist das zu ehrfurchtslos ausgedrückt? Aber anscheinend sehr gut aufgenommen und geliebt.