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Silvius Leopold Weiss (1687 – 1750) - Ausgewählte Werke für Laute

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Silvius Leopold Weiss (1687 – 1750) - Ausgewählte Werke für Laute

Im CD-Booklet merkt Frédéric Zigante, Gitarrist, Lautenist, Musikwissenschaftler und Dozent am Mailänder Konservatorium, an, dass von der über drei Jahrhunderte umfassenden Lautenliteratur, gerechnet vom Mittfünfzehnten bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts, nur eine bescheidene Anzahl von Komponisten den Weg ins einundzwanzigste Jahrhundert gefunden haben. Darunter die Lautenwerke von Francesco da Milano, John Dowland und Silvius Leopold Weiss.

Berühmt und vergessen
Ruhm zu Lebzeiten mündet nach dem Tode oft schnell in Vergänglichkeit und Vergessenheit aus. Wir müssen nicht einmal weit in die Zeit zurückgehen, um mit diesem Phänomen Bekanntschaft zu machen und dessen Folgen richtig zu erfassen, denn wer spricht heute noch von Dirigenten wie Herbert von Karajan oder Claudio Abbado? Sogar der Name von Nikolaus Harnoncourt scheint inzwischen verschneit zu sein. Komponisten ergeht es ähnlich. Während die Vergänglichkeit des Ruhmes im Gegensatz zu vielen früheren Zeiten nicht auf einen Mangel an Tonträgern zurückgeführt werden kann. Man könnte also sagen, dass das Phänomen zeitlos ist und wahrscheinlich auch bleiben wird.

Der Ruhm zu Lebzeiten des Musikers während des Barock basierte selbstverständlich auf dem, was dieser leistete. Kam daran ein Ende, durch Krankheit oder Tod, war es mit seinem Ruf schnell vorbei. Wie auch Komponisten auf vergleichbare Weise „zum Opfer fielen". Selbst die Musik von Johann Sebastian Bach musste warten: Die Matthäus-Passion kam erst 1829, ganze 79 Jahre nach dem Tode des Thomaskantors, dank Felix Mendelssohn-Bartholdy am Pult der Berliner Singakademie. 1841 war es erneut Mendelssohn, dieses Mal in Leipzig, mit dem Orchester des Gewandhauses und einer angepassten Rolle für den Evangelisten und die Solisten. Das Werk war für diese Gelegenheit um fast ein Drittel gekürzt worden...

Herausforderung
Für die Lautenmusik galt bereits während des Barock, dass die Verwendung der Tabulatur an sich bereits eine erhebliche Herausforderung bedeutete und darüber hinaus nur für Musiker zugänglich war, die damit umgehen konnten. Diese alte Schrift, in der ausschließlich die Fingerpositionen und also nicht die Noten festgehalten waren. Nur der betreffende Instrumentalist konnte daraus klug werden.

Wenig veröffentlicht
Es grenzt an ein Wunder, dass die Lautenmusik von Weiss die Jahrhunderte überdauert hat. Denn wie virtuos und wie bewundert er auch zu seiner Zeit war, viel weiter musste es für Weiss nicht gehen. Er kümmerte sich nicht darum, was mit seinen Kompositionen nach seinem Tode geschehen sollte oder würde, wie der geringe Teil davon zeigt, der während seines Lebens veröffentlicht wurde (eine Initiative, die selbstverständlich vom Komponisten selbst ausgehen musste).

Jetzt folgt die von Zigante gegebene Erläuterung zu Leben und Werk von Weiss, teilweise von mir gekürzt und angepasst.

Talentiert
Silvius Leopold Weiss wurde am 12. Oktober 1687 in dem bei Breslau (dem heutigen Wroclaw) gelegenen Grottkau geboren. Sein Vater, Johann Jacob, war ein Lautenist von einigem Ruf und war wahrscheinlich derjenige, der die musikalische Ausbildung dieses talentierten Sprosses auf sich nahm. Das muss zügig vorangegangen sein, denn Silvius war noch ein Teenager, als er sich bereits an den Höfen von Breslau und Innsbruck als Geiger präsentierte.

Reisen hin und her
Dies sollte sein weiteres Leben bestimmen: seine Rolle als Instrumentalist und Komponist. Er reiste hin und her, führte einen komplizierten Reiseplan auf und erfüllte seine Rolle als ausführender Musiker (er trat als Solist und als Mitglied der unterschiedlichsten Ensembles auf) mit Elan.

