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Akkordeon Volkstümliches? Junge Musiker beweisen das Gegenteil…

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· 4 Min. Lesezeit
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Akkordeon Volkstümliches? Junge Musiker beweisen das Gegenteil…

Ich spielte einmal Mundharmonika bei den Pfadfindern. Die Lieder begleiten, kennst du das? Bei der Volkstanzgruppe, bei der ich als Kind tanzte, war 'der Akkordeon' das zentrale Instrument. Viel später sollte ich durch den niederländischen Bosnier Nihad Hrustanbegovic und durch unseren Landsmann Jef De Haes Bekanntschaft machen mit etwas ganz anderem als 'diesem Akkordeon' und dieser 'einfachen' Mundharmonika. Sie machten mich mit einem vollwertigen klassischen Instrument für die großen Bühnen vertraut.

Versprechen und mehr Konzerte auf Akkordeon mit Streichorchester


Akkordeonlehrer unter anderem an der Lierschen Musikakademie und am Lemmens (LUCA School of Arts) Jef De Haes wollte erneut beweisen, was alles mit dem Akkordeon möglich ist. Er ist ein begeisterter Lehrer, ein ausgezeichneter Pädagoge, der seine Schüler wie kein anderer zu motivieren versteht und sie Dinge spielen lässt vor vollbesetzten Sälen, die man für unmöglich hielt. Es wurde ein Abend der Entdeckungen: junge Talente zu entdecken war das eine, das andere war das Kennenlernen von nie zuvor oder selten aufgeführten klassischen (zeitgenössischen) Werken für Akkordeon und Orchester.

Die 14-jährige Jozefien Bergen, der 14-jährige Andreas Cremer, der 17-jährige Arlan Theuns und die bereits diplomierte und unterrichtende Lieke Op't Roodt waren die Solisten, begleitet vom Streichorchester La Passione unter der Leitung von Kris Stroobants und mit Pianist Carl Vandoorne.

Wie immer sind wir milde in der Beurteilung, wenn es um Podiumskonzerte vor großem Publikum geht, bei denen noch (sehr) junge Musiker auftreten. Sie sind noch nicht vollkommen und haben noch schneller mit Lampenfieber zu kämpfen. Dafür haben wir volles Verständnis, wobei gesagt und geschrieben werden darf, dass wenn überhaupt Nerven die Kontrolle zu stören drohten, derjenige, der davon geplagt wurde, dies für die vielen Zuhörer sehr gut verbergen konnte.

Weltpremieren!


Mit Transits des Komponisten Marcel De Jonghe (°1934) wurde der Konzertabend eröffnet. Jozefien Bergen (14) durfte es zusammen mit dem Orchester in Weltpremiere aufführen. Ein zeitgenössisches, zugleich klassisch inspiriertes Werk voller Melodie, Spannungen, die schön aufgelöst werden. Versuchen Sie das mal als Teenager, ein ganz neues Werk sauber und exakt aufzuführen?

Der 14-jährige Andreas Cremer brachte von der nordmazedonischen Komponistin Bete Ilin (°1982) ein Werk, in dem der Balkan verwoben ist, aber nicht aufdringlich die Leitlinie bildet. Ein etwas kürzeres Werk, das überzeugend vom jungen Solisten und dem Orchester gespielt wurde. Wer noch zu Beginn des Konzerts zweifelte, ob Akkordeon und Orchester zusammen durch eine Tür passen, war jetzt bereits überzeugt, dass es kann.

Vivaldi komponierte Violinkonzerte am laufenden Band, und eines dieser Konzerte für zwei Violinen wurde geschickt für zwei Akkordeons und Streichorchester bearbeitet. Erneut spielte Andreas zusammen mit Arian Theuns (17), der seinen jüngeren Begleiter schön leitete und unterstützte. Italienische Instrumente – Italien ist schlechthin das Akkordeonland – und italienische Musik: das lebte!


Zwei vollständige Repertoirewerke


Der ukrainische Komponist Igor Shamo (1925-1982) schrieb ein Konzert für Akkordeon und Orchester, das auf internationalen Bühnen zu Hause ist. Ein suchendes Musikstück, weit, ausgesponnen, manchmal voller heftiger Energie, zupackend und überzeugend. All diese Elemente wusste der 18-jährige Arian Theuns geschickt wiederzugeben.

Das Konzert endete mit einer wahren Apothese, einer europäischen Erstaufführung eines Konzerts für Akkordeon und Sinfonieorchester, das irgendwo Staub aufwirbelnd lag aus der Feder von Nikolai Silvansky (1916-1985, Ukraine). Solistin Lieke Op 't Roodt kam in den Besitz des Manuskripts, das sie lesbar machte, für Streichensemble, Klavier und (ihr) Akkordeon reduzierte, digitalisierte, einstudierte und meisterlich interpretierte.

Der Abend endete mit viel begeistertem Applaus und zu Recht mit einer stehenden Ovation, bei der Lehrer Jef unerwartet noch viel Lob von Arian bekam, der spontan einen kurzen Text vorlas, um seinen Lehrer, seinen Mentor, seinen Wegbereiter und ja, auch Freund, zu ehren.

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