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Shubert: Complete works for Violin and Piano

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Shubert: Complete works for Violin and Piano
© Mirare 738

Die Interpretation von Schuberts „frühen" Violinsonaten verlangt in der Ausdrucksweise ein gewisses Maß an Ungetrübtheit und vor allem Spielfreude: dies sind Werke, die dies in erster Linie erfordern.

Ein Jahr später, mit dem Erscheinen der Sonate (als Grand Duo bezeichnet, in A, D 574 (nicht zu verwechseln mit dem Grand Duo D 812) im Jahr 1817, wird ein tieferer Ton angeschlagen und damit der wesentliche Unterschied zwischen den Sonatinen markiert.

Im Manuskript hat Schubert die Violinwerke konsequent mit „Sonate" bezeichnet, doch aufgrund ihrer Kleinformatigkeit hielt der Musikverleger es 1836 für notwendig, sie als „Sonatinen" zu charakterisieren, veröffentlicht unter der Opusnummer 137 gleich fast acht Jahre nach dem Tode des Komponisten.

Diese „Sonatinen" haben tatsächlich wenig Anspruch: sie gehören durchschnittlich zum Bereich der mehr angenehmen Hausmusik. In D 574 liegen die Karten jedoch bereits anders, zeigt sich in der Ausarbeitung eine beachtliche Maßstabsvergrößerung und Beethovens Schatten ist nie weit entfernt. Besonderheit ist auch, dass das Scherzo (auch im Manuskript) direkt auf den Eröffnungssatz folgt.

1826, fast ein Jahrzehnt später – eine „Ewigkeit" für einen Komponisten, der nicht älter werden durfte als knapp 32 Jahre – entstand das Rondo brillant in der dunklen Tonart h-Moll, ebenso wie die aus 1827 stammende Fantasie, komponiert für den 20-jährigen tschechischen Violinisten Josef Slavik (der beide Werke auch uraufführte, in Wien, zusammen mit seinem Landsmann, dem Pianisten Carl Maria von Bocklet).

Es unterliegt keinem Zweifel, dass insbesondere die im Dezember 1827 vollendete viersätzige Fantasie mit einer Spieldauer von knapp einer halben Stunde hauptsächlich dazu bestimmt war, um die virtuosen Glanzleistungen, zu denen Slavik fähig sein sollte, vollständig zur Geltung zu bringen (ich vermute, dass der Violinist speziell darum gebeten hat). Der Pianist Nikolai Lugansky (Moskau, 1972) hat dazu bemerkt, dass das Stück seiner Ansicht nach zur schwierigsten je für Klavier geschriebenen Musik gehörte, sogar „schwieriger als alle Klavierkonzerte von Rachmaninov zusammen." Das mag richtig sein, bei näherem Betrachten ist dies jedoch nicht mehr als die Oberfläche, denn inhaltlich sind die von diesem „späten" Schubert eingesetzten Ausdrucksmittel erneut von besonderer Qualität, was gewiss nicht nur für das sowohl liedhafte als auch äußerst variierte Andantino gilt (es gibt unverkennbare Anklänge an An die Musik, was im CD-Booklet merkwürdigerweise unbesproken bleibt).

Die beiden Schwestern Milstein zeigen den musikalischen Charakter der frühen Werke auf eine sehr gefällige Weise, wobei sie gleichzeitig mit der Vorstellung aufräumen, dass diese Sonatinen nicht mehr Wert oder Bedeutung haben als die der reinen Hausmusik, sozusagen „zwischen Schiebetüren". In diesem Sinne sind sie in den Fußstapfen von Isabelle Faust und Alexander Melnikov (Harmonia Mundi) getreten.

Positiv ist auch, dass die virtuosen Eigenschaften dieser Musik in ihren Interpretationen keine eigene Welt bilden, sondern Teil des Ausdruckswertes und der Bedeutung sind, woran diese Musik tatsächlich reich ist.

Bei den späteren Werken fällt besonders die tiefer geschichtete, ungezwungene Ausdruckskraft ihrer Interpretationen auf, versehen mit viel Farbe und Raffinement. Die Unschuld scheint zurecht aufgegeben, Agogik, Akzentuierung und Tempi wirken völlig natürlich (logisch), die Spiritualität feiert Hochkonjunktur und die rhetorische Kraft des Gedankens ist ebenso beeindruckend.

Interessant ist, was Nathalia Milstein im Booklet über die Wahl des Flügels bemerkt hat. Dass nach einer Klangwelt gesucht wurde, die ihrem und Marias Verständnis von Schuberts Klang am nächsten kam. Das bedeutete natürlich das Ausprobieren von Instrumenten aus dem neunzehnten Jahrhundert. So kam der für diese Aufnahme verwendete Blüthner aus dem Jahr 1857 ins Visier, 2,20 Meter lang und in außergewöhnlich gutem Zustand. Das Instrument ist Teil der Pianosammlung von Andriessen. Der Klangboden befindet sich noch im ursprünglichen Zustand und Maria ist überzeugt, dass der Klang noch genau derselbe ist wie vor über 150 Jahren.
Maria Milstein: „Die Intimität und fast zerbrechliche Empfindlichkeit, die in Schuberts musikalischer Sprache zum Ausdruck kommt, wird noch deutlicher [...] durch den singenden Ton dieses Blüthner mit seiner parallelen Besaitung, ein Klang, der sowohl reich und warm als auch bemerkenswert hell ist."

So präsentiert sich das auch bei dieser nichts verhüllenden Aufnahme, wobei die Klangverhältnisse und -balance zwischen Violine und Klavier nichts zu wünschen übrig lässt und der oft subtile Charakter der Musik wirklich optimal zur Geltung kommt. Maria: „Wir verliebten uns in dieses Klavier, sobald wir es hörten, und wir spürten, dass es uns in die Lage versetzen würde, einen sehr individuellen Ansatz zum Schubert-Klang zu schaffen, einen Ansatz, von dem wir hoffen, dass er den Hörer auf eine ähnliche Entdeckungsreise mitnimmt." Eben, nur noch hinzuzufügen!

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