Rom und Dresden
Zwei wichtige Perioden stechen hervor: von 1710 bis 1714 sein Aufenthalt in Rom und von 1718 bis 1750 in Dresden. In Rom hatte er sich dem Gefolge des polnischen Prinzen Aleksander Soebieski angeschlossen, der im Palazzo Zuccari residierte. Dort machte Weiss unter anderem Bekanntschaft mit Arcangelo Corelli und Vater (Alessandro) und Sohn (Domenico) Scarlatti. Dass sein Aufenthalt in Rom jedoch relativ kurz währte, lag sicherlich am Tod des Prinzen. Der Mangel an Einkommen und anderen Sicherheiten bewog Weiss, unter anderem nach Kassel, Düsseldorf, Prag und Wien zu reisen, um dort zu musizieren, um sich 1718 in Dresden niederzulassen, der Stadt, die so reich an Musik war und über die besten denkbaren Opernhäuser und Musikkapellen verfügte. Dort, am Hof, wusste Weiss seinen damals bereits etablierten Namen noch größere Höhen erklimmen zu lassen. Bald wurde er der bestbezahlte Hofmusiker und konnte darüber hinaus reichlich Inspiration aus Größen wie Quantz, Veracini, Pisendel und Buffadin schöpfen. Die Umstände, Möglichkeiten und Sicherheiten müssen für Weiss in Dresden so günstig gewesen sein, dass er sogar das Angebot des Wiener Kaiserhofs, 1736 in die Musikmetropole zu kommen, gegen eine Verdoppelung seines Honorars spontan ablehnte.

Hommage
Fast sein ganzes Berufsleben hindurch genoss Weiss die Unterstützung, die ihm vor allem aus adeligen Kreisen zuteil wurde. Unter den Mäzenen der damals überall bekannte Graf Johann Anton Losy von Losinthal (ca. 1650-1721), auch unter dem verfranzösten Namen Comte de Logi bekannt, den Weiss 1717 während einer Reise nach Prag kennengelernt hatte. Der Graf war ein talentierter Lautenist, der auch komponierte, und dessen Name in der Musikgeschichte durch Weiss verewigt werden sollte dank des ‚Tombeau sur la morte de M: Comte d'Logÿ arrivée 1721', der musikalischen Hommage an den verstorbenen Grafen, die bis zum heutigen Tag ein wichtiges Repertoirestück von manchem Lautenisten und Gitarristen geblieben ist.

Nach Berlin
1728 lud König Friedrich Wilhelm II. von Preußen Weiss und drei weitere Kollegen aus Dresden ein: den Violinisten Johann Georg Pisendel und die Flötisten Pierre-Gabriel Buffardin und Johann Joachim Quantz, um an seinen Hof in Berlin zu kommen. Wie genau dieser Besuch verlaufen ist, wissen wir nicht, aber Weiss hielt sich dort drei Monate auf und muss bei der Tochter des Königs, Wilhelmine, die sich ebenfalls in der Lautenkunst ausgebildet hatte, großen Gefallen gefunden haben. Sie hielt ihre Erinnerungen in ihren Memoiren fest: 'an den berühmten Weiss, der auf der Laute so sehr hervorragt, dass nie etwas derartiges gesehen worden ist, und dass jeder, der nach ihm kommt, nur die Ehre haben kann, ihn zu imitieren'.

Nach Leipzig
Im Sommer 1739 reiste Weiss zusammen mit seinem Schüler Johann Kropfgans nach Leipzig. Er sollte Wilhelm Friedemann Bach bei einem Besuch bei dessen berühmtem Vater, dem großen Johann Sebastian, begleiten. Davon hat sich ein kurzer Bericht von Johann Elias Bach, Komponist, Lehrer und voller Cousin des Thomaskantors, erhalten: 'Wir genossen sehr gute Musik, als mein Cousin aus Dresden (W.F. Bach, AvdW) in Gesellschaft der zwei berühmten Lautenisten Herr Weiss und Herr Kropfgans mehrfach bei uns zu Hause spielte'.

Ratschläge
Weiss trug auch zur technischen Entwicklung der Laute durch seine Ratschläge an die Lautenbauer Martin und Johann Christian Hoffmann in Leipzig und Thomas Edlinger II in Prag bei. Er fügte der 11-chörigen französischen Laute zwei Chöre hinzu, gestimmt in d-Moll. Er entwickelte eine Laute, die möglicherweise von den in Italien gebräuchlichen Erzlauten und Theorben inspiriert war. Diese Laute hatte einen langen, gebogenen Hals, auch als 'Schwanenhals' bekannt, der die tieferen Registersaiten verlängerte. Dieses Design erzeugte einen stärkeren und ausgeprägteren Klang und war daher besser geeignet für Kammermusik und Basso continuo.

