Es kann äußerst verwirrend sein: identische Vor- und Nachnamen innerhalb einer Familie. Das widerfuhr den Brüdern Jean-Baptiste Loeillet, die in die Musikgeschichte als respectievelijk John of London und Jean de Gant (oder Jan van Gent) eingehen würden. Sie stammten auch aus Gent, wie auch ihr anderer Bruder: Jacques of Jacob.
Aus musikhistorischer Perspektive ist es allerdings nicht so kompliziert, denn der Londoner Jean-Baptiste war der Einzige, der auch Klaviermusik schrieb. Diese Unterscheidung gibt es zumindest. Er starb 1730 in London und hinterließ zwei Sammlungen mit Cembalowerken, von denen die erste 1712 veröffentlicht wurde und noch deutlich dem ebenfalls in London ansässigen John Blow und Henry Purcell verpflichtet ist. Erst in der zweiten Sammlung, ebenfalls 1723 in London veröffentlicht, findet sich ein persönlicherer Stil, mit darin verwebter französischer Grandeur, Anmut, italienischer Lebendigkeit und Leichtigkeit.
Die auf dieser Doppel-CD (álle Wiederholungen werden gespielt!) aufgenommenen sechs Suiten aus 1723 sind davon nicht nur ein beredsames Beispiel, sondern sie wurden im SACD-Format auch noch nie zuvor aufgenommen. In dieser Hinsicht also eine Erstaufnahme, wobei das eigentlich auch für die bereits erwähnten Wiederholungen gilt (über deren Nutzen oder Wirkung natürlich gestritten werden kann). Auf dem früher erschienenen Album des Cembalists Jan Devlieger auf dem belgischen Phaedra-Label werden die Wiederholungen außer Acht gelassen (klicken Sie hier für die Rezension), wofür es sicherlich auch Gründe gibt. Außerdem: Anders als bei Live-Aufführungen werden die Wiederholungen normalerweise einfach (digital) kopiert.
Das Spiel von Maria Banaszkiewicz-Bryla hat neben der historisierend gestalteten Rhetorik große Eleganz, sie ist technisch sehr versiert und interpretiert äußerst stilvoll, aber auch – ebenso passend zu dieser Musik – wechselnd, rhythmisch pulsierend, feinteilig artikuliert, mit viel Raffinement und Ausdruck. Wer möglicherweise mehr Ausdrucksfreiheit, Registrierung und Artikulation vermisst, sollte bedenken, dass diese Suiten nicht aus einer Faszination für den stylus phantasticus konzipiert wurden, sondern dass sie gerade als 'Lehrmodell' dienen sollten: Six suites de leçons pour le clavecin ou l'épinette dans la plupart des tonalités avec une variété de passages et de variations tout au long de l'ouvrage.
Loeillet hat, anders als Händel in dessen auch nur technisch außerordentlich schwierigen Cembalsuiten, ebenfalls 1723 veröffentlicht, einen anderen Weg gewählt, indem er seine Suiten vor allem für zwar begabte, aber technisch weniger virtuose Ausführende konzipiert hat (möglicherweise auch Studenten), die die Kunst der Phrasierung und Ornamentation, Registrierung und Artikulation noch nicht ausreichend in den Fingern hatten. Das erklärt vielleicht auch die nur spärlichen Spielanweisungen in den Partituren. Wie es auch erklärt, dass die Herangehensweise der bereits erwähnten Devlieger und Banaszkiewicz-Bryla – so musikalisch sich beide auch manifestieren – unterschiedlich ist. Was auch für die Tempi gilt, denn trotz der barocken Tanzformen kennen diese – zum Glück! – ein gewisses Maß an Variation.
Das für diese Aufnahme verwendete Cembalo wurde von Reinhard von Nagel nach einem aus dem Jahr 1730 stammenden Instrument von Nicolas und François Blanchet gebaut. Beide stammten aus einer Instrumentenbauerfamilie, die in Frankreich in hohem Ansehen stand. So besaß François Couperin ein großes Cembalo aus der Hand der Blanchets.
Dann die Aufnahme, deren Ursprünge im CD-Booklet von Wojciech Pacula, Ph.D., High Fidelity editor-in-chief, ausführlich erläutert werden und wobei ich diesmal etwas länger verweile.
