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Erster Wettbewerbstag der MA Competition 2026: Bach, Frescobaldi und junge Kühnheit

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Erster Wettbewerbstag der MA Competition 2026: Bach, Frescobaldi und junge Kühnheit
© MA festival

Mit dem Start der ersten Runde ist der MA Competition für Cembalo 2026 am Freitag offiziell in Gang gesetzt worden. Der Wettbewerb, verbunden mit dem MA Festival Brugge, gilt seit Jahrzehnten als eine der wichtigsten internationalen Sprungbretter für junge Spezialisten der Alten Musik. Namen wie Jean Rondeau (MA 2012), Christophe Rousset (MA 1983) und Justin Taylor (MA 2015) veranschaulichen, wie richtungsweisend dieser Wettbewerb für eine internationale Karriere sein kann.

Wie in der vorherigen Ausgabe verläuft die erste Runde vollständig online. Kandidaten aus verschiedenen Ländern senden im Voraus aufgenommene Videos ein, die über drei Tage hinweg sowohl für die Jury als auch für das Publikum gestreamt werden. Was einst eine praktische Lösung war, ist inzwischen ein vollwertiger und erkennbarer Teil des Wettbewerbs geworden.

Die Repertoirewahl setzt gleich zu Anfang einen soliden künstlerischen Maßstab. Jeder Teilnehmer kombiniert die obligatorische Canzoni alla Francese von Girolamo Frescobaldi mit einem Kontrapunkt aus Bachs Die Kunst der Fuge, dem ein Präludium vorausgeht - ob improvisiert oder nicht. Das Ergebnis ist eine fesselnde Spannungskurve zwischen rhetorischer Freiheit und intellektueller Strenge.

Junge Generation, internationales Profil

Der erste Wettkampftag bringt gleich eine breite und auffallend junge Kohorte zusammen. Die Geburtsdaten im Programm liegen hauptsächlich zwischen 1997 und 2002, mit Ausreißern zu 1994 und sogar 2005, was das Durchschnittsalter auf etwa 26 bis 27 Jahre setzt.

Stilistische Vielfalt - und eindeutige Vorlieben

Was an diesem ersten Tag vor allem auffällt, ist nicht nur die interpretative Variation, sondern auch die programmatischen Wahlen außerhalb des Pflichtrepertoires.

Domenico Scarlatti dominiert mit einer bemerkenswerten Anzahl von Sonaten. François Couperin und Jean-Philippe Rameau bleiben Standardgrößen. Auch Carl Philipp Emanuel Bach und Fischer kehren regelmäßig zurück

Béla Bartók erscheint nur einmal. Weniger gebräuchliche Namen wie Birck, Rychlík oder Seixas tauchen sporadisch auf. Verschiedene Kandidaten entscheiden sich für eigene Präludien oder Improvisationen

Diese Balance zwischen etabliertem Repertoire und persönlichem Statement macht die erste Runde besonders lebendig.

Wenn „live" relativ wird

Die Online-Formel fügt gleichzeitig eine zusätzliche, manchmal unerwartete Dimension hinzu. Da Aufnahmen nicht notwendigerweise in einer Take erfolgen, sondern oft über einen längeren Zeitraum verteilt sind, entstehen manchmal fast surreal anmutende Effekte. So gab es beispielsweise einen Kandidaten, der in einer Passage mit kurzgeschorenem Haarschnitt erschien, um wenige Minuten später, im gleichen Programm, mit auffallend voluminöser Frisur hinter dem Cembalo zu sitzen.

Auch die - manchmal überraschend schnellen - Wechsel von Kulisse und Outfit verraten, wie konstruiert diese Performances sind (und lassen sich ab und zu mit einem diskreten Augenzwinkern bemerken). Es macht deutlich, dass „Livestreaming" in diesem Kontext relativ ist: nicht nur die Aufführung selbst, sondern auch die Art und Weise, wie sie inszeniert, montiert und präsentiert wird, spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle darin, wie Musik auf dem Bildschirm wahrgenommen wird.

Erste Eindruck: zwischen Bewunderung und Zurückhaltung

Als Laie im Cembalorepertoire wage ich mich nicht daran, Kandidaten zu bewerten - erst recht nicht, während eine solch eminente Jury mitschaut. Aber was sofort auffällt, sind jene Teilnehmer, die auswendig spielen.

Ob das per Definition zu einer musikalisch überzeugender Aufführung führt, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es reine Wahrnehmung - aber es wirkt, als würde dort etwas Zusätzliches geschehen, eine gewisse Freiheit oder Selbstverständlichkeit. Oder vielleicht ist es einfach meine reine Bewunderung: für die Flut von Noten, Verzierungen und rhetorischen Wendungen, die scheinbar mühelos aus dem Handgelenk fließen.

Bleib dran

Das war erst der erste von drei Wettkampftagen. Wenn du noch einsteigen möchtest: tu es genauso wie ich, und leg den Wettbewerb irgendwo auf einem zweiten Bildschirm im Hintergrund ab. Es ist wahrscheinlich, dass du dran bleibst - und dich dabei ertappst, doch aufmerksamer zuzuhören.

Wer weiß, vielleicht siehst und hörst du schon einen zukünftigen Top-Namen im Cembalorepertoire. Aber wer das wird, bleibt noch abzuwarten - bis zu den Ergebnissen dieser ersten Runde und letztendlich zum eigentlichen Finale diesen Sommer in Brugge.

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