Verarmt
Silvius Leopold Weiss starb am 16. Oktober 1750 in Dresden und hinterließ seine Frau Elisabeth und sieben Kinder. Trotz seiner außergewöhnlichen Verdienste hinterließ er seine Familie aufgrund der hohen Kosten, die mit seinem Status als Hofmusiker verbunden waren, faktisch verarmt.

Weiss' Musik repräsentiert das eindrucksvollste Vermächtnis, das einem einzelnen Komponisten in der gesamten Lautenliteratur zugeschrieben werden kann: etwa 650 Stücke für Sololaute sind erhalten geblieben, neben einigen Kammermusikkompositionen.

Tabulatur
Die von Weiss verfochtene gedruckte Tabulaturform stammt aus einem bekannten Beispiel: dem von Georg Philipp Telemanns Der getreue Music-Meister (Hamburg, 1728). Die übrigen Kompositionen sind nur in (Tabulatur-)Manuskriptform vorhanden, von denen sich die zwei wichtigsten Sammlungen in Dresden und London befinden, daneben aber weltweit verteilt viele andere, zumeist fragmentarisch erhaltene Sammlungen. Der Großteil der Kompositionen ist um gemeinsame Tonarten gruppiert, es gibt aber auch Ausnahmen, wie auf diesem Album das Tombeau sur la Mort de M: Cajetan Baron d'Hartig arrivée le 25 Mars 1719 und das bereits erwähnte Tombeau sur la mort de M: Comte d'Logÿ arrivée 1721. Die Werktitel solcher Gruppierungen wurden zu dieser Zeit oft 'Sonate' genannt, manchmal auch 'Partita', oder ohne irgendeine Angabe.

Fesselnde Auswahl
Die von der argentinischen Lautenistin, Gitarristin und Theorbenistin Evangelina Mascardi (1977, Buenos Aires) besorgte Auswahl aus diesem reichen Oeuvre ist sicherlich keine Zusammenstellung von Weiss' (bekannteren) Stücken. Die einzigen zwei darin aufgenommenen Kompositionen, die heutzutage einige Bekanntheit genießen, sind die Fantasia in c und das Tombeau sur la mort de M: Comte d'Logÿ arrivée 1721. Das zweite Tombeau sur la Mort de M: Cajetan Baron D'Hartig arrivée le 25 mars 1719 (der Baron, einer von vielen Mäzenen, starb im Alter von 33 Jahren nach einem unglücklichen Sturz von seinem Pferd) hat meines Erachtens trotz des intensiven Charakters des Stücks zu Unrecht viel weniger Aufmerksamkeit bekommen.

Mascardi wählte gerade einzigartige und abwechslungsreiche Stücke, auch aus Weiss' eigenem Repertoire. Während Weiss die Neigung hatte, dieselben Muster zu wiederholen, besonders in den Allemanden, Correnti und Giguen, kommen in dieser Auswahl gerade auffallend viele verschiedene Elemente zur Geltung. Ein anderer wichtiger Faktor ist die Vielfalt der Tonarten. Die 13-chörige Laute hat die Eigenschaft, je nach Tonart sehr unterschiedliche Klangfarben zu erzeugen. Dieses Merkmal ist bei modernen Instrumenten durch die gleichschwebende Stimmung vollständig verloren gegangen.

Überraschend
Der letzte Aspekt, der bei der Auswahl berücksichtigt wurde, hängt mit historischen Berichten zusammen, die zeigen, dass Weiss außergewöhnliche Improvisationsfähigkeiten gehabt haben muss. Natürlich kann Improvisation selbst nicht durch geschriebene Musik vermittelt werden, aber viele der Stücke auf dem Album enthalten überraschende und eigenwillige Elemente, die den Hörer sicherlich überraschen werden. Dazu wurden Verzierungen auf der Grundlage von Mascardi's Wissen und Erfahrung des (auch historisierenden) Metiers hinzugefügt. Erinnert ihr Spiel daran, was Prinzessin Wilhelmine in ihren Memoiren festhielt? 'Dass jeder, der nach ihm (Weiss, AvdW) kommt, nur die Ehre haben kann, ihn zu imitieren'. Ich kann nur hinzufügen: erhaben!

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