Die Aufnahmen wurden in einer Villa an der Henryka Wieniawskiegostraat Nr. 3 in dem polnischen Posen gemacht, wo auch die Abteilung für Historische Aufführungspraxis des örtlichen Konservatoriums untergebracht ist. Gewählt wurde ein Zimmer im Obergeschoss, das groß genug erachtet wurde, um die Atmosphäre des Ortes festzuhalten. Der wichtigste Ausgangspunkt dabei: dass die Suiten gedacht waren, um in – ich zitiere – 'in genau so einem Raum aufgeführt zu werden'. Ob das wirklich so war? Laut der Cembalistin ja, aber ich habe keine Ahnung, worauf sie ihre These gestützt hat. Ich nehme es ihr aber gerne ab, denn sie ist auf ihrem Gebiet sehr sachkundig.
Eine nicht geringere Voraussetzung war die Verwendung von Aufnahmegeräten (DXD - 352,8 kHz, 32-Bit), mit denen das Instrument so präzise wie möglich in das Gesamtklangbild eingefügt werden konnte. Zusätzliche Faktoren waren ein möglichst kurzer Signalweg und minimale Verzerrung. In dieser Hinsicht ist das Klangbild vollkommen überzeugend: detailliert, luftig, ausgewogen und subtil, aber auch substantiell und vollkommen ausbalanciert.
Der in der Aufnahme vorhandene Hall, durch den das Instrument laut Pacula 'groß und greifbar' dargestellt wird, wird der eine mögen und der andere nicht oder weniger. Der Ausgangspunkt war, dass das Cembalo in der Aufnahme so klingen sollte wie in der Realität (die Villa in Posen), in der Ecke eines mittelgroßen Zimmers mit hoher Decke und Gardinen auf beiden Seiten, mit dem Hörer nur wenige Meter vom Instrument entfernt.
Dabei ist jedoch zu beachten, dass die akustischen Bedingungen sowie die Wiedergabegeräte beim Musikfreund zu Hause das von dem Aufnahmetechniker angestrebte (oder realisierte) Klangbild stören können. In einem angemessen gedämpften Zimmer und gehört mit Hilfe von hochwertiger Ausrüstung war das Klangbild in Stereo sicherlich beeindruckend. Auf elektrostatischen Kopfhörern (Stax Lambda Pro) wurde dies noch ausdrücklich bestätigt, mit dem roten Faden des völlig natürlich wirkenden Charakters des Cembalolangs. Gehört auf Durchschnittsausrüstung kamen die charakteristischen Klangeigenschaften des Instruments jedoch weniger gut zur Geltung und war auch der Halleffekt ausgeprägter (was die Vermutung nährt, dass das eine mit dem anderen zusammenhängt).
Es ist nicht dogmatisch, sondern in der Natur der Sache, dass je besser die Aufnahmegeräte sind und je äußerst sorgfältig die damit verbundene Technik angewendet wird, desto höhere Anforderungen an das gestellt werden müssen, was sich auf der anderen Seite des Spektrums befindet, meist 'fern von zu Hause': die Wiedergabegeräte und die Akustik als gegebener Faktor. Der in der Aufnahme vorhandene Hall wird in einem hallenden Raum (beispielsweise in einem beliebigen Wohnzimmer mit Parkett, viel Glas, keinem weiteren Bodenbelag und wenig bis keinen Vorhängen) nur noch verstärkt. In einem 'trockenen' Raum kann der in der Aufnahme vorhandene Hall jedoch sogar vorteilhaft sein (wobei es sicherlich kein unumstößliches Gesetz ist). Sie können über die verschiedenen Phänomene hier mehr lesen.
Ich unternahm noch einen weiteren Test: das Ausklingen des Cembaloklangs und damit die Akustik am Schluss. Je besser die Aufnahme- und Wiedergabegeräte, desto 'sauberer' ist es. Das Beeindruckendste zeigte sich auf Elektrostaten in einem ansonsten völlig stillen Raum. Ich fühlte mich hier wirklich sehr nah am 'analogen' Effekt...